Tarifrunde ohne Warnstreik? Finale in Bahn-Verhandlungen
16.02.2025 - 04:00:40Seit Tagen ringen die Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in dritter Verhandlungsrunde um einen Tarifabschluss fĂŒr rund 192.000 BeschĂ€ftigte. Bis einschlieĂlich Sonntag haben sie sich Zeit gegeben. Steht bis dahin keine Einigung, dĂŒrfte der angestrebte Abschluss vor der Bundestagswahl kaum noch zustande kommen. Die EVG hĂ€tte damit ein wichtiges Ziel verfehlt. Warnstreiks mit erheblichen EinschrĂ€nkungen fĂŒr die FahrgĂ€ste wĂ€ren zwar noch nicht möglich. Doch das wĂ€re dann nur noch eine Frage von wenigen Wochen.
Ab wann wÀren Warnstreiks möglich?
Noch bis Ende MĂ€rz lĂ€uft der aktuelle Tarifvertrag, bis dahin gilt eine sogenannte Friedenspflicht. Erst ab dem 1. April kann die EVG zu Warnstreiks aufrufen. Selbst wenn heute keine Lösung gefunden wird, bleiben also noch einige Wochen Zeit, um die EinschrĂ€nkungen fĂŒr FahrgĂ€ste abzuwenden. Doch ein Scheitern wĂŒrde auf schwerer lösbare Tariffragen hindeuten. Zudem hat die EVG hat stets betont, dass die BeschĂ€ftigten grundsĂ€tzlich zu ArbeitskĂ€mpfen bereit wĂ€ren.Â
WorĂŒber wird verhandelt?
Die EVG ist mit Forderungen nach 7,6 Prozent mehr sowie einem Zusatzgeld von weiteren 2,6 Prozent fĂŒr Schichtarbeiter in die Tarifrunde gegangen. Ein Teil des Zusatzgeldes soll in freie Tage umwandelbar sein. Angesichts der wirtschaftlichen Krise bei der Bahn will die EVG auĂerdem eine BeschĂ€ftigungsgarantie bis Ende 2027.
Die Bahn hatte bereits beim ersten Treffen ein Angebot mitgebracht und dieses inzwischen nachgebessert. Es sah zu Beginn der laufenden Verhandlungsrunde eine stufenweise Tariferhöhung fĂŒr Schichtarbeiter von rund 7,9 Prozent inklusive Zusatzgeld vor. FĂŒr alle ĂŒbrigen BeschĂ€ftigten wĂŒrde sich das Entgelt um 4 Prozent erhöhen. Die Laufzeit soll demnach bei 37 Monaten liegen.Â
Was passiert, wenn heute kein Kompromiss gefunden wird?
Die Zeit bis zur Bundestagswahl am nĂ€chsten Sonntag wird knapp â zumal die EVG unter der Woche, unabhĂ€ngig von der Tarifrunde, noch eine zweitĂ€gige Sitzung des Bundesvorstands angesetzt hat. Sollte also tatsĂ€chlich keine Einigung zustande kommen, werden Warnstreiks im April zumindest wahrscheinlicher. «Allen muss klar sein, was es bedeutet, wenn wir in den nĂ€chsten Tagen keinen Tarifabschluss hinkriegen. Dann ist Arbeitskampf wieder eine Option», hatte EVG-VerhandlungsfĂŒhrerin Cosima Ingenschay vor Beginn der laufenden Runde gesagt.Â
Denn der Grund, warum die Verhandlungen ursprĂŒnglich vorgezogen worden sind â nĂ€mlich die Bundestagswahl â, entfiele bei einem Scheitern. Die EVG dĂŒrfte dann keinen Anlass mehr sehen, vor Auslaufen der Friedenspflicht Ende MĂ€rz weiterzuverhandeln.Â
Warum hat es die EVG so eilig? Und wie steht die Bahn dazu?
Die EVG hat schon vor den Verhandlungen aufs Tempo gedrĂŒckt â und darum gebeten, die GesprĂ€che vorzuziehen. Grund dafĂŒr ist die Sorge, der nĂ€chste Bundeskanzler könnte Friedrich Merz heiĂen. Der CDU-Politiker will Netz und Betrieb bei der Deutschen Bahn trennen â die EVG wehrt sich dagegen und sieht darin keine Lösung fĂŒr die Probleme des kriselnden Konzerns.Â
Die Bahn wiederum ist in einer wirtschaftlich und betrieblich desolaten Lage â und setzt auf ein Sanierungsprogramm bis 2027. In diesem Zusammenhang will der bundeseigene Konzern auch Sicherheit bei den TarifvertrĂ€gen. In diesem Sinne strebt die Bahn eine verhĂ€ltnismĂ€Ăig lange Laufzeit von 37 Monaten fĂŒr den Vertrag mit der EVG an.
Wie verliefen die GesprĂ€che bisher?Â
Beide Seiten betonen, dass es bislang konstruktiv zur Sache ging. So hatte die Bahn bereits zum Verhandlungsauftakt ein Angebot mitgebracht und ging im weiteren Verlauf auf zentrale Forderungen der Gewerkschaft ein. Dazu gehört etwa ein Zusatzgeld fĂŒr Angestellte im Schichtdienst. AuĂerdem sollen die Ergebnisse der Tarifrunde grundsĂ€tzlich auch fĂŒr die BeschĂ€ftigten der schwer angeschlagenen GĂŒterverkehrstochter DB Cargo gelten. Knackpunkte waren zuletzt unter anderem die Forderung nach einer Bonuszahlung fĂŒr EVG-Mitglieder, die Laufzeit des neuen Tarifvertrags und eine von der Gewerkschaft geforderte BeschĂ€ftigungssicherung bis 2027.


