Baustoffproduktion sinkt 2023 um 16,7% - Verband warnt vor VerschÀrfung der Baukrise
21.02.2024 - 11:00:20Die Zinswende, hohe Baukosten, verschlechterte Wohnungsbau-Förderbedingungen und die enorme Unsicherheit fĂŒr alle am Bau Beteiligten haben bereits 2022 einen Abschwung in der Bauwirtschaft eingeleitet. Dieser hat sich 2023 - insbesondere bei den Produzenten von Baustoffen, die in den Wohnungsbau liefern - massiv verschĂ€rft. So wurden 2023 knapp 40% weniger Ziegel und ĂŒber 30% weniger Kalksandstein und Porenbeton produziert. Die drei Branchen decken rund zwei Drittel des Marktanteils im Wohnungsbau ab. "WĂ€hrend sich die Lage auf den WohnungsmĂ€rkten weiter verschĂ€rft, steht der Wohnungsbau am Abgrund. Wenn bei einem so elementaren Thema wie Wohnen die LĂŒcke zwischen Angebot und Nachfrage weiter auseinanderbricht, kann die soziale Sprengkraft dahinter gar nicht unterschĂ€tzt werden." sagt Matthias Frederichs, bbs-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer.
Doch nicht nur im Mauerwerksbau, sondern auch bei der Herstellung von Zement (-11,8%), Transportbeton (-18,6%), mineralischen Rohstoffen wie Kies und Sand (-14,8%), Mörtel (-11,2%) und keramischen Fliesen (-33,6%) waren erhebliche RĂŒckgĂ€nge zu verzeichnen. Frederichs: "Die Auswirkungen werden auf mehrfacher Ebene fĂŒr die gesamte Gesellschaft spĂŒrbar sein. Denn weniger Baustoffe bedeuten nicht nur weniger neue Wohnungen, sondern auch weniger Instandhaltung von GebĂ€uden und Infrastruktur und nicht zuletzt auch weniger Energiewende." Laut dem Verband erfordere beispielsweise das Fundament einer Windkraftanlage rund 1000 mÂł Transportbeton. Wenn die Politik nicht unverzĂŒglich gegensteuere, verfehle Deutschland mittelfristig die Ausbauziele bei den Erneuerbaren Energien.
Um dem AbwĂ€rtstrend am Bau entgegenzuwirken, fordert Frederichs mehr baupolitische VerlĂ€sslichkeit: "Eine Baufinanzierung ist hĂ€ufig die gröĂte Investition, die im Laufe des Lebens getĂ€tigt wird. Damit dieses Risiko eingegangen wird, braucht es Vertrauen. Das Heizungsgesetz, aber auch zahlreiche Förderprogramme, die ĂŒber Nacht eingestellt wurden, haben dieses Vertrauen nachhaltig beschĂ€digt. Diesen Fehler muss sich die Ampel auf die Fahne schreiben." Doch nicht nur die Bundesregierung, auch Opposition und LĂ€nder haben zur aktuellen Situation beigetragen: "Es ist nicht nachvollziehbar, in dieser Zeit aus parteitaktischen GrĂŒnden das Wachstumschancengesetz zu verzögern."
Laut Frederichs brauche es jetzt dringend wichtige Impulse fĂŒr einen Aufschwung der Baukonjunktur. Dies wird nur gelingen, wenn Wirtschaft und alle demokratischen KrĂ€fte eng zusammenarbeiten. Besser ausgestattete Förderprogramme, mehr Bauland, weniger BĂŒrokratie und eine zĂŒgige Umsetzung geplanter Vorhaben seien nun das Gebot der Stunde. Dass im Zuge der Haushaltsverhandlungen eine Milliarde Euro zusĂ€tzlich fĂŒr den Wohnungsbau bereitgestellt wurden, wertet Frederichs als ein wichtiges erstes Signal, weitere mĂŒssen nun folgen: "Wenn sich nach fast zwei Jahren rĂŒcklĂ€ufiger Produktion die Situation nicht kurzfristig bessert, werden die ProduktionskapazitĂ€ten dauerhaft abgebaut. Dazu darf es in einem Land wie Deutschland mit derartigem hohen Wohnungsmangel, Investitionsstau in der Infrastruktur und nicht zuletzt auch notwendig hohen Klimaschutzambitionen nicht kommen." so Frederichs.
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