EU-Kommission, Ausnahme

EU-Kommission will Ausnahme bei Umweltregel fĂŒr Bauern

31.01.2024 - 16:50:13

Bauern sind in der EU auf den Barrikaden. Sie sehen sich durch Auflagen aus BrĂŒssel unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig stark belastet. Die EU-Kommission will ihnen nun entgegenkommen.

Die EU-Kommission will eine Umweltauflage fĂŒr Landwirte lockern. RĂŒckwirkend zum 1. Januar soll die Vorgabe ausgesetzt werden, dass vier Prozent des Ackerlandes brachliegen oder unproduktiv genutzt werden mĂŒssen, wie die EU-Kommission mitteilte.

Durch die Vorgabe soll eigentlich die Umwelt geschĂŒtzt werden. Hecken, in denen Vögel brĂŒten können, gelten etwa als unproduktive Nutzung. Damit BĂ€uerinnen und Bauern von der vorgeschlagenen Ausnahme profitieren können, sollen sie im Gegenzug auf sieben Prozent ihrer AckerflĂ€chen stickstoffbindende Pflanzen wie Linsen oder Erbsen beziehungsweise ZwischenfrĂŒchte anbauen.

«Erste konkrete politische Antwort»

Damit kommt die EU-Kommission Landwirten entgegen, die derzeit in zahlreichen LĂ€ndern protestieren - auch in Deutschland. In der Kritik stehen auch Auflagen aus BrĂŒssel, durch die sich BĂ€uerinnen und Bauern zu stark beschrĂ€nkt sehen. «Er ist die erste konkrete politische Antwort, um den Einkommensproblemen der Landwirte Rechnung zu tragen», teilte die Behörde mit. Die EU-Staaten mĂŒssen dem Vorhaben noch in einer Ausschusssitzung zustimmen.

Bundesagrarminister Cem Özdemir hatte sich kritisch zu entsprechenden Ausnahmen geĂ€ußert. Mitte 2022 sagte der GrĂŒnen-Politiker etwa, dass er Ausnahmen bei Fruchtfolgeregeln fĂŒr sinnvoller halte. Fruchtfolgen - also der Wechsel verschiedener Pflanzen auf dem Acker - sollen im Gegensatz zu Monokulturen Böden schonen oder weniger Pestizide nötig machen. Berechnungen des Agrarministeriums zeigten, dass auf diese Weise deutlich mehr Getreide geerntet werden kann.

Entscheidung liegt bei nationalen Regierungen

Zu den aktuellen VorschlĂ€gen der EU-Kommission Ă€ußerte sich Özdemir zunĂ€chst nicht. Aus dem Ministerium hieß es, der Vorschlag werde nun geprĂŒft. Selbst wenn es eine Mehrheit unter den EU-Staaten fĂŒr das Vorhaben gibt, muss Deutschland diese Ausnahmen nicht ermöglichen. Die Entscheidung liegt jeweils bei den nationalen Regierungen.

Die Naturschutzorganisation BUND sieht den Vorschlag der Kommission als Einknicken. Die Behörde zeige, dass sie dem Schutz der Lebensgrundlagen keine PrioritĂ€t einrĂ€ume. «Wir fordern darum Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir auf, diesen Vorschlag im Rat abzulehnen.» Ähnlich Ă€ußerte sich die Umweltschutzorganisation Nabu. Der FDP-Politiker und VizeprĂ€sident des EU-Parlaments, Jan-Christoph Oetjen, forderte hingegen, die FlĂ€chenstilllegung ganz abzuschaffen.

@ dpa.de