Bayer hat seit Jahresbeginn 3200 Stellen abgebaut
06.08.2024 - 13:27:41Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer kommt bei seinem Strukturumbau voran. «Wir haben 3.200 weniger Stellen im Konzern als Anfang des Jahres», sagte Bayer-Chef Bill Anderson in Leverkusen. «Und wir haben 900 Teams zusammengestellt, die an unseren wichtigsten Aufgaben arbeiten.» Die Stellenzahl von Bayer sank zur Jahresmitte auf weltweit 96.600, zwischen einem Viertel und einem FĂŒnftel davon sind im Inland. Den Deutschland-Anteil am bereits getĂ€tigten Stellenabbau kommuniziert das Unternehmen nicht.
Der Manager hat seit gut einem Jahr das Sagen bei der Traditionsfirma, die aufgrund von Glyphosat-Klagen in den USA, ausgelaufener Patente von Medikamenten und anderer Entwicklungen unter Druck ist. Der Aktienkurs ist im Keller, im ersten Halbjahr sank der Umsatz um 2,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Euro. Ohne Wechselkurseffekte ergibt sich ein Plus von einem Prozent.
Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fiel in der ersten JahreshĂ€lfte um 6,8 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, im zweiten Quartal gab es hier sogar ein Minus von 16,5 Prozent.Â
Unter dem Strich steht im zweiten Quartal ein Minus von 34 Millionen Euro, nach einem Verlust von knapp 1,9 Milliarden vor einem Jahr. Damals war auch wegen eines trĂ€gen Glyphosat-GeschĂ€fts eine Abschreibung in Milliardenhöhe notwendig geworden. Das war im abgelaufenen Quartal nicht der Fall, dafĂŒr waren die Restrukturierungskosten recht hoch.
Die GeschĂ€fte hatten Licht und Schatten: WĂ€hrend die GeschĂ€fte in der Agrarsparte schwierig verliefen, gaben im Pharmabereich neue Medikamente RĂŒckenwind - dadurch wurden UmsatzeinbuĂen beim Verkauf des Kassenschlagers Xarelto, eines Blutgerinnungshemmers, ausgeglichen.Â
Die zuvor gegebene Konzernprognose fĂŒr das Gesamtjahr 2024 bestĂ€tigte das Management. «Wir sind auf einem guten Weg, unsere Ziele zu erreichen», sagte der Vorstandsvorsitzende.
Mehr Eigenverantwortung fĂŒr BeschĂ€ftigte
Der US-Amerikaner Anderson, der auf den glĂŒcklosen Werner Baumann als Bayer-Lenker gefolgt ist, will den Konzern mit einem tiefgreifenden Strukturumbau auf Kurs bringen. Er findet, dass das Unternehmen bei seinem Amtsantritt zu hierarchisch strukturiert war und die ArbeitsablĂ€ufe teilweise ineffizient waren.
Zwischen ihm als CEO und dem Kunden geben es bis zu zwölf Ebenen, monierte er damals und prĂ€sentierte dann eine neue Arbeitsstruktur, bei der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unternehmerischer denken und eigenverantwortlicher handeln sollen. Sie sollen ihren Vorgesetzten weniger Rede und Antwort stehen mĂŒssen und stattdessen selbst entscheiden, um ArbeitsablĂ€ufe im Konzern zu beschleunigen. Dadurch sind weniger Manager als Vorgesetzte nötig - besonders solche Stellen werden abgebaut, im ersten Halbjahr waren das rund 2500 von den insgesamt 3200 Jobs, die dem Rotstift zum Opfer fielen.
Weniger Chefs und mehr Macher
«Im alten System hatten wir Manager, die manchmal drei oder fĂŒnf oder sieben Leute gemanagt haben», erlĂ€utert Anderson sein bislang wichtigstes Projekt in seiner noch kurzen Amtszeit. «Jetzt haben wir normalerweise Manager, die 12, 15 oder sogar 20 Leute managen.» Ihre Management-Funktion sei sehr begrenzt, es gehe mehr um Verwaltung und Karriere-Coaching.
Die eigentliche Arbeit werde nun hingegen von den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erledigt, die sich in wechselnden Teams zusammentun und nah am Kunden sind. «Im alten System hatten wir Marketing-Leute und Produktionsleute, die alle in ihrem jeweiligen Silo steckten», sagt Anderson. «Im neuen System sind diese Leute alle zusammen und sie finden sich in Teams zusammen rund um den Kunden.»
Kostensenkung im Blick
Neben der Verbesserung der ArbeitsablĂ€ufe geht es bei der neuen Firmenstruktur auch um Kostensenkungen des hoch verschuldeten Konzerns. Im Jahr 2026 sollen die Kosten vor allem wegen der Personalreduzierung um zwei Milliarden Euro gesenkt sein, in diesem Jahr sollen es bereits 500 Millionen sein. «Bei beiden Zielen sind wir auf Kurs», sagt Anderson und fĂŒgt hinzu, der Umbau komme schneller voran als er gedacht habe.
Wie viele weitere Stellen noch abgebaut werden, ist noch offen, ein Zahlenziel gibt es hierzu nicht. Firmenchef Anderson macht aber deutlich, dass der Umbau zĂŒgig voranschreiten werde.





