China, Europa

GeschĂ€fte fĂŒr EU-Unternehmen in China schwieriger

21.06.2023 - 03:57:20

Aussichten trĂŒb: Trotz des Endes der Null-Covid-Strategie blicken europĂ€ische Unternehmen in China heute weniger optimistisch in die Zukunft. Die Wirtschaft schwĂ€chelt, politische Risiken steigen. Was tun?

EuropĂ€ische Unternehmen finden das GeschĂ€ftemachen in China so schwierig wie noch nie. Als Investitionsstandort verliert die zweitgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft an AttraktivitĂ€t, wie am Mittwoch aus einer Umfrage der EuropĂ€ischen Handelskammer in China hervorging. Trotz des Endes des Null-Covid-Politik schwinde die Zuversicht in die wirtschaftlichen Aussichten in China. Auch leide die ProfitabilitĂ€t.

Angesichts wachsender Risiken und eines unberechenbaren Umfeldes sagte eine Rekordzahl von 64 Prozent der befragten Firmen, dass es in China mĂŒhseliger geworden sei, GeschĂ€fte zu betreiben.

Als Konsequenz prĂŒften die Unternehmen, «wie viele Eier sie in ihrem China-Korb behalten wollen», teilte die EU-Kammer in Peking bei der Vorlage der Ergebnisse mit. Elf Prozent hĂ€tten Investitionen schon aus China abgezogen. Zehn Prozent hĂ€tten bereits ihr Asien-Hauptquartier aus China verlegt oder planten eine Verlegung. 62 Prozent beklagten, wegen mangelnden Marktzugangs oder regulatorischer HĂŒrden GeschĂ€ftsmöglichkeiten verpasst zu haben. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gestiegen.

Geopolitische Spannungen

Die Politik und geopolitische Spannungen beeintrĂ€chtigen zunehmend das GeschĂ€ft: 59 Prozent schilderten, dass das Umfeld politisiert sei - ein Zuwachs um neun Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. «Die Folgen der russischen Invasion in der Ukraine haben auch den Blick auf den chinesischen Markt verĂ€ndert, indem sie Unternehmen gezwungen haben, ernsthaft darĂŒber nachzudenken, ob oder wie sie im Falle einer Eskalation der Spannungen in der Taiwanstraße betroffen sein könnten», teilte die Kammer mit.

Peking betrachtet die demokratische Inselrepublik als Teil der Volksrepublik und droht mit einer Eroberung. Taiwan besitzt hingegen seit mehr als sieben Jahrzehnten eine eigenstĂ€ndige Regierung und sucht mehr internationale Anerkennung als Staat. Die USA haben sich der VerteidigungsfĂ€higkeit der Insel verpflichtet und liefern Waffen. So könnte die Großmacht leicht in den Konflikt hineingezogen werden.

VerÀnderungen bei Lieferketten

Drei von vier Unternehmen haben ihre Lieferketten in den vergangenen zwei Jahren ĂŒberprĂŒft. 64 Prozent gaben an, sie widerstandsfĂ€higer machen zu wollen. Fast ein Drittel nannte geopolitische Faktoren als Grund. Ein Viertel verwies aber auch auf politische Entwicklungen in China, das sich stĂ€rker auf eigene FĂŒĂŸe stellen will. Zwölf Prozent der EU-Firmen haben Teile ihrer Lieferketten bereits aus China abgezogen, wie die Umfrage weiter ergab.

Auch die Einnahmen laufen nicht mehr wie frĂŒher. 30 Prozent berichteten Umsatzeinbußen - dreimal mehr als im Vorjahr. Als einer der GrĂŒnde wurde das langsamere Wachstum in China genannt, das 2022 wegen Lockdowns und anderer Covid-BeschrĂ€nkungen nur drei Prozent erreichte. Auch die ProfitabilitĂ€t ging zurĂŒck. Obwohl China im Dezember abrupt die Null-Toleranz-Politik beendet hatte, blicken die Unternehmen heute nicht optimistischer in die Zukunft. Vielmehr sind nur noch 55 Prozent zuversichtlich - ein RĂŒckgang um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als in China noch Null-Covid galt.

Erhebliche Kosten

«Erhöhte Herausforderungen fĂŒr GeschĂ€fte in China, geopolitische Spannungen sowie die SchwĂ€che der chinesischen und globalen Wirtschaft haben Chinas AttraktivitĂ€t als Investitionsziel untergraben», teilte die Kammer mit. Der Exodus von AuslĂ€ndern, der durch die Null-Covid-Politik verstĂ€rkt worden war, wurde als weiteres Problem beschrieben. 16 Prozent haben gar keine AuslĂ€nder mehr in ihrem Unternehmen arbeiten - fĂŒnf Prozent mehr als im Vorjahr. Kleine und mittelgroße Unternehmen sind besonders betroffen.

«All diese Faktoren gehen mit erheblichen Kosten einher, da die Mitgliedsunternehmen von einem verringerten Know-how-Transfer, von Schwierigkeiten in der Kommunikation und sogar der Notwendigkeit berichten, Investitionen zu verschieben», teilte die Kammer mit. «Die Diskrepanz zwischen den Unternehmenszentralen und den Betriebsrisiken in China schĂ€digen weiter das Vertrauen in den chinesischen Markt weiter und lösen einen Teufelskreis des RĂŒckzugs aus.»

Die jÀhrliche Umfrage, an der sich diesmal 570 Unternehmen beteiligt haben, wurde im Februar und Anfang MÀrz in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Roland Berger vorgenommen.

@ dpa.de