Barrierefreiheit, Kommunen

Barrierefreiheit: Kommunen investieren 8,5 Millionen in Wohnungsbau

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wolfsburg erneuert Zugänge, Emsdetten baut Wege aus und Merzig schafft Wohnraum; weitere Vorhaben in Freiberg und Burgdorf sind geplant.

Barrierefreiheit: Städte investieren in Aufzüge, Wege und Wohnraum
Moderner, barrierefreier Aufzugsschacht aus Beton und Glas in einem urbanen Umfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur mit dem Ziel der Barrierefreiheit steht in zahlreichen deutschen Städten und Landkreisen im Fokus der Stadtplanung.

Ein Beispiel für diese Entwicklung zeigt sich in Wolfsburg, wo nach einer Bauzeit von rund fünf Monaten der Zugang Hollerplatz zur Tiefgarage Rathaus B neu gestaltet wurde. Vier neue Rolltreppen sowie ein neuer Aufzug sind dort in Betrieb gegangen und ersetzen Anlagen, die fast 35 Jahre lang im Einsatz waren.

Infrastrukturprojekte in Wolfsburg und Freiberg

Das Projekt in Wolfsburg wurde im Rahmen eines entsprechenden Ratsbeschlusses finanziert. Die Kosten für die Erneuerung der Rolltreppen und des Aufzugs belaufen sich auf rund 1,1 Millionen Euro. Technisch zeichnet sich die neue Aufzugsanlage durch einen Seilantrieb aus, der barrierefrei gestaltet ist und eine Tragkraft von 630 kg aufweist.

Ähnliche Investitionen in die vertikale Mobilität werden in Freiberg am dortigen Bahnhof umgesetzt. Am Bahnsteig 1 wird eine bestehende Aufzugsanlage aus dem Jahr 1998 durch ein leistungsfähigeres Modell ersetzt. Die neue Konstruktion soll ausreichend Platz für bis zu 18 Personen bieten und zudem den Transport von Fahrrädern sowie Krankentransportliegen ermöglichen.

Während der Schachtbau für Anfang Oktober geplant ist, soll die vollständige Inbetriebnahme im Frühjahr 2027 erfolgen. Die Finanzierung dieses Vorhabens wird gemeinschaftlich getragen: Bund und Bahn übernehmen knapp 500.000 Euro, während die Stadt Freiberg rund 400.000 Euro beisteuert. Der Bahnhof verzeichnet täglich etwa 5.400 Reisende.

Anpassungen im öffentlichen Raum: Burgdorf und Emsdetten

Neben Aufzugsanlagen stehen auch Tunnel und Laufwege im Fokus kommunaler Baumaßnahmen. In Burgdorf stimmte der Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Liegenschaften und Verkehr einstimmig für die Anpassung des Magdalenentunnels auf der Ostseite. Die Verwaltung hatte zuvor einen kompletten Neubau an der B 443 verworfen, da die Kostenschätzungen allein für den Rohbau bei rund 1,4 Millionen Euro lagen.

Die nun gewählte Lösung, die Gesamtkosten von rund 261.200 Euro brutto verursacht, sieht vor, dass die Westseite barrierefrei gestaltet wird, die Ostseite hingegen nicht. Eine endgültige Entscheidung durch den Verwaltungsausschuss ist für die Mitte des Monats September 2026 vorgesehen.

Anzeige

Wer sich mit der barrierefreien Gestaltung im kommunalen Raum befasst, muss komplexe gesetzliche Vorgaben beachten. Dieser kostenlose Praxis-Kompass unterstützt Verwaltungsleitungen dabei, den Überblick über Haftungsfragen und neue Pflichten in der Gemeindeordnung zu behalten. GO NRW Praxis-Leitfaden 2026 kostenlos anfordern

In Emsdetten wurde ein 105 Meter langer, barrierefreier Laufweg fertiggestellt, der den Hof Deitmar über den Rathausplatz mit der Innenstadt verbindet. Das Projekt umfasst eine 25 Meter lange Rampenanlage sowie taktile Elemente für sehbehinderte Menschen.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 130.000 Euro, wovon die Stadt Emsdetten 40 Prozent als Eigenanteil trägt. Die restliche Finanzierung erfolgt über das Städtebauförderprogramm Aktive Zentren.

Strategische Planung und inklusiver Wohnungsbau

Auf überregionaler Ebene werden vermehrt langfristige Teilhabepläne entwickelt oder aktualisiert. Der Landkreis Rosenheim, in dem mehr als 20.000 Menschen mit Schwerbehinderung leben, hat seinen seit 2013 bestehenden Teilhabeplan überarbeitet.

In einem fast zweijährigen Prozess beteiligten sich knapp 500 Personen an Fachforen und Zukunftswerkstätten, um den Plan in fünf Handlungsfeldern neu zu definieren. Der Kreistag hat das Dokument als verbindlich festgelegt.

Anzeige

Um Inklusions- und Rehabilitationsziele in Organisationen verbindlich festzulegen, sind rechtssichere Vereinbarungen unerlässlich. Ein kostenloser Leitfaden liefert Verantwortlichen ein fertiges Muster sowie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den rechtssicheren Abschluss. Kostenloses Muster zur Inklusionsvereinbarung herunterladen

Im Rheinisch-Bergischen Kreis wird indes an einem neuen Modell für den Behindertenbeirat gearbeitet. Da sich das Gremium seit der Kommunalwahl 2025 nicht neu konstituiert hat, plant die Kreisverwaltung in Zusammenarbeit mit Betroffenen eine Neuausrichtung.

Sozialdezernent Jürgen Langenbucher betonte, dass eine wirksame Beteiligung deutlich vor dem Ende der aktuellen Wahlperiode etabliert werden solle. Ein entsprechender Bericht für den Sozialausschuss ist für das Frühjahr geplant.

Ergänzend zur öffentlichen Infrastruktur gewinnt der barrierefreie Wohnungsbau an Bedeutung. In Merzig wurde mit dem Bau von zwei viergeschossigen Gebäuden begonnen, die insgesamt barrierefrei gestaltet sind. Acht der Wohnungen werden zudem rollstuhlgerecht ausgeführt.

Das Projekt wird durch die SIKB mit einem Baudarlehen von rund 8,5 Millionen Euro und einem Tilgungszuschuss von rund 3,84 Millionen Euro gefördert. Die Fertigstellung ist für den Winter 2027/2028 geplant. Im Saarland wurde die Zahl geförderter Wohnungen ausgehend von einem niedrigen Stand im Jahr 2022 bis zum Jahr 2025 signifikant gesteigert.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70089102 |