Deutschland, International

Studie zu ProduktivitĂ€t im BĂŒro: Meetings und E-Mails nerven

20.06.2023 - 04:23:15 | dpa.de

Bei vielen BĂŒro-BeschĂ€ftigten tĂŒrmen sich die Aufgaben auf dem Schreibtisch. Eine Studie zeigt: Viele Angestellte haben ganz klare Vorstellungen, wie sie besser und produktiver arbeiten könnten.

BĂŒro-ArbeitskrĂ€fte in Deutschland haben das GefĂŒhl, dass sie ein Drittel ihrer Arbeitszeit verplempern. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa
BĂŒro-ArbeitskrĂ€fte in Deutschland haben das GefĂŒhl, dass sie ein Drittel ihrer Arbeitszeit verplempern. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Das Postfach quillt ĂŒber. Dutzende E-mails sind noch ungelesen. Und auf das Meeting folgt direkt eine Zoom-Schalte. Danach steht eine komplizierte Abstimmungsrunde mit einem anderen Team an. In deutschen BĂŒros ist dies vielerorts Alltag - dabei wird vor allem die Meeting-Zeit zum großen Teil als nicht allzu sinnvoll angesehen. In einer am Dienstag veröffentlichten internationalen Studie des Chatanbieters Slack haben die in Deutschland Befragten im Schnitt angegeben, dass sie lediglich etwas mehr als HĂ€lfte ihrer Meetings (53,4 Prozent) als «gute Nutzung der Arbeitszeit» ansehen. 36,5 Prozent der Meetings wurden als unnötig eingestuft.

Der Aussage «Ich fĂŒhle mich bei der Arbeit an den meisten Tagen produktiv» stimmten viele Befragten «einigermaßen» (47 Prozent) oder «deutlich» (29 Prozent) zu. Doch auch hier nannte mehr als ein Drittel (36 Prozent) zu viele Meetings und zu viele E-Mails als Störfaktoren. Die 2032 Befragten aus Deutschland sagten zudem, dass sie ein Drittel ihrer Arbeitszeit verschwendeten oder zumindest nicht sinnvoll einsetzten. Sie gaben an, dass sie im Schnitt 30 Prozent ihrer Arbeitszeit auf Aufgaben verwendeten, die «nicht direkt zu den Unternehmens-/Teamzielen» beitragen.

Weltweit wurden fĂŒr die Studie mehr als 18.000 Menschen befragt, die allermeisten von ihnen arbeiten in BĂŒros. Die Befragten aus Deutschland sind zum großen Teil Menschen, die im mittleren (22 Prozent) oder im gehobenen Management (10 Prozent) sowie in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung (7 Prozent) tĂ€tig sind. 23 Prozent der Befragten wurden als «BĂŒrofachkrĂ€fte» eingestuft, gemeint sind unter anderem Analysten oder Grafikdesigner.

Höhere ProduktivitÀt im Homeoffice?

Als mögliche Verbesserung ihrer ProduktivitĂ€t sehen viele BĂŒro-Angestellte Homeoffice beziehungsweise mobiles Arbeiten an. 69 Prozent der Befragten aus Deutschland sagten, dass die Möglichkeit, von ĂŒberall zu arbeiten, ihre ProduktivitĂ€t ihrer EinschĂ€tzung nach «ein wenig» (35 Prozent) oder «deutlich» (34 Prozent) steigern wĂŒrde. Auch ĂŒber das Homeoffice hinaus sehen viele Befragte Vorteile durch mehr FlexibilitĂ€t etwa bei den Arbeitszeiten.

Die subjektive EinschĂ€tzung und die tatsĂ€chliche ProduktivitĂ€t können sich allerdings sehr unterscheiden, gibt Arbeitsmarktexperte Ulf Rinne zu Bedenken: «Wie produktiv es sich von zu Hause arbeiten lĂ€sst, ist wissenschaftlich tatsĂ€chlich eine sehr spannende Frage, weil es darauf – zumindest bislang – keine eindeutige Antwort gibt.»

«Es stellt sich auch die Frage, inwieweit sich die subjektive Beurteilung der ProduktivitÀt im Homeoffice allein auf den Bereich Arbeit beschrÀnkt», sagte Rinne. «Ich glaube, dass im Hinterkopf oft auch der Gedanke mitschwingt: "Ich kann auch noch viele Dinge nebenbei erledigen, die ich vorher erst nach Feierabend erledigen konnte."» Das könne die subjektive Bewertung der ProduktivitÀt im Homeoffice positiv beeinflussen - auch wenn es sich dabei eigentlich nicht um Aufgaben im Rahmen des Jobs handelt.

Unternehmen setzen auf hybride Arbeitsformen

ProduktivitĂ€t werde von vielen Faktoren beeinflusst: Die Zeit und die Ressourcen, die fĂŒr Kommunikation und Zusammenarbeit aufgewendet werden mĂŒssen oder Ablenkung seien nur einige Beispiele. «Auch die Persönlichkeit der BeschĂ€ftigten wirkt sich auf die ProduktivitĂ€t im Homeoffice aus. So sind zum Beispiel besonders gewissenhafte BeschĂ€ftigte im Homeoffice nicht nur produktiver, sondern benötigen im Homeoffice auch weniger Anleitung und Kontrolle durch Vorgesetzte», sagt der Experte vom Institut zur Zukunft der Arbeit.

Aus seiner Sicht profitieren sowohl die ProduktivitĂ€t als auch die damit zusammenhĂ€ngende Jobzufriedenheit von individuellen Homeoffice-Lösungen. «Diese Lösungen mĂŒssen die spezifischen UmstĂ€nde des Betriebs und die betrieblichen AblĂ€ufe berĂŒcksichtigen, sollten aber auch den individuellen BedĂŒrfnissen, PrĂ€ferenzen und Persönlichkeiten der Belegschaft Rechnung tragen», meint Rinne.

Es sei kein Zufall, dass bereits viele Unternehmen auf hybride Arbeitsformen zusteuerten und teils versuchten, individuelle Lösungen fĂŒr BeschĂ€ftigte zu finden: «Dies wird hĂ€ufig mit konkreten Vorgaben flankiert, etwa der PrĂ€senz im Unternehmen an bestimmten Tagen, um vor allem die innerbetriebliche Kommunikation zu verbessern.»

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
wirtschaft | 63796679 |

Weitere Meldungen

Party und Abschiede: Skisprung-Saison endet emotional. Die Ära von Bundestrainer Stefan Horngacher endet. Den Nachfolger kennen seine Sportler bereits. Zum Saisonabschluss feiern Springer und Fans in Planica ein großes Fest. (Sport, 29.03.2026 - 13:10) weiterlesen...

Lindvik siegt beim Skifliegen - Geiger auf Rang acht. In der kommenden Saison haben er und seine Kollegen einen neuen Bundestrainer. Sie wissen auch schon, wer es wird. Karl Geiger ist beim Saisonabschluss der Skispringer der beste Deutsche. (Sport, 29.03.2026 - 12:20) weiterlesen...

Gala statt Drama: «Vierfach-Gott» Malinin lĂ€uft zu WM-Gold. Dort meldet er sich mit zwei herausragenden Programmen zurĂŒck - und gewinnt Gold. Nach dem Olympia-Desaster kehrt «Vierfach-Gott» Ilia Malinin bei der Weltmeisterschaft in Prag zurĂŒck aufs Eis. (Sport, 28.03.2026 - 16:51) weiterlesen...

Huthi-Miliz greift Israel an - Hoffnung auf Iran-GesprĂ€che. Die US-Regierung stellt baldige GesprĂ€che in Aussicht. Mit Beginn der fĂŒnften Woche des Iran-Kriegs dauern die gegenseitigen Angriffe an, die Huthi-Miliz schießt eine Rakete auf Israel. (Ausland, 28.03.2026 - 13:53) weiterlesen...

Deutsche Skispringer fliegen am Podest vorbei. Auch der große Dominator der Saison wackelt. Der DSV-Sportdirektor Ă€ußert sich zur Bundestrainer-Nachfolge. Die deutschen Skispringer schaffen es im letzten Teamevent des Winters nicht auf das Podium. (Sport, 28.03.2026 - 11:51) weiterlesen...

Iran-GesprĂ€che noch diese Woche? - US-EinsatzkrĂ€fte verletzt. Derweil setzt sich Kanzler Merz von US-PrĂ€sident Trump ab. Der US-Sondergesandte rechnet damit, dass noch in dieser Woche GesprĂ€che fĂŒr ein Ende des Iran-Kriegs gefĂŒhrt werden können. (Ausland, 28.03.2026 - 05:38) weiterlesen...