Ukraine erneut von schweren Drohnenangriffen getroffen
15.11.2024 - 06:26:18Mindestens acht weitere Menschen seien bei der nÀchtlichen Attacke verletzt worden, darunter ein neunjÀhriger Junge, schrieb Odessas MilitÀrgouverneur Oleh Kiper bei Telegram. "BeschÀdigt wurden WohnhÀuser, eine Kirche und Fahrzeuge." An mehreren Orten seien durch die EinschlÀge BrÀnde ausgebrochen. Zudem sei eine FernwÀrmeleitung getroffen worden. Ein Heizkraftwerk fiel aus.
Russland beschieĂt seit langem systematisch zivile Ziele im Nachbarland mit Drohnen und Raketen. Speziell die Energie- und WĂ€rmeversorgung ist im Visier der russischen Angreifer, im heraufziehenden Winter hat das ernste Folgen fĂŒr die Menschen. Etwa die HĂ€lfte der ukrainischen StromkapazitĂ€ten wurde durch russische Attacken auĂer Betrieb gesetzt.
In den vergangenen Wochen nahm die Anzahl der Drohnenangriffe parallel zu den sinkenden Temperaturen noch zu. Laut dem US-Sender ABC stieg die Zahl der Attacken allein in der Woche nach dem Sieg Donald Trumps bei den PrĂ€sidentenwahlen in den Vereinigten Staaten um 44 Prozent. Trump hat angekĂŒndigt, einen schnellen Frieden zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln.
In der Ukraine und ihren europĂ€ischen UnterstĂŒtzerlĂ€ndern wird befĂŒrchtet, dass die USA als wichtigster VerbĂŒndeter ihre Hilfe fĂŒr Kiew schon bald einstellen könnten - und Russland durch eine einseitige Friedensregelung zulasten der Ukraine faktisch als Sieger aus dem Angriffskrieg hervorgeht, den Kremlchef Wladimir Putin im Februar 2022 losgetreten hatte.
Selenskyj kĂŒndigt Zehn-Punkte-Plan fĂŒr innere Sicherheit an
Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj will kommende Woche einen Plan vorstellen, der die innere Sicherheit des angegriffenen Landes gewÀhrleisten soll. Es werde eine mit Zivilgesellschafts- und Unternehmensvertretern erarbeitete Doktrin geben, die dem Land StabilitÀt geben solle, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Unter anderem gehe es um die Energieversorgung und die Produktion von Waffen. NÀhere Details nannte er nicht.
Zuletzt hatte Selenskyj bereits einen sogenannten "Siegesplan" beworben, der sich vor allem ans Ausland richtet. Er sieht unter anderem fĂŒr die Lieferung weiterer RĂŒstungsgĂŒter und die Freigabe bereits gelieferter weitreichender Waffen fĂŒr Angriffe auf russisches Gebiet vor. Nur durch StĂ€rke sei ein gerechter Frieden fĂŒr die Ukraine zu erreichen, argumentierte Selenskyj
In seiner Videobotschaft Ă€uĂerte er sich nun auch zur Lage an der Front - allerdings nur vage. So lobte Selenskyj die Effizienz ukrainischer Verteidiger im Raum Kupjansk. Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach gepanzerte russische Fahrzeuge in die strategisch wichtige Kleinstadt im nordostukrainischen Gebiet Charkiw eingedrungen seien. Der Generalstab in Kiew erklĂ€rte den Angriff spĂ€ter fĂŒr abgewehrt. UnabhĂ€ngig können die Angaben nicht ĂŒberprĂŒft werden.
Russische Truppen hielten Kupjansk von Februar bis September 2022 besetzt, ehe die Stadt von den Ukrainern zurĂŒckerobert wurde. Inzwischen sind die Russen wieder nahe an Kupjansk herangerĂŒckt. Die ukrainischen Verteidiger stehen entlang der gesamten Frontlinie stark unter Druck.
Ukrainische Soldaten schlieĂen MilitĂ€rausbildung in Frankreich ab
Derweil geht in Frankreich die Ausbildung von rund 2.300 ukrainischen Soldaten fĂŒr eine neue Brigade zu Ende, wie der französische Verteidigungsminister SĂ©bastien Lecornu nach einem Besuch des SchulungsgelĂ€ndes mitteilte. Seit mehreren Wochen trainieren die Ukrainer in einem geheim gehaltenen Gebiet in Ostfrankreich an französischen Waffen und Fahrzeugen, die den MilitĂ€rs fĂŒr ihre Abwehr der russischen Angriffe ĂŒberlassen werden. Die groĂe Mehrheit von ihnen ist nach französischen Angaben erst seit kurzem bei der Armee. Sie werden sowohl individuell als auch als Gruppe in drei Infanteriebataillonen geschult. In den kommenden Wochen sollen die Soldaten in die Ukraine zurĂŒckkehren.
Auf Bitten der Ukraine findet die Ausbildung unter Bedingungen statt, die denen an der Front möglichst Ă€hnlich gehalten sind, wie es von der französischen Armee hieĂ. Die Soldaten seien Stress, simuliertem GefechtslĂ€rm und umherfliegenden Drohnen ausgesetzt. Auch die SchĂŒtzengrĂ€ben seien angepasst worden. Neben den in Frankreich geschulten Soldaten sollen Mitglieder der insgesamt 4.500 Mann starken Brigade in der Ukraine von ukrainischen KrĂ€ften trainiert werden.
Minister rĂ€umt PlĂŒnderungen durch russische Soldaten ein
Der Ex-Gouverneur des russischen Grenzgebiets Kursk, Roman Starowoit, rĂ€umte ein, dass von Moskau zur Verteidigung in die Region geschickte Soldaten dort geplĂŒndert haben. "Es gibt Fakten von PlĂŒnderungen sowohl durch Zivilisten als auch durch MilitĂ€rs", sagte der inzwischen zum Verkehrsminister des Landes aufgestiegene Politiker bei einem Treffen mit Bewohnern des unmittelbar an die Ukraine grenzenden Landkreises Gluschkowo.
Das EingestĂ€ndnis wurde von den Zuhörern mit Applaus aufgenommen, wie aus einem Videoausschnitt eines lokalen Nachrichtenportals bei Telegram hervorgeht. Bewohner der Region hatten mehrfach ĂŒber EinbrĂŒche in ihre zurĂŒckgelassenen HĂ€user geklagt.
Ukrainische Truppen haben bei ihrer ĂŒberraschenden Gegenoffensive im Sommer einen Teil des Gebiets Kursk erobert. Die russischen StreitkrĂ€fte - Medienberichten zufolge mittlerweile unterstĂŒtzt von nordkoreanischen Soldaten - versuchen, diese Truppen wieder aus dem Land zu drĂ€ngen. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass beschuldigte in dem Zusammenhang die Ukrainer, in den von ihnen eroberten Ortschaften geplĂŒndert zu haben - und nannte als Beispiel die Ortschaft Gluschkowo. Dabei war diese nie unter der Kontrolle der Ukrainer.
Moskau geht normalerweise hart gegen Berichte ĂŒber Verbrechen russischer Soldaten im Angriffskrieg gegen die Ukraine vor und unterbindet oder ahndet diese. Dutzende Kriegsgegner sitzen wegen angeblicher Diskreditierung der russischen Armee in Haft. Dass russische Soldaten selbst im eigenen Land rauben, ist daher ein seltenes EingestĂ€ndnis der Moskauer FĂŒhrung.

