Produktion/Absatz, Konjunktur

Schon bald keine Förderung von E-Autos mehr

14.12.2023 - 14:47:11

AutokĂ€ufer mĂŒssen sich auf ein schnelles Ende der staatlichen Förderung bei Elektroautos einstellen.

Die Förderung soll "zeitnah" auslaufen, wie eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Donnerstag sagte. Wirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) hatte am Mittwoch gesagt, die Förderung werde frĂŒher beendet als bisher geplant.

Ab wann genau die Förderung endet, ist unklar. Es könnte sein, dass schon zum Jahreswechsel keine neuen AntrÀge mehr gestellt werden können. Bereits eingegangene AntrÀge sollen aber noch bearbeitet werden.

Nach langen Verhandlungen hatten die Spitzen der Ampel-Koalition aus SPD, GrĂŒnen und FDP am Mittwoch eine Grundsatzeinigung darĂŒber getroffen, wie nach einem Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts Milliardenlöcher gestopft werden. Das betrifft den Kernhaushalt sowie den Klima- und Transformationsfonds (KTF) - aus dem auch die Förderung fĂŒr E-Autos finanziert wird.

Bisher geplant war laut Ministerium, dass die E-Auto-Förderung Ende 2024 auslĂ€uft - beziehungsweise vorher, wenn die Mittel aufgebraucht sind. FĂŒr einige ĂŒber den KTF finanzierte Förderprogramme ist aber nun Schluss. "Dazu zĂ€hlt bedauerlicherweise etwa, dass der Umweltbonus frĂŒher auslĂ€uft als geplant", hieß es aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums.

Die Folge: der Absatz von E-Autos könnte einbrechen. "Mit der Haushaltskrise fĂ€hrt nach unserer EinschĂ€tzung die Autoindustrie in Deutschland in eine Elektroautokrise", sagte der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er rechnet im Jahr 2024 mit einem RĂŒckgang von bis zu 200 000 Elektroauto-VerkĂ€ufen in Deutschland, falls ab dem 1. Januar 2024 keine AntrĂ€ge fĂŒr die PrĂ€mie mehr angenommen werden.

Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts wurden von Januar bis Ende November rund 470 000 reine E-Autos neu zugelassen - der Anteil an den gesamten Zulassungen lag bei 18 Prozent.

Das Angebot an E-Autos sei deutlich erweitert worden, so Dudenhöffer. "Sie sind allerdings ohne die Förderung fĂŒr die NeuwagenkĂ€ufer deutlich zu teuer." Bereits die geringere PrĂ€mie und die Beendigung der gewerblichen Förderung habe den Hochlauf der E-MobilitĂ€t gestoppt.

2016 hatte die damalige Bundesregierung eine KaufprĂ€mie beschlossen, um den Absatz von Elektroautos anzukurbeln - was auch gelang. Zu Beginn dieses Jahres gab es dann bereits KĂŒrzungen bei der PrĂ€mie fĂŒr reine Stromer. Plug-In-Hybride, die neben einem Elektro-Motor auch noch einen Verbrenner nutzen, erhalten seit Jahresbeginn gar keine staatliche UnterstĂŒtzung mehr. Und seit September können nur noch Privatpersonen eine staatliche Förderung beantragen - fĂŒr gewerblich genutzte Pkw gibt es sie nicht mehr.

Ende November kam die Branche zu einem "Autogipfel" mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zusammen. Es bestand laut Regierung Einigkeit darin, dass die Anschaffungskosten von E-Autos gesenkt werden mĂŒssen, um den Ausbau der E-MobilitĂ€t voranzutreiben. Schon zum Treffen hin warnten viele in der Wirtschaft, das Ziel der Bundesregierung sei wohl nicht zu halten - es lautet: bis 2030 sollen 15 Millionen E-Fahrzeuge auf den Straßen fahren. Anfang November lag der Bestand reiner E-Autos nach Branchenangaben bei etwa 1,3 Millionen.

Nach dem frĂŒheren Auslaufen der KaufprĂ€mie rĂŒcke das Ziel der Bundesregierung von 15 Millionen E-Autos 2030 in sehr weite Ferne, sagte Reinhard Zirpel, PrĂ€sident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller: "Wir mĂŒssen nun damit rechnen, dass die Neuzulassungen von E-Fahrzeugen nĂ€chstes Jahr sinken werden, mit der Folge steigender CO2-Emissionen des Verkehrs in Deutschland."

Der Ausbau der ElektromobilitÀt gilt aber eigentlich als wichtiger Beitrag in der Strategie der Bundesregierung, um Klimaziele zu erreichen - der Verkehrssektor ist ein Sorgenkind.

Die PrĂ€sidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard MĂŒller, kritisierte: "Den Umweltbonus frĂŒher auslaufen zu lassen, ist- in Zeiten sich ĂŒberlappender Krisen und steigender Kosten fĂŒr dieMenschen in unserem Land - eine Fehlentscheidung." Um sicherzustellen, dass mindestens diejenigen den Bonus erhalten, die ihr Elektrofahrzeug bereits im Vertrauen auf die Förderung bestellt hatten, mĂŒsse die Regierung umgehend das Kaufdatum - und nicht das Auslieferungsdatum - zum entscheidenden Kriterium fĂŒr den Erhalt des Umweltbonus machen.

Der ADAC erwartet durch die Abschaffung der PrÀmie einen erheblichen DÀmpfer gerade bei Kleinwagen und Mittelklasse-Fahrzeugen. Zumindest bereits gestellte AntrÀge sollten im Sinne der Planungssicherheit noch bewilligt werden. Unionsfraktionsvize Ulrich Lange sagte: "Die sofortige Streichung des Umweltbonus wird die ElektromobilitÀt ausbremsen, da sich nun viele Menschen kein E-Auto mehr leisten können."

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