Proteste vor Netanjahus Rede im US-Kongress
24.07.2024 - 06:35:06Dabei soll es unter anderem um den seit mehr als neun Monaten tobenden Gaza-Krieg gehen. Angehörige israelischer Geiseln, die Netanjahu auf seiner US-Reise begleiten, erhoffen sich eine AnkĂŒndigung des Regierungschefs ĂŒber eine Waffenruhe und Freilassung von Geiseln im Gegenzug fĂŒr palĂ€stinensische HĂ€ftlinge.
Die Polizei nahm am Tag vor Netanjahus Rede mehrere Demonstranten fest, die in einem GebÀude des US-Parlaments gegen den Gaza-Krieg protestiert hatten. Sie hÀtten das zum GebÀudekomplex des Kapitols gehörige Cannon House Office Building zwar legal betreten, teilte die Kapitolpolizei am Dienstag (Ortszeit) mit. Protest sei dort aber nicht erlaubt. Weil die Demonstranten der Aufforderung, den Protest zu beenden nicht nachkamen, sei das GebÀude gerÀumt worden. Dort war es in den vergangenen Monaten bereits zu Àhnlichen Protestaktionen gekommen.
Bericht: Netanjahu will sein Image verbessern
Es ist Netanjahus erster Besuch in Washington seit fast vier Jahren und seine erste Auslandsreise seit dem TerrorĂŒberfall der islamistischen Hamas in Israel am 7. Oktober, der zum Krieg in Gaza fĂŒhrte. Netanjahu wolle seine Rede vor dem US-Kongress nutzen, um sowohl sein angeschlagenes Image als "BeschĂŒtzer Israels" als auch des israelischen Politikers mit dem gröĂten Einfluss in den USA zu rehabilitieren, schrieb der gut vernetzte israelische Journalist Barak Ravid auf dem US-Nachrichtenportal "Axios".
Sowohl US-PrĂ€sident Joe Biden als auch der republikanische PrĂ€sidentschaftskandidat Donald Trump haben Treffen mit Netanjahu angekĂŒndigt. Am Donnerstag sieht er Biden, Trump am Freitag. Wegen Bidens Corona-Infektion war lange unklar, ob sein Treffen mit Netanjahu stattfindet. Die Stimmung zwischen Biden und Netanjahu war zuletzt wegen des Gaza-Kriegs angespannt. Am Donnerstag ist laut Medienberichten auch ein Treffen mit der Vize-PrĂ€sidentin und demokratischen PrĂ€sidentschaftsbewerberin Kamala Harris geplant.
Berichte: Netanjahu trifft neben Biden und Trump auch Harris
Harris werde allerdings Netanjahus Rede im Kongress heute nicht beiwohnen, da sie eine Reise nach Indianapolis geplant habe, berichtete die "New York Times". Dutzende von demokratischen Abgeordneten hĂ€tten angekĂŒndigt, dass sie Netanjahus Rede boykottieren werden, vor allem wegen Israels Vorgehen im Gaza-Krieg, schrieb Ravid kĂŒrzlich bei "Axios. Viele Demokraten seien zudem immer noch verĂ€rgert ĂŒber Netanjahus vorherige Rede vor dem Kongress im Jahr 2015, die die Republikaner am WeiĂen Haus vorbei inszeniert hĂ€tten.
Netanjahu habe die Rede damals genutzt, um das Atomabkommen mit dem Iran anzugreifen, das eine der wichtigsten auĂenpolitischen Initiativen des damaligen demokratischen US-PrĂ€sidenten Barack Obama war. Das Ergebnis sei ein ZerwĂŒrfnis mit dem WeiĂen Haus und den Demokraten gewesen, "das nie ganz verheilt ist", schrieb Ravid. Es werde erwartet, dass Netanjahus neue Rede diesmal weniger umstritten sein werde, schrieb die "New York Times". Vor der Abreise hatte Netanjahu die StĂ€rke des BĂŒndnisses beider Staaten betont.
Netanjahu betont StĂ€rke des BĂŒndnisses mit den USA
Er werde sich um die UnterstĂŒtzung beider politischer Lager in den USA bemĂŒhen, sagte der israelische Regierungschef. "In dieser Zeit von Krieg und Ungewissheit ist es wichtig, dass Israels Feinde wissen, dass Amerika und Israel zusammenstehen - heute, morgen und immer", sagte Netanjahu. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und der katastrophalen Lage im Gazastreifen steht Israel international immer stĂ€rker in der Kritik. Netanjahu wird vorgeworfen, den Krieg zu seinem eigenen politischen Vorteil in die LĂ€nge zu ziehen.
Er regiert in einer Koalition mit ultra-religiösen und rechtsextremen Parteien, die ZugestĂ€ndnisse an die Hamas ablehnen und mit der Sprengung der Regierung drohen. WĂ€hrend mitreisende Angehörige der in Gaza festgehaltenen Geiseln hoffen, dass Netanjahu in der Rede eine Waffenruhe zu ihrer Freilassung ankĂŒndigt, sind andere skeptisch. Trotz der in Gaza erreichten Ziele setze Netanjahu den Krieg fort, schrieb der Bruder einer Geisel in der "Times of Israel" und warf ihm vor, seine Schwester und Familie im Stich zu lassen.
Angehörige fordern Geisel-Abkommen
Er habe Netanjahus Einladung zur Mitreise zunĂ€chst angenommen, spĂ€ter jedoch abgelehnt, schrieb der Mann. "Als die Reise nĂ€her rĂŒckte, wurde ich immer wieder Zeuge, wie mein MinisterprĂ€sident der Sicherheit seiner Regierung Vorrang vor der Sicherheit der Geiseln einrĂ€umte". Netanjahu habe bei den indirekten Verhandlungen, bei denen die USA, Katar und Ăgypten zwischen Israel und der Hamas vermitteln, immer wieder neue Bedingungen fĂŒr ein Abkommen vorgebracht. Er fordere, dass Netanjahu in der Rede einen Geiseldeal ankĂŒndigt.
Bei einem Treffen mit mitreisenden Angehörigen der Geiseln hatte Netanjahu sich vorsichtig optimistisch geĂ€uĂert. In dem abgeriegelten Gazastreifen werden noch rund 120 Geiseln vermutet, viele von ihnen dĂŒrften aber nicht mehr am Leben sein. Bei den GesprĂ€chen ĂŒber ein Abkommen hatte die Hamas zuletzt mehr FlexibilitĂ€t gezeigt. Netanjahu erhob jedoch neue Forderungen - etwa die nach einem lĂ€ngeren Verbleib israelischer Truppen an strategischen Stellen in Gaza. Deswegen kamen die GesprĂ€che zuletzt nicht vom Fleck.
Ein israelischer Beamter sagte "Axios", Netanjahu wolle sein Treffen mit Biden nutzen, um UnterstĂŒtzung fĂŒr seine Forderungen zu gewinnen. Er wolle mit Biden besprechen, wie man "in den kritischen nĂ€chsten Monaten" die gemeinsamen Ziele vorantreiben könne, sagte Netanjahu vor der Abreise. Dazu gehöre die Freilassung aller Geiseln und der "Sieg ĂŒber die Hamas". Am Tag des Treffens mit Biden soll eine israelische Delegation die GesprĂ€che in Katar wieder aufnehmen. Hoffnungen auf einen Deal hatten sich immer wieder zerschlagen.

