Verhandlungsmarathon bei der Bahn: Kommt die Tariflösung?
16.06.2023 - 05:30:05 | dpa.de
Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn ist auch am fĂŒnften Tag in Folge stundenlang ĂŒber eine Lösung verhandelt worden. Am spĂ€ten Freitagnachmittag war noch offen, wie und wann der seit Montag andauernde Verhandlungsmarathon zu Ende gehen könnte.
Damit blieb auch offen, ob den FahrgĂ€sten möglicherweise ein weiterer Warnstreik droht. Vertreter des Konzerns und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG Ă€uĂerten sich nicht zum Stand der Dinge. Beide Seiten hatten sich fĂŒr diese Verhandlungsrunde bis Freitag Zeit gegeben. Auch eine VerlĂ€ngerung der GesprĂ€che bis Samstag oder Sonntag schien möglich.
Zum Ende hin sollte es um die Entgelterhöhungen und die Laufzeit des Tarifvertrags gehen - also den Kern der Verhandlungen. Die Gewerkschaft hatte bei einer Zwischenbilanz am Mittwoch hervorgehoben, es gebe dabei viel Konfliktpotenzial.
Die EVG hat in der Tarifrunde mit Warnstreiks bislang zweimal den Bahnverkehr weitgehend lahmgelegt. Ein geplanter 50-Stunden-Ausstand im Mai wurde nach juristischer Auseinandersetzung beim Arbeitsgericht in Frankfurt am Main kurzfristig abgesagt.
Was die EVGÂ fordert und die DBÂ anbietet
Die EVG will fĂŒr gut 180.000 BeschĂ€ftigte bei der Deutschen Bahn (DB) eine Festbetragserhöhung von mindestens 650 Euro pro Monat oder zwölf Prozent mehr bei den oberen Lohngruppen erreichen. Die Laufzeit soll nach ihren Vorstellungen zwölf Monate betragen.
Die Bahn hatte zuletzt bei einer Laufzeit von 24 Monaten zwölf Prozent mehr in mehreren Stufen bei den unteren Lohngruppen in Aussicht gestellt. Insgesamt zehn Prozent mehr sollen die mittleren Gruppen bekommen und acht Prozent die oberen. Die erste Erhöhungsstufe soll demnach noch dieses Jahr anstehen. Hinzu kommt eine InflationsausgleichsprÀmie in mehreren Zahlungen von insgesamt 2850 Euro, die steuer- und abgabenfrei ausfÀllt.
Wie die GesprÀche nun enden könnten
Bis Mittwoch verliefen die Verhandlungen den Angaben beider Seiten zufolge intensiv und konstruktiv. Denkbar ist aber, dass am Freitag die EVG wegen zu groĂer Differenzen bei Laufzeit und Entgelterhöhung einen Warnstreik androht oder gleich dazu aufruft. Die Gewerkschaft könnte so versuchen, die Arbeitgeberseite zu einem besseren Angebot zu bewegen. Je nach Dauer des Arbeitskampfs dĂŒrfte die Bahn so eine Aktion durchaus treffen. Bei den beiden Warnstreiks im MĂ€rz und April stand nicht nur der Fernverkehr still, auch der GĂŒterverkehr kam quasi zum Erliegen - was mit hohen Kosten verbunden ist.
Sollte die EVG die Verhandlungen sogar fĂŒr gescheitert erklĂ€ren, könnte eine Urabstimmung ĂŒber dann unbefristete Streiks folgen. Das wĂŒrde allerdings eine deutliche Eskalation des Konflikts bedeuten.
Alternativ könnten sich beide Seiten auf eine VerlĂ€ngerung der aktuellen Runde verstĂ€ndigen oder einen neuen Termin in den nĂ€chsten Tagen suchen - womöglich mit einer Absage an Arbeitsniederlegungen bis zu einem solchen Termin. Oder: EVG und Bahn prĂ€sentieren eine Einigung und beenden den seit Ende Februar andauernden Tarifkonflikt. DB-Personalvorstand Martin Seiler hatte am Mittwoch betont, dass dies das gemeinsame Ziel sein mĂŒsse.
Wie die Verhandlungen bis Mittwoch verliefen
Vor den Entgelterhöhungen und der Laufzeit des Tarifvertrags standen vor allem die Busgesellschaften der Deutschen Bahn, die GĂŒterverkehrstochter DB Cargo und die internen Dienstleister des staatseigenen Konzerns auf der Tagesordnung. Die EVG will zum Beispiel fĂŒr die BeschĂ€ftigten der 18 Busgesellschaften die regional unterschiedliche Bezahlung abschaffen. Die Bahn sorgt sich um die Wirtschaftlichkeit und WettbewerbsfĂ€higkeit dieser Betriebe bei höheren Personalkosten. So hat etwa DB Cargo 2022 einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 665 Millionen Euro eingefahren.
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