Baugewerbe: 250.000 Beschäftigte erhalten 3,5 Prozent Lohnplus
12.06.2026 - 14:40:45 | boerse-global.de
Rund 250.000 Beschäftigte erhalten eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 3,5 Prozent. Damit liegen die Zuwächse in diesem Sektor über den Abschlüssen anderer Branchen.
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Differenzierte Erhöhungen nach Sparten
Die Einigung umfasst verschiedene Teilbereiche des Baugewerbes. Bauindustrie, Baugewerbe und Karosseriebau verzeichnen mit 3,6 Prozent die stärksten Abschlüsse. Für einzelne Berufsgruppen ergeben sich konkrete jährliche Mehrverdienste: Ein Facharbeiter in der Bauindustrie erhält rund 1.690 Euro mehr pro Jahr, Fliesenleger etwa 1.550 Euro.
Josef Muchitsch, Vorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH), bezeichnete die Verhandlungen als fair und dankte der Arbeitgeberseite.
Reallohnentwicklung seit 2019
Mit diesem Abschluss setzt sich ein Trend fort: Die Lohnsteigerungen übertreffen die Inflationsrate. Seit 2019 verzeichnet die Branche ein Lohnplus von 31,4 Prozent. Die kumulierte Inflation lag im gleichen Zeitraum bei 27,3 Prozent – ein realer Kaufkraftzuwachs für die Beschäftigten.
Diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund einer Trendumkehr am Arbeitsmarkt statt. Laut dem Policy Brief 2026/1 der Oesterreichischen Nationalbank ist das starke Lohnwachstum seit Herbst 2025 rückläufig. Aktuelle Abschlüsse liegen häufiger unter der Inflationsrate, zudem werden vermehrt Mehrjahresabschlüsse vereinbart.
Chemieindustrie und öffentlicher Dienst
Parallel zum Bau-Abschluss einigte sich auch die chemische Industrie. In der achten Verhandlungsrunde steigen die Ist-Löhne und -Gehälter für rund 50.000 Beschäftigte um 1,8 Prozent – maximal jedoch 100 Euro. Zusätzlich gibt es eine Einmalzahlung von 300 Euro oder wahlweise einen freien Tag. Die Mindestlöhne steigen um 2,0 Prozent.
Die Arbeitgeber verwiesen auf einen Produktionsrückgang von 18 Prozent in den letzten drei Jahren und den Verlust von 600 Arbeitsplätzen im vierten Quartal 2025.
Im öffentlichen Dienst steht ebenfalls eine Anpassung bevor: Ab Juli 2026 steigen die Gehälter für rund 227.800 Bundesbedienstete und Landeslehrer um 3,3 Prozent. Der Beschluss stammt vom Dezember 2025, wurde aber aufgrund der Haushaltslage zeitlich verschoben.
Fiskalische Rahmenbedingungen
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Die Regierung plant zudem Änderungen bei den Lohnnebenkosten. Im Rahmen des Doppelbudgets 2027/28 soll der Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) ab 2028 von 3,7 auf 2,7 Prozent sinken. Das würde Betriebe um rund zwei Milliarden Euro pro Jahr entlasten.
Zur Gegenfinanzierung ist unter anderem eine progressive Körperschaftsteuer von 24 Prozent für Gewinne über einer Million Euro vorgesehen. Der finale Beschluss zum Doppelbudget ist für den 10. Juli 2026 geplant. Ob die Senkungen der Lohnnebenkosten direkt an die Beschäftigten weitergegeben werden, bleibt offen.
