DVT-PrÀsident, Schiplage

DVT-PrĂ€sident Schiplage: Futtermittelwirtschaft leistet wichtigen Beitrag in der Klimapolitik und schließt KreislĂ€ufe

19.09.2024 - 15:05:00

Berlin/Bonn - Tierhaltung, FĂŒtterung und Standortvorteil tragen zu nachhaltiger Versorgung bei

Auf seiner 24. Jahrestagung betonte der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) die Leistungen und Erfolge der Branche fĂŒr eine nachhaltige Versorgung und die Transformation der Agrar- und ErnĂ€hrungsbranche. "Die Futtermittelwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag in der Klimapolitik und schließt den Kreislauf durch die Verwertung von Co-Produkten in der tierischen Produktion", sagte DVT-PrĂ€sident Cord Schiplage auf der Tagung in Berlin vor rund 300 GĂ€sten. Gleichzeitig warnte er vor den Folgen fehlender politischer Entscheidungen in der EU und in Deutschland. "Der Wille zu einer Transformation der Landwirtschaft ist flĂ€chendeckend vorhanden, allein die finanziellen Mittel fehlen", sagte Schiplage. "Diese und die bĂŒrokratischen Prozesse sorgen fĂŒr ein unsicheres Umfeld und bremsen den VerĂ€nderungswillen einer gesamten Branche."

Reduzierung des Fleischkonsums lĂ€sst Verwertung von NutzflĂ€chen außer Acht

In seiner Rede bezog sich der DVT-PrÀsident neben dem Umbau der Tierhaltung und der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) auch auf eine neue Klimastudie.

Die Forderungen einer deutlichen Reduzierung des Fleischkonsums und die Fokussierung auf eine stĂ€rker pflanzenbasierte ErnĂ€hrung sieht er als zu einseitig an. Sie lasse die natĂŒrlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten bei der Verwertung von NutzflĂ€chen im weltweiten Kontext außer Acht: "Zwei Drittel der globalen NutzflĂ€chen bestehen aus GrasflĂ€chen und Steppe. Diese FlĂ€chen können nur ĂŒber die Tierhaltung zur Nahrungsproduktion beitragen", sagte Schiplage. Laut der ErnĂ€hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind etwa 86 Prozent der Futtertrockenmasse nicht fĂŒr den Menschen verwertbar.

Schiplage unterstrich die von Forschern bestĂ€tigte Auffassung, dass eine vollstĂ€ndig klimaneutrale Landwirtschaft nicht möglich sei. Er verwies zudem auf vielfĂ€ltige Anpassungen in der TierernĂ€hrung von der Nutzung von Co-Produkten bis zur optimierten Futterration und weiteren Instrumenten zur Verbesserung der Effizienz. Rund 10 Mio. Tonnen (und somit rund ein Drittel aller marktgĂ€ngiger pflanzlicher Futtermittel) sind heute Co-Produkte. "Mit einer klimaangepassten Tierhaltung und TierernĂ€hrung sehe ich große Chancen. Das hohe Niveau der Tierhaltung mit deutlichen Fortschritten im Tierwohl, dem Standortvorteil und guten ökologischen FußabdrĂŒcken tragen dazu maßgeblich bei", sagte Schiplage. Er verwies auf die VorzĂŒge des globalen Handels. Weiterhin sollten weltweit die klimatischen Vorteile genutzt werden, um hochwertige Lebens- und Futtermittel zu produzieren und sie zu importieren oder zu exportieren.

Entwaldungsverordnung: Drastische Mehrkosten und BĂŒrokratie

Deutliche Kritik ĂŒbte Schiplage an der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) und ihrem geplanten Inkrafttreten am 30. Dezember 2024. Die Verordnung könne in ihrer aktuellen Form - wenn ĂŒberhaupt - nur mit erheblichem Aufwand umgesetzt werden. Die offenen Fragen fĂŒhrten zu drastischer Verunsicherung. Die bislang ungenĂŒgende Organisation der RĂŒckverfolgbarkeit und die technischen Voraussetzungen seien die grĂ¶ĂŸten Baustellen, die ohne KlĂ€rung zum bĂŒrokratischen Exzess fĂŒhren, stellte Cord Schiplage in seinem Statement zum Thema fest: "Es droht jetzt der Kollaps fĂŒr die einzelnen betroffenen Sektoren." Wer in der Praxis tĂ€tig sei, wisse um die Notwendigkeit, dass Kontrakte fĂŒr Rohstoffe bereits viele Monate im Voraus gemacht werden mĂŒssen. Schiplage: "Wer VerĂ€nderungen will, muss die Natur verstehen und die Warenströme mit ihren zeitlichen Vorgaben anerkennen." Schiplage betonte, dass man sich in der Zielsetzung einer entwaldungsfreien Lieferkette einig sei. Es liege jedoch nicht am Willen der Futtermittelindustrie, sondern an den unzureichenden rechtlichen Klarheiten, die den Prozess verzögern.

Die Folge wĂ€ren dramatische Verwerfungen im Markt, weil die Ware nicht vorhanden ist oder sehr viel teurer wĂŒrde. SchĂ€tzungen des europĂ€ischen Mischfutterverbandes FEFAC zufolge könne das fĂŒr 2025 zu Mehrkosten im Bereich der Eiweißprodukte von ĂŒber 2 Mrd. Euro fĂŒhren.

BLE-Zahlen: WJ 2023/24 im Vergleich zum Vorjahr weitestgehend konstant

Die neu veröffentlichten Zahlen der Bundesanstalt fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung (BLE) zur Mischfutterproduktion weisen indes nur leichte VerĂ€nderungen im Vergleich zum Vorjahr auf. "Das produzierte Mischfuttervolumen ging im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2022/23 minimal um 0,3 Prozent auf 21,7 Millionen Tonnen zurĂŒck. Das entspricht einem RĂŒckgang von rund 73.000 Tonnen", sagte Schiplage zu den aktuellen Zahlen. Diese Entwicklung korrespondiere mit den leicht rĂŒcklĂ€ufigen Tierbestandszahlen. "Insbesondere im Schweinebereich deutet sich an, dass ein Plateau erreicht wurde, auch wenn dieses weiterhin auf einem Tiefstand steht", sagte Schiplage.*

Nachdem bereits in den Vorjahren die Anzahl der Futtermittelhersteller sank, reduzierte sie sich im Wirtschaftsjahr 2023/24 um weitere zwölf Betriebe auf 264 Hersteller.

Über den DVT

Der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) vertritt als unabhĂ€ngiger Wirtschaftsverband die Interessen der Unternehmen, die Futtermittel, Vormischungen und Zusatzstoffe fĂŒr Nutz- und Heimtiere herstellen, lagern und damit handeln.

*Weitere Zahlen erhalten Sie auf den Seiten der BLE sowie beim DVT.

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