Automobilindustrie, Krankenstand

Automobilindustrie: Krankenstand auf Rekord von 8,94 Prozent gestiegen

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 10:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Der Krankenstand in der deutschen Automobilzulieferbranche erreicht mit 8,94 Prozent einen neuen Höchstwert. Psychische Erkrankungen sind der Haupttreiber für die steigenden Fehlzeiten.

Rekord-Krankenstand in der Auto-Zulieferindustrie: Psychische Leiden als Hauptgrund
Automobilindustrie - Ein erschöpfter Fabrikarbeiter in einer Automobilzulieferfabrik, der die Belastung und den hohen Krankenstand in der Branche symbolisiert. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Belastung der Beschäftigten in der deutschen Automobil-Zulieferindustrie hat einen historischen Höchststand erreicht. Laut Daten der AOK Rheinland/Hamburg stieg der Krankenstand in diesem Sektor im Jahr 2025 auf 8,94 Prozent. Damit liegt die Branche deutlich über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 7,01 Prozent.

Der Wert hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben entwickelt. Lag er 2016 noch bei 6,82 Prozent, stieg er über 8,36 Prozent (2023) und 8,61 Prozent (2024) auf den aktuellen Rekord.

Psychische Erkrankungen als Haupttreiber

Besonders auffällig ist die Zunahme psychisch bedingter Fehlzeiten. Diese beliefen sich 2025 auf durchschnittlich 6,6 Tage pro Beschäftigtem – mehr als doppelt so viele wie 2017 (3,2 Tage). Die mentale Belastung in der Branche hat sich damit innerhalb weniger Jahre verdoppelt.

Psychische Erkrankungen führen zudem zu besonders langen Ausfallzeiten: Mit einer durchschnittlichen Falldauer von 39,1 Tagen liegen sie weit über dem Durchschnitt anderer Krankheitsbilder.

Hohe Kosten durch Langzeiterkrankungen

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Nach Angaben des BKK Dachverbands war 2025 jeder vierte Fehltag ein Krankengeldtag – ein Zeichen für längere Krankheitsverläufe. Die Ausgaben für Krankengeld erreichten mit 21,6 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Seit 2016 sind die Krankengeldtage pro Beschäftigtem um mehr als 24 Prozent gestiegen.

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Automobilindustrie vor massivem Stellenabbau

Die hohen Krankenstände treffen auf eine Branche im tiefgreifenden Umbau. Bei Volkswagen wird über eine deutliche Verschärfung des Sparkurses beraten. Weltweit könnten bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Zudem droht die Schließung von vier Werken – Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm gelten als gefährdet. In Zwickau und Emden könnte die Produktion ab 2031 auslaufen, gefolgt von Hannover (2032) und Neckarsulm (2034). Rund 40.000 Beschäftigte wären unmittelbar betroffen.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller betont die Notwendigkeit von Reformen und Kostendisziplin. Nicht alle Werke bei Herstellern und Zulieferern könnten in ihrer jetzigen Form gehalten werden. Standorte müssten gegebenenfalls auch für ausländische Hersteller geöffnet werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

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Verzicht und Widerstand in der Belegschaft

Der wirtschaftliche Druck zeigt sich in konkreten Zugeständnissen der Arbeitnehmer. Beim Zulieferer Mahle verzichten rund 4.000 Beschäftigte auf Tariferhöhungen und Weihnachtsgeld, um die Standorte zu stützen. Gleichzeitig verschärfen sich die Fronten. Die IG Metall kündigt Protestaktionen an, während auf Managementebene über eine Ausweitung der Arbeitszeit debattiert wird. Bei Mercedes-Benz wurde die Einführung einer 40-Stunden-Woche bei gleichbleibendem Gehalt angeregt.

Marktanalysten von Atradius prognostizieren für die deutsche Automobilindustrie einen weiteren Produktionsrückgang. Für 2026 wird ein Minus von 2,6 Prozent erwartet, gefolgt von einem weiteren Rückgang um 1,8 Prozent im Jahr 2027. Als Hauptursachen gelten der systemische Wettbewerbsvorteil chinesischer Hersteller und das gebremste Wachstum in wichtigen Absatzmärkten wie China. Der Druck auf die gesamte Lieferkette verstärkt die Belastung für Unternehmen und Belegschaften gleichermaßen.

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