Studie zu ProduktivitĂ€t im BĂŒro: Meetings und E-Mails nerven
20.06.2023 - 04:23:15 | dpa.de
Das Postfach quillt ĂŒber. Dutzende E-mails sind noch ungelesen. Und auf das Meeting folgt direkt eine Zoom-Schalte. Danach steht eine komplizierte Abstimmungsrunde mit einem anderen Team an. In deutschen BĂŒros ist dies vielerorts Alltag - dabei wird vor allem die Meeting-Zeit zum groĂen Teil als nicht allzu sinnvoll angesehen. In einer am Dienstag veröffentlichten internationalen Studie des Chatanbieters Slack haben die in Deutschland Befragten im Schnitt angegeben, dass sie lediglich etwas mehr als HĂ€lfte ihrer Meetings (53,4 Prozent) als «gute Nutzung der Arbeitszeit» ansehen. 36,5 Prozent der Meetings wurden als unnötig eingestuft.
Der Aussage «Ich fĂŒhle mich bei der Arbeit an den meisten Tagen produktiv» stimmten viele Befragten «einigermaĂen» (47 Prozent) oder «deutlich» (29 Prozent) zu. Doch auch hier nannte mehr als ein Drittel (36 Prozent) zu viele Meetings und zu viele E-Mails als Störfaktoren. Die 2032 Befragten aus Deutschland sagten zudem, dass sie ein Drittel ihrer Arbeitszeit verschwendeten oder zumindest nicht sinnvoll einsetzten. Sie gaben an, dass sie im Schnitt 30 Prozent ihrer Arbeitszeit auf Aufgaben verwendeten, die «nicht direkt zu den Unternehmens-/Teamzielen» beitragen.
Weltweit wurden fĂŒr die Studie mehr als 18.000 Menschen befragt, die allermeisten von ihnen arbeiten in BĂŒros. Die Befragten aus Deutschland sind zum groĂen Teil Menschen, die im mittleren (22 Prozent) oder im gehobenen Management (10 Prozent) sowie in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung (7 Prozent) tĂ€tig sind. 23 Prozent der Befragten wurden als «BĂŒrofachkrĂ€fte» eingestuft, gemeint sind unter anderem Analysten oder Grafikdesigner.
Höhere ProduktivitÀt im Homeoffice?
Als mögliche Verbesserung ihrer ProduktivitĂ€t sehen viele BĂŒro-Angestellte Homeoffice beziehungsweise mobiles Arbeiten an. 69 Prozent der Befragten aus Deutschland sagten, dass die Möglichkeit, von ĂŒberall zu arbeiten, ihre ProduktivitĂ€t ihrer EinschĂ€tzung nach «ein wenig» (35 Prozent) oder «deutlich» (34 Prozent) steigern wĂŒrde. Auch ĂŒber das Homeoffice hinaus sehen viele Befragte Vorteile durch mehr FlexibilitĂ€t etwa bei den Arbeitszeiten.
Die subjektive EinschĂ€tzung und die tatsĂ€chliche ProduktivitĂ€t können sich allerdings sehr unterscheiden, gibt Arbeitsmarktexperte Ulf Rinne zu Bedenken: «Wie produktiv es sich von zu Hause arbeiten lĂ€sst, ist wissenschaftlich tatsĂ€chlich eine sehr spannende Frage, weil es darauf â zumindest bislang â keine eindeutige Antwort gibt.»
«Es stellt sich auch die Frage, inwieweit sich die subjektive Beurteilung der ProduktivitÀt im Homeoffice allein auf den Bereich Arbeit beschrÀnkt», sagte Rinne. «Ich glaube, dass im Hinterkopf oft auch der Gedanke mitschwingt: "Ich kann auch noch viele Dinge nebenbei erledigen, die ich vorher erst nach Feierabend erledigen konnte."» Das könne die subjektive Bewertung der ProduktivitÀt im Homeoffice positiv beeinflussen - auch wenn es sich dabei eigentlich nicht um Aufgaben im Rahmen des Jobs handelt.
Unternehmen setzen auf hybride Arbeitsformen
ProduktivitĂ€t werde von vielen Faktoren beeinflusst: Die Zeit und die Ressourcen, die fĂŒr Kommunikation und Zusammenarbeit aufgewendet werden mĂŒssen oder Ablenkung seien nur einige Beispiele. «Auch die Persönlichkeit der BeschĂ€ftigten wirkt sich auf die ProduktivitĂ€t im Homeoffice aus. So sind zum Beispiel besonders gewissenhafte BeschĂ€ftigte im Homeoffice nicht nur produktiver, sondern benötigen im Homeoffice auch weniger Anleitung und Kontrolle durch Vorgesetzte», sagt der Experte vom Institut zur Zukunft der Arbeit.
Aus seiner Sicht profitieren sowohl die ProduktivitĂ€t als auch die damit zusammenhĂ€ngende Jobzufriedenheit von individuellen Homeoffice-Lösungen. «Diese Lösungen mĂŒssen die spezifischen UmstĂ€nde des Betriebs und die betrieblichen AblĂ€ufe berĂŒcksichtigen, sollten aber auch den individuellen BedĂŒrfnissen, PrĂ€ferenzen und Persönlichkeiten der Belegschaft Rechnung tragen», meint Rinne.
Es sei kein Zufall, dass bereits viele Unternehmen auf hybride Arbeitsformen zusteuerten und teils versuchten, individuelle Lösungen fĂŒr BeschĂ€ftigte zu finden: «Dies wird hĂ€ufig mit konkreten Vorgaben flankiert, etwa der PrĂ€senz im Unternehmen an bestimmten Tagen, um vor allem die innerbetriebliche Kommunikation zu verbessern.»
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