Deutsche Bahn, Fernverkehr

Bahn-PĂŒnktlichkeit: Fast jeder zweite Fernzug im September verspĂ€tet

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 18:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Im September war mit 52,4 Prozent fast jeder zweite Fernzug der Deutschen Bahn verspÀtet. Anlagenstörungen und die seit Freitag laufende Sanierung der Strecke zwischen Hannover und Berlin belasten den Verkehr weiter.

Die Bahn dĂŒrfte ihr PĂŒnktlichkeitsziel auch in diesem Jahr deutlich verfehlen. (Archivbild) - Bild: Martin Schutt/dpa
Die Bahn dĂŒrfte ihr PĂŒnktlichkeitsziel auch in diesem Jahr deutlich verfehlen. (Archivbild) - Bild: Martin Schutt/dpa

Die PĂŒnktlichkeit der FernzĂŒge der Deutschen Bahn ist im September mit 52,4 Prozent nahezu auf dem niedrigen Niveau des Vormonats geblieben.

Fast jeder zweite Fernzug verspÀtet

Nach Angaben der Deutschen Bahn war der Wert der zweitschlechteste Monatswert im laufenden Jahr. Eine hohe Zahl von Anlagenstörungen habe erneut zahlreiche VerspÀtungen verursacht.

Als verspĂ€tet gilt ein Zug bei einer Verzögerung von mindestens sechs Minuten. ZugausfĂ€lle werden dabei nicht berĂŒcksichtigt.

Berlin-Hannover bis Dezember 2027 gesperrt

Auf der Verbindung zwischen Berlin und Wolfsburg mussten ICE-ZĂŒge wegen des schlechten Streckenzustands vielerorts langsamer fahren. Der Abschnitt gehört zur Strecke Hannover-Berlin, die seit Freitag vollstĂ€ndig gesperrt ist und umfassend saniert wird.

Die Arbeiten sollen bis Mitte Dezember 2027 dauern. Die FernzĂŒge werden ĂŒber Braunschweig und Magdeburg umgeleitet; dadurch verlĂ€ngert sich die Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover um rund 80 Minuten.

ReisendenpĂŒnktlichkeit ebenfalls niedrig

Die sogenannte ReisendenpĂŒnktlichkeit lag im September bei 58,6 Prozent. In diese Kennzahl fließen auch ZugausfĂ€lle ein; als pĂŒnktlich gilt eine Ankunft mit höchstens 14 Minuten und 59 Sekunden VerspĂ€tung.

Bahnchefin Evelyn Palla hatte fĂŒr dieses Jahr eine FernverkehrspĂŒnktlichkeit von mindestens 60 Prozent als Ziel ausgegeben. Dieses Ziel wird voraussichtlich verfehlt.

Sanierungen bis in die 2030er-Jahre

Die Bahn saniert derzeit mit Milliardenmitteln des Bundes Dutzende stark belastete Strecken. Die Generalsanierungen sollen sich bis weit in die 2030er-Jahre erstrecken und das Netz schrittweise stabiler machen.

Sanierung als Belastungsprobe

Die niedrige FernverkehrspĂŒnktlichkeit trifft auf ein Netz, das gleichzeitig betrieben und grundlegend erneuert werden muss. Die Deutsche Bahn bĂŒndelt deshalb Arbeiten in sogenannten Generalsanierungen und sperrt stark belastete Korridore vollstĂ€ndig, statt sie abschnittsweise unter laufendem Verkehr zu reparieren.

Die Strecke zwischen Berlin und Hannover zeigt die GrĂ¶ĂŸenordnung dieses Ansatzes. Auf rund 230 Kilometern sollen Gleise, Weichen, Oberleitungen und Stellwerke erneuert sowie mehr als zwei Dutzend Bahnhöfe modernisiert werden. Besonders aufwendig ist der Austausch einer mehr als 50 Kilometer langen festen Betonfahrbahn rund um Stendal. FĂŒr Reisende bedeutet das bis Dezember 2027 lĂ€ngere Fahrzeiten und zusĂ€tzliche Umleitungen.

Folgen fĂŒr Reisende und GĂŒterverkehr

Die Sperrung verschĂ€rft zunĂ€chst die Belastung im ohnehin störungsanfĂ€lligen Fernverkehr. FernzĂŒge zwischen Berlin und Hannover benötigen rund 80 Minuten lĂ€nger; Wolfsburg und Stendal verlieren zumindest vorĂŒbergehend Fernverkehrshalte. Auch der Regionalverkehr ist betroffen, unter anderem durch Ersatzbusse.

Langfristig soll die gebĂŒndelte Sanierung die StabilitĂ€t erhöhen. Ob dieses Ziel erreicht wird, hĂ€ngt nicht nur vom Abschluss der Bauarbeiten, sondern auch von belastbaren BaustellenfahrplĂ€nen, ausreichenden Umleitungsstrecken und einer besseren digitalen AusrĂŒstung ab. Auf dem Korridor werden nur sechs von 25 Stellwerken digitalisiert und fĂŒr ETCS vorbereitet. FĂŒr FahrgĂ€ste bleibt daher entscheidend, ob die Investitionen nach der Sperrung tatsĂ€chlich zu weniger AusfĂ€llen und VerspĂ€tungen fĂŒhren.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Generalsanierungen: Bahn saniert Strecke Berlin-Hannover – 14 Monate Sperrung“ (02.10.2026)

Der Bericht bestĂ€tige die vollstĂ€ndige Sperrung der rund 230 Kilometer langen Strecke bis Dezember 2027 und erlĂ€utere die Folgen fĂŒr Fern- und Regionalverkehr. Er setze einen zusĂ€tzlichen Schwerpunkt auf die Bauplanung: Die Strecke werde nicht vollstĂ€ndig mit dem digitalen Zugleitsystem ETCS ausgerĂŒstet; außerdem wĂŒrden Erfahrungen aus frĂŒheren Generalsanierungen auf mögliche Anlaufschwierigkeiten nach der Wiedereröffnung verweisen.

DER SPIEGEL: „Bahnstrecke Hannover–Berlin seit dem Morgen gesperrt“ (02.10.2026)

Der Artikel bestĂ€tige die Umleitung ĂŒber Braunschweig und Magdeburg sowie die rund 80 Minuten lĂ€ngere Fahrzeit. Anders als die dpa-Meldung hebe er die konkreten Auswirkungen auf Wolfsburg, Stendal und den Regionalverkehr hervor und stelle die Frage in den Mittelpunkt, ob die langfristig erwartete Verbesserung angesichts der langen Sperrung und der nur teilweisen Digitalisierung ausreiche.

Beide Berichte stellten die Sanierung als notwendige Erneuerung einer stark belasteten Strecke dar; zugleich bleibe offen, wie zuverlĂ€ssig der Verkehr wĂ€hrend der Bauzeit funktioniere und ob die Investitionen nach Dezember 2027 dauerhaft deutlich bessere PĂŒnktlichkeitswerte ermöglichten.

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