ROUNDUP, Ungewissheit

Ungewissheit und Furcht nach Israels Einmarsch im Libanon

01.10.2024 - 11:55:21 | dpa.de

BEIRUT/TEL AVIV - Im Kampf gegen die libanesische Hisbollah-Miliz hat Israels MilitÀr wie erwartet eine Bodenoffensive begonnen.

(Neu: weitere Details)

BEIRUT/TEL AVIV (dpa-AFX) - Im Kampf gegen die libanesische Hisbollah-Miliz hat Israels MilitĂ€r wie erwartet eine Bodenoffensive begonnen. Soldaten ĂŒberquerten in der Nacht die Grenze zum Nachbarland im Norden, wie die Armee mitteilte. Unklar blieb zunĂ€chst, welchen Umfang die MilitĂ€roperation haben wird. Vor dem Einmarsch hatte sich die libanesische Armee bereits teils von StĂŒtzpunkten entlang der Demarkationslinie zurĂŒckgezogen. Die StreitkrĂ€fte Libanons verhalten sich im Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel bisher neutral. Als Reaktion auf den Beginn der Invasion feuerte die Miliz mindestens drei Raketen auf die israelische KĂŒstenmetropole Tel Aviv. Dumpfe Explosionen waren zu hören.

Der Krieg kommt in der Nacht

Die israelische Armee rĂŒckte nach eigenen Angaben mit "begrenzten" Bodenangriffen gegen Ziele der Hisbollah vor. Luftwaffe und Artillerie unterstĂŒtzten die Soldaten demnach mit Angriffen auf MilitĂ€rziele. Die Armee tue alles, was notwendig sei, um die BĂŒrger Israels zu verteidigen und die BĂŒrger Nordisraels in ihre HĂ€user zurĂŒckzubringen. Die Operation werde parallel zu den KĂ€mpfen im Gazastreifen gegen die Hamas und in anderen Gebieten fortgesetzt, hieß es weiter. Israel will die RĂŒckkehr von 60.000 Israelis ermöglichen, die seit Monaten durch die Hisbollah-Angriffe aus Gebieten entlang der nördlichen Grenze vertrieben wurden. Im Libanon werden bis zu einer Million BinnenflĂŒchtlinge durch die massiven Angriffe im Land befĂŒrchtet, vor allem im SĂŒden und Osten sowie im Raum Beirut.

Der Konflikt zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon hatte sich zuletzt auf dramatische Weise verschĂ€rft. Seit Tagen greift das israelische MilitĂ€r massiv Ziele in dem Nachbarland an, nach eigener Darstellung unter anderem Waffenlager der Hisbollah. Der Libanon meldete Hunderte Tote und Verletzte. Am Freitag waren bei einem gezielten israelischen Luftangriff der Hisbollah-FĂŒhrer Hassan Nasrallah und weitere Hisbollah-KĂ€mpfer getötet worden. Die Organisation ist dadurch deutlich geschwĂ€cht.

Invasion weckt Erinnerungen an frĂŒhere Kriege

Die militĂ€rische Eskalation weckt Erinnerungen an den jĂŒngsten Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Jahr 2006. Seitdem ist jedoch vieles anders: WĂ€hrend die Hisbollah damals als dominierende militante Kraft im Libanon agierte, hat sich die geopolitische Lage in der Region verĂ€ndert. Der syrische BĂŒrgerkrieg, die wachsende UnterstĂŒtzung des Iran und die zunehmende Militarisierung im Nahen Osten haben die Spannungen weiter angeheizt. Israel hat seither seine Geheimdienstinformationen ĂŒber die Miliz erheblich ausgebaut, wĂ€hrend die Hisbollah ihre Raketenarsenale weiter aufgerĂŒstet hat.

Parallelen gibt es auch zum ersten Libanonkrieg im Jahr 1982, als Israel KĂ€mpfer der PalĂ€stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) nördlich des Flusses Litani verdrĂ€ngen wollte. Israel gab dem umstrittenen MilitĂ€reinsatz den blumigen Namen "Operation Frieden fĂŒr GalilĂ€a". Die Verluste auf der israelischen Seite bei den KĂ€mpfen im Libanon waren groß. Nach Angaben des israelischen Außenministeriums wurden vom 5. Juni 1982 an binnen drei Jahren 1216 israelische Soldaten getötet worden. Auf der palĂ€stinensischen und libanesischen Seite kamen Historikern zufolge mindestens 14.000 Menschen ums Leben.

UN-NothilfebĂŒro ruft zu Spenden auf

Das UN-NothilfebĂŒro OCHA veröffentlichte unterdessen einen Spendenaufruf im Umfang von 426 Millionen Dollar (383 Mio Euro). Das Geld werde dringend fĂŒr die Versorgung der Vertriebenen und obdachlosen Zivilisten in dem Mittelmeerland benötigt. Mit dem Geld solle eine Million Menschen fĂŒr drei Monate unterstĂŒtzt werden. Seit Oktober 2023 seien schĂ€tzungsweise eine Million Menschen durch die Auseinandersetzungen vertrieben oder anderweitig in Mitleidenschaft gezogen worden, berichtete das UN-BĂŒro. Seit Beginn der jĂŒngsten israelischen Angriffswelle vor zwei Wochen seien mindestens 1000 Menschen umgekommen. Hunderttausende befĂ€nden sich auf der Flucht. Der humanitĂ€re UN-Koordinator vor Ort, Imran Riza, sagte, nach dem humanitĂ€ren Völkerrecht mĂŒsse der Schutz von Zivilisten bei allen militĂ€rischen Handlungen höchste PrioritĂ€t haben.

USA warnen Iran vor Vergeltungsangriff

Der Iran gilt als Schutzmacht der Hisbollah, die Schiitenmiliz zĂ€hlt zu seinen wichtigsten VerbĂŒndeten im Nahen Osten. In den vergangenen Jahrzehnten hatte Irans StaatsfĂŒhrung die Organisation politisch und militĂ€risch mit aufgebaut. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin warnte Teheran nun vor Vergeltungsangriffen auf Israel. "Ich habe erneut auf die schwerwiegenden Konsequenzen fĂŒr den Iran hingewiesen, falls dieser sich zu einem direkten militĂ€rischen Angriff auf Israel entschließen sollte", schrieb er nach einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Joav Galan auf der Plattform X. Er habe deutlich gemacht, dass die Vereinigten Staaten das Recht Israels auf Selbstverteidigung unterstĂŒtzen.

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