Deutsche Bahn, Bahn-Pünktlichkeit

Bahn-Pünktlichkeit: DB InfraGO nennt 2029 als Wendepunkt

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 14:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
DB InfraGO-Chef Philipp Nagl erwartet eine spürbare Verbesserung erst nach dem Abschluss wichtiger Korridorsanierungen. Bis dahin belasten marode Anlagen, hohe Auslastung und weitere Baustellen den Fernverkehr.

Belastung für das Bahnnetz

  • Die Strecke Hannover-Berlin soll bis Ende 2027 modernisiert werden.
  • Für 2029 ist die Generalsanierung der Verbindung Hamburg-Hannover vorgesehen.
  • 2026 stieg die Zahl der Verspätungsfälle durch gestörte Anlagen laut Philipp Nagl um 40 Prozent.
Der Chef der DB InfraGo, Philipp Nagl, hofft auf mehr Pünktlichkeit nach der Sanierung besonders heikler Strecken ab 2029. (Archivbild) - Bild: Carsten Koall/dpa

Bahn nennt 2029 als Ziel für bessere Pünktlichkeit

Die Deutsche Bahn wird im Fernverkehr trotz umfangreicher Streckensanierungen unpünktlicher. DB-InfraGO-Chef Philipp Nagl nennt 2029 als Zeitpunkt, ab dem die Züge nach Abschluss wichtiger Arbeiten wieder zuverlässiger fahren sollen.

Hannover-Berlin bleibt Baustelle

Die Modernisierung der Strecke Hannover-Berlin soll bis Ende des kommenden Jahres dauern. 2029 steht nach Nagls Angaben die Verbindung Hamburg-Hannover an; danach seien die großen Strecken erledigt und die Pünktlichkeit werde sich deutschlandweit verbessern.

Pünktlichkeit deutlich unter Zielmarke

Die Generalsanierungen sollen das überalterte Schienennetz langfristig ertüchtigen. Das Projekt wurde nach Verzögerungen und anhaltenden Problemen mehrfach überarbeitet.

Die Pünktlichkeit im Fernverkehr sank von 64 Prozent im Jahr 2023 auf rund 60 Prozent im vergangenen Jahr. Für 2026 wird eine noch schlechtere Quote erwartet, während die Bahnstrategie des Bundesverkehrsministeriums bis Ende 2029 mindestens 70 Prozent vorsieht.

Technische Anlagen verursachen viele Ausfälle

Als Hauptursache nannte Nagl veraltete Weichen, Oberleitungen und Stellwerke. Diese Anlagen gingen derzeit schneller kaputt, als sie repariert werden könnten.

Die Zahl der Verspätungsfälle wegen gestörter Infrastrukturanlagen sei 2026 um 40 Prozent gestiegen, sagte Nagl der «Zeit». Der kalte Winter und der heiße Sommer hätten sanierungsbedürftige Anlagen besonders belastet und schnelle Reparaturen erschwert.

Hohe Auslastung lässt wenig Spielraum

Zusätzlich verschärft die hohe Zugdichte die Probleme. Die Strecke Hamburg-Berlin sei ursprünglich für einen Fernzug je Richtung und Stunde ausgelegt worden; inzwischen fahre die Bahn dort allein im 30-Minuten-Takt.

Hinzu kämen Züge des Wettbewerbers Flix und möglicherweise weitere Verbindungen des italienischen Unternehmens Italo. Für diese Auslastung sei die Strecke nie gebaut worden, betonte Nagl.

Die von Philipp Nagl genannte Perspektive für 2029 fällt in eine Phase, in der die Bahn ihr Netz gleichzeitig erneuern und den laufenden Verkehr aufrechterhalten muss. Generalsanierungen bündeln Arbeiten an Gleisen, Weichen, Oberleitungen und Stellwerken. Kurzfristig führen solche Eingriffe zu Sperrungen, Umleitungen und zusätzlichen Belastungen auf benachbarten Strecken.

Der zentrale Zusammenhang besteht darin, dass ein zuverlässigerer Betrieb nicht allein von einzelnen Bauprojekten abhängt. Auch nach Abschluss wichtiger Korridore bleiben überalterte Anlagen, hohe Zugdichte und witterungsbedingte Schäden maßgebliche Faktoren. Die von Nagl genannte Auslastung der Hamburg-Berlin-Strecke zeigt, wie wenig Puffer ein stark belegtes Netz bei Störungen besitzt.

Sanierung mit langfristigem Ziel

Für Fahrgäste bedeutet der Zeitplan daher zweierlei: Bis 2029 können Baustellen den Reiseverkehr weiterhin spürbar erschweren, zugleich soll die Infrastruktur danach stabiler funktionieren. Die politische Zielmarke von mindestens 70 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr bis Ende 2029 setzt den angekündigten Verbesserungen einen messbaren Rahmen.

Ob dieses Ziel erreicht wird, hängt neben den genannten Korridorsanierungen auch vom Tempo bei Reparaturen, der Verfügbarkeit von Ersatzteilen und zusätzlicher Kapazität ab. Besonders stark ausgelastete Verbindungen bleiben anfällig, weil schon eine einzelne technische Störung zahlreiche Folgeverspätungen auslösen kann.

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