Batteriebrände auf Wertstoffhöfen: Branchen fordern Fonds und E-Zigaretten-Verbot
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vertreter aus Politik, Entsorgungsbetrieben, Versicherungswirtschaft und Feuerwehr haben sich am Runden Tisch des Bundesumweltministeriums auf Maßnahmen zur Brandbekämpfung auf Wertstoffhöfen verständigt. Ziel der Einigung ist es, die zunehmend gefährdete Versicherbarkeit von Entsorgungsbetrieben zu sichern.
Hintergrund der Initiative sind wiederkehrende schwere Brände in Recycling- und Entsorgungsanlagen, die vor allem durch falsch entsorgte Lithium-Ionen-Batterien in Restmüll, Leichtverpackungen und Altpapier verursacht werden.
Geeinte Maßnahmen und Prüfaufträge
Der Runde Tisch zu Maßnahmen gegen Brandereignisse in der Abfallwirtschaft endete am 6. Oktober 2026. Die dabei erarbeiteten Ergebnisse wurden an die Parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn übergeben. Zu den vereinbarten Schritten zählt eine sicherere Erfassung von Altbatterien und Elektroaltgeräten.
Geplant sind unter anderem eine einheitliche Sammelkategorie für batteriebetriebene Geräte an Wertstoffhöfen, Pilotprojekte für eine haushaltsnahe Sammlung, verbesserte Rücknahmesysteme im Handel sowie verstärkte Verbraucherinformationen.
Zudem soll die Einführung eines öffentlich-rechtlichen Brandschutzfonds geprüft werden. Die Entsorgerverbände hatten vorgeschlagen, dass Hersteller im Rahmen der erweiterten Produktverantwortung in einen solchen Fonds einzahlen sollen.
Das Bundesumweltministerium lässt die rechtlichen Voraussetzungen hierfür im Rahmen eines Gutachtens ergebnisoffen untersuchen. Ergänzend übernimmt der bvse gemeinsam mit VKU, BDE, stiftung ear, OfH, ASA und BAM die Federführung bei einem Fachworkshop zu sicheren Sammelsystemen, der ursprünglich für das dritte Quartal 2026 vorgesehen war.
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Gemischte Reaktionen aus der Wirtschaft
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bezeichnete die Vorschläge des Runden Tisches als Schritt in die richtige Richtung und begrüßte die Fortschritte beim Brandschutz auf Wertstoffhöfen. Andere Branchenexperten bewerten die Beschlüsse hingegen kritischer.
Die Entsorgerverbände ASA, BDE, bvse, CMA und VKU zeichneten die am 6. Oktober 2026 vorgelegte Abschlusserklärung mit deutlicher Skepsis mit. Zwar begrüßen die Verbände die Aufnahme des Themas auf die politische Agenda und sehen sinnvolle Ansatzpunkte gegen Batteriebrände, halten reine Prüfaufträge, Informationskampagnen und weitere fachliche Beratungen jedoch für unzureichend.
Forderungen nach Herstellerverantwortung und Verboten
Die fünf Branchenverbände verweisen darauf, dass die Kosten der Brandschäden bislang allein von der Entsorgungswirtschaft getragen würden. Sie fordern daher verbindliche Schritte: Neben einem Brandschutzfonds mit finanzieller Herstellerbeteiligung verlangen sie ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten nach dem Vorbild von Frankreich, Belgien und Österreich sowie Pfand- und Cashback-Modelle für Batterien.
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Eine entsprechende Studie der Verbände wurde bereits an das Umweltministerium übergeben; die offizielle Vorstellung ist für eine Online-Pressekonferenz am 14. Oktober 2026 angesetzt.
bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock erklärte, dass wichtige Entscheidungen nach wie vor ausstünden. Auf der bvse-Mitgliederversammlung in Bonn wies er darauf hin, dass die Recycling- und Entsorgungsbranche vor erheblichen wirtschaftlichen sowie regulatorischen Herausforderungen stehe. Die zahlreichen Brandereignisse stellten ein massives Sicherheitsrisiko dar.
Maßnahmen müssten daher direkt an den Punkten ansetzen, an denen Batterien und batteriehaltige Geräte in die Entsorgungswege gelangen. Zudem stünden die Bereiche Kunststoff- und Textilrecycling unter erheblichem Druck durch Neuware und Importe, während zugleich die Umsetzung der europäischen Verpackungsverordnung anstehe.

