Automobilindustrie in Krise: 300.000 Jobs seit 2019 verloren
23.06.2026 - 19:54:00 | boerse-global.de
Der Betriebsrat der Audi AG hat auf einer Betriebsversammlung in Ingolstadt verbindliche Zusagen für die Zukunft der heimischen Standorte und der Belegschaft gefordert. Die Arbeitnehmervertretung pocht angesichts des schwierigen Marktumfelds auf eine verlässliche Strategie.
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„Die Leistungsfähigkeit ist da – jetzt muss die Führung liefern“
Betriebsratschef Jörg Schlagbauer verlangte klare Perspektiven für Beschäftigung und Standorte. Er verwies auf die außergewöhnlichen Ergebnisse der Belegschaft in der Vergangenheit. Nun sei die Unternehmensführung am Zug, die Rahmenbedingungen für die kommenden Jahre zu schaffen.
Seine Stellvertreterin Rita Beck betonte: Die künftige Auslastung der Werke sei das entscheidende Kriterium für die Standortsicherheit. Nur eine stabile Produktion könne Ingolstadt langfristig sichern. Arbeitsdirektor Xavier Ros konterte: Die Wettbewerbsfähigkeit von Audi erfordere konsequentes gemeinsames Handeln. Die Stimmung in der Belegschaft gilt als gedrückt, eine neue Betriebsvereinbarung wird offenbar vorbereitet.
Sparkurs im gesamten VW-Konzern
Die Lage bei Audi steht exemplarisch für den Druck im Volkswagen-Konzern. Zeitgleich fand in Baunatal eine Versammlung mit rund 6.000 Mitarbeitern statt. Betriebsratschef Carsten Büchling kritisierte das Vorgehen des Vorstands scharf und sprach von einem Kommunikationsdesaster. Die Beschäftigten sorgen sich um den Sparkurs und die fehlende Konkretheit des Zielbildes 2030 – zumal die Beschäftigungssicherung Ende des Jahrzehnts ausläuft.
Auch bei Porsche verschärft sich der Kurs. CEO Michael Leiters kündigte auf der Hauptversammlung an, das Unternehmen weiter zu verschlanken. Bis 2029 sollen rund 3.900 Stellen wegfallen. Leiters begründete dies mit einem zu starken Wachstum im indirekten Bereich und kündigte an, die Modellvarianten zu reduzieren und den Fokus auf margenstärkere Fahrzeuge zu legen.
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Wirtschaftliche Rahmenbedingungen belasten die Industrie
Die Forderungen der Betriebsräte treffen auf ein eingetrübtes Umfeld. Der Bundesverband der Deutschen Industrie senkte seine Wachstumsprognose für 2026 auf 0,4 Prozent. Die Industrieproduktion war im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal und zum Vorjahreszeitraum rückläufig.
Laut einer Umfrage des Verbandes der Automobilindustrie bewerten 41 Prozent der mittelständischen Betriebe ihre Lage als schlecht oder sehr schlecht. Mehr als zwei Drittel verschieben oder streichen geplante Investitionen in Deutschland. Als Hauptbelastungen nennen die Betriebe Bürokratie, Steuerlast und hohe Strompreise. Gesamtmetall berichtet zudem: Die Metall- und Elektroindustrie hat seit 2019 bereits 300.000 Arbeitsplätze verloren – rund 10.000 pro Monat.
Lichtblicke: Cariad-Campus und neuer Antrieb
Trotz der Sparmaßnahmen investiert der VW-Konzern punktuell in die Zukunft. Die Softwaretochter Cariad eröffnete einen neuen Campus in Berlin. Rund 1.000 Beschäftigte sollen dort an künstlicher Intelligenz und autonomem Fahren arbeiten. Cariad-Chef Peter Bosch betonte die Bedeutung gebündelter Kompetenzen für moderne Infotainment-Systeme.
Im ungarischen Audi-Werk Gy?r startete zudem die Serienproduktion des neuen MEBeco-Antriebs. Seit 2022 flossen rund 350 Millionen Euro in das Projekt. Der Antrieb ist für kompakte Elektromodelle wie den Cupra Raval vorgesehen und sichert 260 Arbeitsplätze am Standort.
