Bahnhöfe, Alkoholverbot

Bahnhöfe: Alkoholverbot gilt ab 15. Oktober an rund 5.400 Stationen

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Aktionstag in Stuttgart setzt auf GewaltprĂ€vention und Zivilcourage; die Bahn testet zusĂ€tzliche Kontrollen und fĂŒhrt ein Alkoholverbot ein.

Stuttgart bĂŒndelt KrĂ€fte fĂŒr mehr Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr
Ein verlassener, moderner Bahnsteig in den frĂŒhen Morgenstunden mit architektonischen Betonstrukturen und StahlsĂ€ulen. Illustration mit AI erstellt.

Die Polizei Stuttgart, die Bundespolizei, der Verkehrsverbund, die örtlichen Verkehrsbetriebe, die Deutsche Bahn sowie die Stadt Stuttgart bĂŒndeln ihre KrĂ€fte zur StĂ€rkung der Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr.

Auf dem Stuttgarter Schlossplatz informierten die beteiligten Organisationen zwischen 10 und 16 Uhr im Rahmen eines gemeinsamen Aktionstags ĂŒber GewaltprĂ€vention gegen Frauen und Zivilcourage. Das ĂŒbergeordnete Ziel der Initiative liegt darin, das SicherheitsgefĂŒhl der FahrgĂ€ste im ÖPNV nachhaltig zu verbessern.

Zunehmende Angriffe belasten das Bahn- und Sicherheitspersonal

Die Sensibilisierung der FahrgĂ€ste erfolgt vor dem Hintergrund wiederkehrender Übergriffe auf BeschĂ€ftigte und Reisende. Nach Angaben aus Berichten leiden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn unter zunehmenden Angriffen in ZĂŒgen sowie an Bahnhöfen. Um das eigene Personal in gefĂ€hrlichen Situationen besser zu schĂŒtzen und zur Deeskalation beizutragen, setzt der Konzern unter anderem auf mobile Bodycams.

Die Risiken im Einsatz verdeutlichen aktuelle Einsatzberichte: Am 7. Oktober 2026 registrierte die Bundespolizei am S-Bahnhof LandungsbrĂŒcken in Hamburg einen schweren Zwischenfall. Ein 24-jĂ€hriger Mann griff gegen 9:20 Uhr drei SicherheitskrĂ€fte der Deutschen Bahn an, nachdem er zuvor in der Linie S1 ohne gĂŒltigen Fahrschein kontrolliert worden war.

Der TatverdÀchtige schlug und trat nach den EinsatzkrÀften und biss einen Mitarbeiter. Die drei BeschÀftigten im Alter von 20, 20 und 43 Jahren mussten zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden und konnten ihren Dienst nicht fortsetzen. Gegen den TatverdÀchtigen, der in Unterbindungsgewahrsam kam, ermitteln die Behörden wegen Körperverletzung und Diebstahls.

Ebenfalls ermittelt die Bundespolizei nach einem Vorfall im Regionalexpress nach Plattling am MĂŒnchner Hauptbahnhof. Dort soll ein 60-jĂ€hriger TatverdĂ€chtiger zwei FahrgĂ€ste rassistisch beleidigt, einen Schlagversuch unternommen und einen 21-jĂ€hrigen Reisenden mit einem Taschenmesser bedroht haben. Beamte nahmen den Mann fest und stellten unter anderem AutoschlĂŒssel, zwei Geldbörsen sowie mehrere fremde Ausweisdokumente sicher.

Anzeige

Ab dem 15. Oktober 2026 gilt an rund 5.400 Bahnhöfen ein Konsumverbot fĂŒr Alkohol — auf dem gesamten GelĂ€nde einschließlich der Bahnsteige. Wer die neuen Regeln kennt, vermeidet Platzverweis und Hausverbot. Der kostenlose Leitfaden zeigt in drei Schritten, was verboten ist und wie Sie bei Kontrollen richtig reagieren. Kostenlosen Pendler-Leitfaden anfordern

In Stuttgart selbst registrierte die Polizei am 3. Oktober 2026 rassistische und verfassungsfeindliche Parolen in einer Stadtbahn und leitete Ermittlungen ein. Wie das Beratungsstellen-Monitoring des VBRG fĂŒr das Jahr 2025 zeigt, wurden bundesweit 3.167 rechts, rassistisch und antisemitisch motivierte Angriffe dokumentiert, was knapp 300 FĂ€llen weniger als 2024 entspricht. Mehr als die HĂ€lfte dieser Taten war rassistisch motiviert.

PrÀventionskonzepte und neue Regelungen an den Stationen

Die Verkehrsunternehmen und Polizeibehörden reagieren mit verschiedenen operativen Maßnahmen auf die Sicherheitslage. Die Deutsche Bahn erprobt seit August 2026 auf der Moselstrecke zwischen Trier und Koblenz verstĂ€rkte Kontrollgruppen.

An vier bis acht Tagen im Monat sind unangekĂŒndigt Teams mit bis zu acht Kontrolleuren unterwegs, die bei drohenden Konflikten auch Bodycams aktivieren können. Das Pilotprojekt lĂ€uft bis Ende Dezember 2026. Eine dauerhafte Ausweitung des Modells gilt wegen der durch zusĂ€tzliches Personal entstehenden Kosten bislang als offen.

Anzeige

Übergriffe auf Bahnpersonal und Reisende nehmen zu — die Bahn reagiert mit grĂ¶ĂŸeren Kontrollteams und Bodycams. Doch was tun, wenn es im Zug oder am Bahnsteig eskaliert? Der kostenlose Leitfaden gibt Ihnen eine Sicherheits-Checkliste fĂŒr den Bahnalltag an die Hand, mit der Sie Konflikte frĂŒh erkennen und deeskalieren. Sicherheits-Checkliste jetzt sichern

Gleichzeitig verschĂ€rft das Eisenbahnunternehmen die Hausordnungen an den Stationen. Ab dem 15. Oktober 2026 gilt an bundesweit rund 5.400 Bahnhöfen ein Konsumverbot fĂŒr Alkohol auf dem gesamten BahnhofsgelĂ€nde einschließlich der Bahnsteige. Ausgenommen von der ganztĂ€gigen Regelung sind lediglich Gastronomiebetriebe sowie verschlossene GetrĂ€nke im GepĂ€ck.

Bei VerstĂ¶ĂŸen drohen FahrgĂ€sten zunĂ€chst Platzverweise und im Wiederholungsfall Hausverbote. Konzernchefin Evelyn Palla hatte die Maßnahme mit Erfahrungen an bereits alkoholfreien Stationen begrĂŒndet, an denen ein RĂŒckgang von Gewalt und Verschmutzung festgestellt worden sei.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70283940 |