Berentzen, Sazerac

Berentzen Übernahme: US-Spirituosenkonzern Sazerac verhandelt über Kauf des Traditionsherstellers

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 04:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der niedersächsische Getränkehersteller Berentzen verhandelt mit dem US-Konzern Sazerac über ein mögliches öffentliches Übernahmeangebot. Für den traditionsreichen Apfelkorn-Anbieter könnte der Einstieg des Spirituosenriesen weitreichende Folgen haben.

Der amerikanische Whiskey-Spezialist Sazerac interessiert sich für Berentzen. (Archivbild) - Bild: Friso Gentsch/dpa
Der amerikanische Whiskey-Spezialist Sazerac interessiert sich für Berentzen. (Archivbild) - Bild: Friso Gentsch/dpa

Der deutsche Schnaps- und Getränkehersteller Berentzen verhandelt mit dem US-Spirituosenkonzern Sazerac über ein mögliches öffentliches Übernahmeangebot.

Gespräche mit US-Branchenriesen bestätigt

Berentzen mit Sitz im niedersächsischen Haselünne befindet sich in Gesprächen mit Sazerac, einem auf Whiskey spezialisierten Branchenriesen aus den USA. Anlass der Unterredungen ist ein mögliches öffentliches Übernahmeangebot für den deutschen Hersteller. Berentzen bestätigte die Gespräche nach einem entsprechenden Bericht des Finanzdienstes Bloomberg.

Bewertungen und jüngste Zukäufe von Sazerac

Berentzen ist an der Börse derzeit mit rund 35 Millionen Euro bewertet. Für Sazerac, zu dessen Marken etwa Southern Comfort und Buffalo Trace gehören, wäre eine solche Übernahme vergleichsweise leicht zu finanzieren. Dem „Wall Street Journal“ zufolge hat Sazerac in diesem Jahr dem Jack-Daniel’s-Hersteller Brown-Forman einen Übernahmedeal im Volumen von rund 15 Milliarden Dollar vorgeschlagen, der jedoch zunächst abgelehnt wurde. Stattdessen übernahm Sazerac kürzlich den britischen Spirituosenhersteller Au Vodka, ein Geschäft im Umfang von rund 300 Millionen Pfund, also etwa 350 Millionen Euro, wie Bloomberg berichtete.

Schwache Nachfrage setzt Berentzen unter Druck

Berentzen leidet seit einiger Zeit unter einer schleppenden Nachfrage nach alkoholischen Getränken. Nach dem ersten Halbjahr senkte das Unternehmen seine Jahresziele. Der Halbjahresumsatz ging um gut elf Prozent auf 71 Millionen Euro zurück, der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern fiel um mehr als 80 Prozent auf nur noch rund 600.000 Euro.

Breites Markenportfolio von Spirituosen bis Softdrinks

Zum Sortiment des Unternehmens gehören bekannte Spirituosenmarken wie Berentzen Apfelkorn, Puschkin Vodka, Doornkaat und Bommerlunder. Daneben produziert Berentzen alkoholfreie Getränke, darunter die Marke Mio Mio sowie in Lizenz die Limonade Sinalco.

Strategische Bedeutung für Berentzen

Die Gespräche über ein mögliches Übernahmeangebot durch Sazerac markieren für Berentzen einen potenziellen Wendepunkt. Der traditionsreiche Hersteller aus Haselünne steht seit einiger Zeit unter Druck, weil die Nachfrage nach alkoholischen Getränken schwächelt und wichtige Kennzahlen wie Umsatz und operatives Ergebnis deutlich zurückgegangen sind. Vor diesem Hintergrund könnte der Einstieg eines finanzstarken, international breit aufgestellten Konzerns den Zugang zu neuen Märkten erleichtern und Investitionen in Marke, Vertrieb und Produktentwicklung ermöglichen.

Markt- und Branchentrends

International vergrößern große Spirituosenkonzerne seit Jahren ihr Markenportfolio durch Übernahmen. Sazerac verfolgt dabei eine expansive Strategie, wie hohe Angebote für große Branchennamen und der Zukauf von Wettbewerbern zeigen. Für kleinere Anbieter wie Berentzen sind solche Bewegungen ambivalent: Einerseits kann die Einbindung in eine größere Gruppe Stabilität und Skaleneffekte bringen, andererseits besteht das Risiko, dass regionale Traditionsmarken im globalen Portfolio an Profil verlieren oder stärker auf Rendite getrimmt werden.

Konsequenzen für Beschäftigte, Standorte und Kunden

Für die Beschäftigten und den Standort Haselünne ist entscheidend, ob ein neuer Eigentümer Produktionskapazitäten erhält, ausbaut oder verlagert. Viele internationale Übernahmen gehen mit Effizienzprogrammen und einer Überprüfung von Strukturen einher. Für Kundinnen und Kunden stellt sich die Frage, ob sich Sortiment, Preispolitik und Markenauftritt von Produkten wie Apfelkorn, Puschkin oder Mio Mio verändern. Solange lediglich Verhandlungen über ein öffentliches Übernahmeangebot laufen, sind konkrete Folgen allerdings offen – der Prozess dürfte jedoch aufmerksam verfolgt werden, da es um die Zukunft eines bekannten deutschen Getränkeherstellers geht.

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