Befristete Jobs: 26 Prozent der Betriebe planen einen stärkeren Einsatz
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz in diversen Berufsfeldern rückt die künftige Entwicklung von Gehältern und Löhnen verstärkt in den Fokus. Während Unternehmen und Beschäftigte die Transformation durch Automatisierung und datenbasierte Prozesse bewerten müssen, stehen Fragen rund um Vergütungsniveaus, neue Qualifikationsanforderungen und die Absicherung der Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt aktueller Arbeitsmarktanalysen.
Geteilte Erwartungen bei der Gehaltsentwicklung
Die Einschätzungen über die finanziellen Auswirkungen durch den KI-Einsatz fallen je nach Branche und Qualifikation unterschiedlich aus. Eine im August 2026 veröffentlichte Umfrage des ifo-Instituts ergab, dass viele deutsche Unternehmen infolge von KI eher mit sinkenden Löhnen rechnen.
Demgegenüber zeigt der Gehaltsreport 2027 von Michael Page, dass die Verknüpfung von Fachwissen mit Daten-, Automatisierungs- und Technologiekompetenzen an Gewicht gewinnt. Eine entsprechende digitale Spezialisierung verbessere die Aussichten auf höhere Vergütungen am deutschen Arbeitsmarkt.
Für den Personalbereich insgesamt rechnet Michael Page mit Zuwächsen zwischen 3 und 5 Prozent, wenngleich in den Segmenten HR-Tech und Talent Acquisition abweichende Tendenzen möglich seien.
Gleichzeitig verzeichnet die Talent-Trends-Studie 2026 von Michael Page hohe Erwartungen aufseiten der Beschäftigten: 58 Prozent achten bei Stellenanzeigen besonders auf Gehaltsangaben. Bei einem Arbeitgeberwechsel rechnen 35 Prozent mit einem Gehaltsplus von 10 bis 19 Prozent, während 17 Prozent sogar einen Anstieg um 20 bis 29 Prozent erwarten.
Allerdings würden 65 Prozent der Befragten eine Beförderung inklusive Gehaltserhöhung ablehnen, falls dadurch das eigene Wohlbefinden beeinträchtigt würde; im Vorjahr lag dieser Wert bei 68 Prozent.
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Hinsichtlich der Transparenz im eigenen Unternehmen äußern sich viele kritisch: 56 Prozent stufen die betrieblichen Gehaltsstrukturen als intransparent ein, 30 Prozent bezeichnen sie als überhaupt nicht transparent.
Wandel der Aufgabenprofile und Tarifdebatten
Die Verschiebungen in den Anforderungsprofilen belegen auch internationale Untersuchungen. Eine Analyse von Stellenanzeigen der Harvard Business School für den Zeitraum von 2019 bis März 2025 verzeichnete nach der Einführung von ChatGPT einen Rückgang der Inserate für Berufe mit überwiegend strukturierten, wiederkehrenden Aufgaben um 13 Prozent. Im Gegensatz dazu stiegen die Ausschreibungen für Tätigkeiten mit analytischen, technischen oder kreativen Schwerpunkten um 20 Prozent.
In der politischen Debatte halten sich die Nettoeffekte bislang die Waage. In einem öffentlichen Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen des Deutschen Bundestages erklärten Sachverständige, dass sich Jobverluste und Stellengewinne durch KI derzeit weitgehend ausgleichen. Sie plädierten für gezielte Investitionen in Daten- und Technologiekompetenzen sowie für verlässliche, bürokratiearme Rahmenbedingungen.
Im Bankensektor führt die Einführung digitaler Werkzeuge bereits zu konkreten tarifpolitischen Forderungen. Vor den am 8. Oktober beginnenden Tarifverhandlungen für das private Bankgewerbe fordert die Gewerkschaft DBV neben einem Gehaltsplus von 9,5 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten auch Entlastungstage für den Umgang mit KI.
Gefordert werden je nach Belastung zwischen einem und drei Entlastungstage pro Quartal, was bis zu zwölf Tagen im Jahr entspricht. Diese Tage sollen im Entstehungszeitraum genommen werden und nicht übertragbar sein.
Eine Verbandsumfrage des DBV unter Tarifbeschäftigten ergab, dass 60,7 Prozent ein Plus von mindestens 8 Prozent befürworten, während 41,4 Prozent mindestens 10 Prozent und 10,7 Prozent maximal 4 Prozent für ausreichend halten.
Der Arbeitgeberverband der privaten Banken lehnte die geforderten Entlastungstage ab und argumentierte, diese würden den Kostendruck erhöhen und letztlich Arbeitsplätze gefährden.
Flexibilisierung und Qualifikationsbedarf
Neben Gehaltsfragen beeinflussen Automatisierung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zunehmend die Beschäftigungsverhältnisse. Eine Umfrage von Randstad und dem ifo-Institut unter 469 Personalverantwortlichen aus dem dritten Quartal 2026 zeigt, dass 26 Prozent der Betriebe einen verstärkten Einsatz befristeter Verträge planen, nach 12 Prozent im Vorjahr.
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Lediglich 18 Prozent wollen Befristungen reduzieren. Aktuell setzen bereits 30 Prozent der Betriebe auf Befristungen, angeführt von der Industrie mit 42 Prozent, während Dienstleister bei 24 Prozent und der Handel bei 22 Prozent liegen.
Zur Erhöhung der Flexibilität setzen 33 Prozent der Firmen auf Arbeitszeitkonten, 21 Prozent auf Überstunden und 15 Prozent auf Outsourcing. Zudem bezeichneten 44 Prozent den wirtschaftlichen Druck als prägendes Thema der vergangenen zwölf Monate.
Vor diesem Hintergrund wächst der Druck zur Weiterbildung. Eine Erhebung der IU unter 2000 Beschäftigten ergab, dass 54,9 Prozent KI-Kompetenzen als wesentliche Voraussetzung für den Jobeinstieg betrachten. Zugleich nutzten fast 44 Prozent der Befragten im zurückliegenden Jahr keine reguläre Arbeitszeit für Weiterbildungsmaßnahmen.
Während repetitive Büroberufe zunehmend unter Veränderungsdruck geraten, verzeichnen andere Bereiche stabile Tendenzen: Das Handwerk schloss im ersten Halbjahr 2026 knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge ab, was einem Zuwachs von 4,9 Prozent entspricht.
Zwar unterstützt Technologie auch dort die Angebotserstellung oder Berichterstattung, praktische Tätigkeiten vor Ort und die finale Abnahme bleiben jedoch auf menschliche Fachkräfte angewiesen.
