Autobranche: Gewinn pro Fahrzeug um 17,5 Prozent eingebrochen
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die weltgrößten Autokonzerne stecken in der Ertragskrise. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Gewinn pro verkauftem Fahrzeug deutlich – der Preiswettbewerb vor allem in China und US-Zölle setzen die Branche massiv unter Druck.
Ergebnis rutscht um 17,5 Prozent ab
Das operative Ergebnis der 15 größten nichtchinesischen Hersteller fiel von 1.409 Euro auf 1.187 Euro pro Fahrzeug. Insgesamt verdienten die Konzerne – darunter Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und Tesla – nur noch 35,6 Milliarden Euro. Das ist ein Rückgang von 17,5 Prozent. Der Umsatz sank im gleichen Zeitraum leicht um 1,4 Prozent.
CAM-Leiter Stefan Bratzel nennt die Entwicklung ein „deutliches Alarmsignal“. Die Schere zwischen Umsatz und Ertrag werde immer größer. Haupttreiber: der intensive Wettbewerb auf dem chinesischen Markt und die Auswirkungen der US-Zölle.
Porsche SE rutscht tief in die Verlustzone
Besonders hart erwischt es die Porsche SE, den Hauptaktionär von Volkswagen. Für das erste Halbjahr stehen 2,2 Milliarden Euro Verlust in den Büchern – im Vorjahr waren es noch 300 Millionen Euro Gewinn. Grund sind Wertberichtigungen auf die VW-Beteiligung in Höhe von 3 Milliarden Euro und auf Porsche von 200 Millionen Euro.
Im VW-Konzern selbst spitzt sich die Lage weiter zu. Berichten zufolge könnten bis zu vier Werke geschlossen werden – rund 50.000 Stellen wären gefährdet.
Auch Ford kämpft mit seiner Elektro-Sparte. Im zweiten Quartal stand ein Nettoverlust von 1,3 Milliarden US-Dollar in der Bilanz, die Sparte „Model e“ trug davon rund 800 Millionen Euro bei. Immerhin: Pick-ups und Nutzfahrzeuge laufen so gut, dass Ford die Prognose anheben konnte.
E-Auto-Boom? Tesla stürzt ab
Die Ertragskrise der Autobranche verschärft sich: Der Gewinn pro Fahrzeug sank im ersten Halbjahr 2026 um 17,5 Prozent – ein klares Alarmsignal. Unser kostenloser Report analysiert die Ursachen und zeigt, welche Auswege es für Anleger und Beschäftigte gibt. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Der deutsche Markt für Elektroautos wächst rasant: Im Juli kamen 78.609 Neuwagen mit Stecker auf die Straße – ein Plus von 61,7 Prozent. Der Marktanteil liegt bei rund 30 Prozent. Mercedes-Benz feierte mit dem CLA EQ und 2.514 Zulassungen einen Rekord.
Ganz anders bei Tesla: Nur 367 Fahrzeuge wurden im Juli neu zugelassen. Das Model Y verlor mit 299 Einheiten 95 Prozent im Vergleich zum Juni. Branchenbeobachter machen eine veraltete Modellpalette und starke asiatische Konkurrenz dafür verantwortlich.
BMW baut 8.000 Stellen ab
BMW reagiert mit einem umfassenden Sparprogramm auf den Kostendruck. Weltweit sollen 8.000 Stellen wegfallen. In Deutschland läuft zwischen Oktober 2026 und Ende 2027 ein Freiwilligenprogramm für bis zu 50.000 Beschäftigte.
Finanzexperten empfehlen betroffenen Mitarbeitern, die sogenannte Fünftelregelung bei Abfindungen zu prüfen. Bei einer Abfindung von 250.000 Euro lassen sich demnach bis zu 20.000 Euro Steuern sparen.
Lichtblick: Geschäftsklima erholt sich leicht
BMW baut 8.000 Stellen ab, VW erwägt Werksschließungen – betroffene Mitarbeiter sollten jetzt ihre Optionen prüfen. Unser Leitfaden erklärt, wie Sie bei Abfindungen Steuern sparen können – bis zu 20.000 Euro sind möglich. Leitfaden für betroffene Mitarbeiter sichern
Das Ifo-Geschäftsklima für die Autoindustrie stieg im Juli um 6 Punkte auf minus 15,6 Zähler. Die Erwartungskomponente erreichte mit minus 0,1 Punkten den höchsten Stand seit drei Jahren.
Ifo-Expertin Anita Wölfl sieht die Auftragsbücher sich wieder füllen – auch dank Rüstungsaufträgen, die Zulieferern und Karosserieherstellern helfen. Das erwartete BIP-Wachstum von 0,9 Prozent bleibt allerdings moderat. Die Branche ist noch lange nicht über den Berg.
