Automatische, Steuererklärung

Automatische Steuererklärung: 11,5 Millionen Nutzer seit 1. Juli

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 17:22 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Hessens Finanzministerium setzt drei KI-Systeme zur Betrugsbekämpfung ein. Eine Studie zeigt derweil massive digitale Rückstände und jährliche Steuerschäden von rund 100 Milliarden Euro.

Hessen startet KI-Offensive für modernere Steuerverwaltung
Abstrakte Darstellung von Künstlicher Intelligenz in der Steuerverwaltung, mit leuchtenden neuronalen Netzen über Steuerdokumenten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Systeme sollen künftig auch anderen Bundesländern zur Verfügung stehen. Ziel ist eine effizientere Betrugsbekämpfung und Prozessautomatisierung.

Drei KI-Systeme im Einsatz

In der hessischen Finanzverwaltung arbeiten seit Kurzem spezialisierte KI-Werkzeuge mit den Namen MAXi, KIBUS und KICC. Finanzminister Lorz bezeichnete die Technologie als „Werkzeug zur Stärkung der Steuergerechtigkeit". Die Anwendungen laufen in einer geschützten Steuercloud auf deutschen Servern.

MAXi fungiert als digitaler Wissensassistent. Er durchsucht Steuergesetze und bietet Übersetzungen in über 100 Sprachen. KIBUS analysiert Massendaten, um Steuerhinterziehung automatisiert zu identifizieren. KICC wiederum zielt gezielt auf Cum-Cum-Geschäfte ab. Über den KONSENS-Verbund der Länder soll KIBUS bundesweit verfügbar werden.

Milliardenloch und digitale Rückstände

Eine aktuelle Studie der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG) zeichnet ein düsteres Bild. Der jährliche Steuerschaden in Deutschland liegt demnach bei rund 100 Milliarden Euro. Die größten Schlupflöcher: Bargeldbetrug und Umsatzsteuerkarussells mit je 15 bis 20 Milliarden Euro Schaden, gefolgt von Krypto-Geldwäsche.

DSTG-Chef Köbler kritisiert scharf: „Finanzkriminelle arbeiten routiniert mit KI, während der Staat vielerorts noch mit Aktenordnern beschäftigt ist." Die Studie belegt: 98 Prozent der Steuerprüfer haben keinen vollständigen digitalen Datenzugriff. 91 Prozent der Beschäftigten fühlen sich digital unzureichend ausgestattet. Drei Viertel der Bürger halten die Steuerfahndung für ineffektiv.

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Pilotprojekt für automatische Steuererklärung

Parallel läuft die Digitalisierung für Steuerzahler. Seit dem 1. Juli testen Hessen, Thüringen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein die automatische Steuererklärung. Rund 11,5 Millionen Elster-Nutzer können vorausgefüllte Formulare mit einem Klick bestätigen. Die reguläre Abgabefrist für das aktuelle Steuerjahr endet am 31. Juli.

In der Fachwelt wird bereits über weitergehende Reformen diskutiert. Blockchain-Technologie könnte künftig Steuerdaten in Echtzeit erfassen und die jährliche Erklärung langfristig ersetzen.

KI in der Privatwirtschaft – mit Hürden

Auch Steuerberater und Unternehmen setzen zunehmend auf KI. Softwareanbieter wie Wolters Kluwer integrieren Assistenten zur Automatisierung von Buchungen. Eine Studie des Financial Reporting Council vom 8. Juli zeigt: 39 Prozent der Organisationen nutzen bereits generative KI, vor allem für Textentwürfe und Datenaufbereitung.

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Doch der Kontrollaufwand bleibt hoch. Eine IDC-Untersuchung aus dem Frühjahr belegt: Finanzverantwortliche verbringen oft 15 bis über 30 Stunden pro Woche mit der Validierung von KI-Ergebnissen. Viele Experten lehnen KI-Tools ab, wenn deren Entscheidungswege nicht transparent sind.

Politik plant steuerliche Neuerungen

Der Haushaltsentwurf vom 10. Juli sieht vor, die einjährige Haltefrist für steuerfreie Kryptogewinne ab 2027 abzuschaffen. Stattdessen soll eine Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag greifen. Der Bund verspricht sich Milliarden-Mehr-einnahmen.

Gleichzeitig wird über eine Reform der Erbschaftsteuer debattiert. SPD-Generalsekretär Klüssendorf fordert, Privilegien bei Vermögen ab 26 Millionen Euro abzubauen. Freibeträge für kleinere Erbschaften und Unternehmen sollen moderat steigen. Eine Neuregelung wird um den Jahreswechsel 2026/2027 erwartet.

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