ROUNDUPParlamentswahl, Belgien

FlÀmische Nationalisten erneut vorn

10.06.2024 - 06:00:05

Bei der Parlamentswahl in Belgien zeichnet sich erneut ein Sieg fĂŒr die flĂ€mischen Nationalisten ab.

Nach AuszĂ€hlung der Stimmen aus rund 96 Prozent der Wahllokale lag die Partei Neu-FlĂ€mische Allianz (N-VA), die mehr Autonomie fĂŒr den wirtschaftsstĂ€rkeren Landesteil Flandern anstrebt, bei rund 17,4 Prozent der Stimmen. Das ging am Sonntagabend aus Zahlen des Innenministeriums hervor. Damit konnte die Partei rund 1,3 Prozentpunkte im Vergleich zur Parlamentswahl 2019 hinzugewinnen. AusgezĂ€hlt waren am Abend rund 6670 der 6945 Wahllokale.

ZweitstĂ€rkste Kraft dĂŒrfte die radikal rechte Partei Vlaams Belang aus Flandern werden, die mit einem Plus von 2,4 Prozentpunkten nun auf 14,4 Prozent kommt. Eine flĂ€misch-nationale Regierung galt vor der Wahl als ausgeschlossen. N-VA-Chef Bart De Wever hatte eine mögliche Regierungsbildung mit dem Vlaams Belang klar abgelehnt. Gewöhnlich sage er nach Wahlen nichts anderes, sagte De Wever am Sonntagabend nach Angaben des Senders VRT. Allerdings sei er jetzt in einer anderen Rolle.

Die flĂ€mische liberale Partei Open VLD von Regierungschef Alexander De Croo verlor deutlich und kam auf rund 5,6 Prozent (-2,9 Prozentpunkte). De Croo kĂŒndigte am Abend unter TrĂ€nen verfassungsgemĂ€ĂŸ an, am Montag König Philippe seinen RĂŒcktritt mitzuteilen. Die Regierung bleibt aber im Amt, bis es eine neue gibt. Den Ergebnissen zufolge sind rechnerisch verschiedene Optionen möglich.

Dass die meisten Parteien entweder nur in der französischsprachigen Wallonie oder in Flandern antreten, macht die Regierungsbildung in dem westlichen Nachbarland Deutschlands kompliziert und zumeist auch langwierig. In der Koalition sollen Parteien aus beiden Teilen des Landes vertreten sein. Nach der Parlamentswahl 2019 dauerte es rund 16 Monate, bis die sogenannte Vivaldi-Koalition aus sieben Parteien stand: den GrĂŒnen, den Liberalen und den Sozialdemokraten aus beiden Landesteilen sowie den Christdemokraten aus Flandern.

Anders als in Flandern gewannen die Liberalen in der Wallonie hinzu und landeten bei 9,7 Prozent (+2 Prozentpunkte). Zulegen konnten auch die Sozialdemokraten in Flandern auf 8,4 Prozent (+1,7 Prozentpunkte).

Federn lassen mussten die frankophonen Sozialdemokraten - mit einem Minus von minus 2,1 Prozentpunkten fĂ€llt die Partei PS von 9,4 Prozent auf 7,3 Prozent zurĂŒck. Damit wird sie ĂŒberholt von der linken Partei PTB/PVDA, die auf 9,6 Prozent der Stimmen kommt. Die Partei ist als einzige in beiden Landesteilen zu wĂ€hlen.

Auch die GrĂŒnen fallen in beiden Landesteilen zurĂŒck. WĂ€hrend sie in Flandern noch 4,7 Prozent erreichten (-1,4 Prozentpunkte), schafften sie in der Wallonie nur noch 2,9 Prozent (-3,3 Prozentpunkte). Die Christdemokraten hielten sich in Flandern stabil bei 8,3 Prozent, in der Wallonie gewannen sie 2,8 Prozentpunkte und kommen auf rund 6,5 Prozent.

Insgesamt waren gut acht Millionen Belgier zur Wahl aufgerufen. In Belgien herrscht Wahlpflicht. NichtwÀhlern ohne richterlich akzeptierten Grund droht eine Strafe.

@ dpa.de