Rechtskonservativer fĂŒhrt bei Polen-Wahl
02.06.2025 - 06:00:05Auf den EU-Skeptiker Nawrocki entfielen laut den Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Ipsos vom frĂŒhen Montagmorgen 51 Prozent der Stimmen, der Pro-EuropĂ€er Trzaskowski kam auf 49 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 71,7 Prozent - gut drei Prozentpunkte höher als bei der vorherigen Wahl vor fĂŒnf Jahren.
Angesichts des knappen Vorsprungs ist das Wahlergebnis weiterhin offen. Noch ist auch ein Sieg des Warschauer OberbĂŒrgermeisters Trzaskowski denkbar. Die Prognosen beruhen auf der Grundlage von Nachwahlbefragungen in 500 Wahllokalen und TeilauszĂ€hlungen von 450 der Wahllokale. Die Fehlertoleranz liegt laut Ipsos bei 0,5 Prozentpunkten.
Beide Kandidaten hatten sich ihren AnhĂ€ngern nach SchlieĂung der Wahllokale siegessicher prĂ€sentiert, obwohl sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen anbahnte. Erste Prognosen gleich nach SchlieĂung der Wahllokale hatten Trzaskowski als Sieger gesehen, er bezeichnete sich bereits als Wahlgewinner - spĂ€ter drehte sich das StimmenverhĂ€ltnis dann aber.
Richtungswahl in Polen
Die rund 29 Millionen Wahlberechtigten waren aufgerufen, einen Nachfolger fĂŒr PrĂ€sident Andrzej Duda zu wĂ€hlen. Dieser durfte nach zwei Amtsperioden nicht noch einmal antreten. Die Abstimmung gilt als Richtungswahl fĂŒr das EU- und Nato-Land Polen. Der parteilose Nawrocki ist Kandidat der rechtskonservativen PiS, Polens gröĂter Oppositionspartei. Die PiS regierte das Land von 2015 bis 2023. Sie legte die Justiz an die Kandare der Politik und lag wegen dieses Eingriffs in die Gewaltenteilung im Dauerclinch mit BrĂŒssel.
Das seit Dezember 2023 regierende Mitte-Links-BĂŒndnis von MinisterprĂ€sident Donald Tusk hat versucht, mit Reformprojekten vieles davon zurĂŒckzudrehen. Doch der bisherige PrĂ€sident Duda, der aus den Reihen der PiS stammt, bremste diese Vorhaben mit seinem Veto. Tusk hat im Parlament nicht die nötige Mehrheit von 60 Prozent, um Vetos des PrĂ€sidenten aufzuheben.
PrÀsident mit viel Macht
Der polnische Regierungschef hofft deshalb auf einen Wahlsieg seines politischen Mitstreiters Trzaskowski. Der 53-JĂ€hrige gilt innerhalb seines politischen Lagers als progressiv und links. Als Staatsoberhaupt wĂŒrde er Tusks Kurs stĂŒtzen.
In Polen amtiert der PrĂ€sident fĂŒnf Jahre. Das Staatsoberhaupt hat mehr Befugnisse als der BundesprĂ€sident in Deutschland und reprĂ€sentiert das Land nicht nur nach auĂen. Der PrĂ€sident hat auch Einfluss auf die AuĂenpolitik, er ernennt den Regierungschef sowie das Kabinett und ist im Kriegsfall Oberkommandierender der polnischen StreitkrĂ€fte. Vor allem aber kann er der Regierung mit seinem Vetorecht das Leben schwer machen.

