ROUNDUP, Bafög-Reform

Bafög-Reform am 6. MÀrz im Kabinett - keine höheren FördersÀtze

28.02.2024 - 12:57:45

BERLIN - Das Bundeskabinett soll am 6.

(neu: Sozialverband Deutschland)

BERLIN (dpa-AFX) - Das Bundeskabinett soll am 6. MĂ€rz die geplante Bafög-Reform auf den Weg bringen - allerdings ohne höhere FördersĂ€tze. Vertreter der Koalitionspartner erklĂ€rten, insbesondere diesen Punkt bei den anstehenden Beratungen im Bundestag nachverhandeln zu wollen. Der SPD-Bildungsexperte Oliver Kaczmarek sagte am Mittwoch: "Der bisherige Entwurf der Regierung ist eine gute Grundlage, er enthĂ€lt viele Dinge aus dem Koalitionsvertrag, er ist aber noch nicht ausreichend." Dies betreffe insbesondere die Bafög-Höhe und regelmĂ€ĂŸige Anpassungen. Die GrĂŒnen-Fraktion hatte sich ebenfalls fĂŒr höhere BedarfssĂ€tze und eine regelmĂ€ĂŸige Anpassung der BetrĂ€ge ausgesprochen.

Ein Sprecher von Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) bestĂ€tigte Angaben des ARD-Hauptstadtstudios zu Inhalten der ReformplĂ€ne. Vorgesehen ist zum Beispiel eine einmalige Studienstarthilfe von 1000 Euro fĂŒr besonders bedĂŒrftige Studenten, darunter fĂŒr WohngeldempfĂ€nger. Diese muss nicht zurĂŒckgezahlt werden. Zudem soll es eine Anhebung der FreibetrĂ€ge vom Einkommen der Eltern oder Ehe- und Lebenspartner um fĂŒnf Prozent geben, was den Kreis der Antragsberechtigten vergrĂ¶ĂŸert. Es soll einfacher sein, das Studium um ein Semester zu verlĂ€ngern oder das Studienfach zu wechseln, ohne den Bafög-Anspruch zu gefĂ€hrden. Die Reform soll zum Wintersemester 2024/25 in Kraft treten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete die PlĂ€ne aus dem Haus von Stark-Watzinger als "Armutszeugnis": "Die Ministerin will den Studierenden nicht einmal einen Inflationsausgleich zahlen, sondern ihnen eine weitere Nullrunde zumuten. Dabei wissen viele lĂ€ngst nicht mehr, wie sie steigende Lebenshaltungskosten und galoppierende Mieten bezahlen sollen", sagte GEW-Vize Andreas Keller. "Die Ampel-Koalition muss endlich ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einlösen und die Ausbildungsförderung grundlegend erneuern." Stark-Watzinger plane kleine Schritte in die richtige Richtung wie die EinfĂŒhrung einer Studienstarthilfe, aber mit einer echten Reform habe das nichts zu tun.

Die GrĂŒnen-Fraktion hatte vor rund einer Woche ein Positionspapier beschlossen. Darin heißt es: "Aktuell reicht die Höhe des Bafög nicht mehr aus: Der dringlichste Handlungsbedarf besteht in der Erhöhung der BedarfssĂ€tze im Bafög." Das Bafög mĂŒsse regelmĂ€ĂŸig angepasst und etwa analog zur Entwicklung des BĂŒrgergeldes angehoben werden. Auch die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, sagte: "Der Grundbedarf von 452 Euro unterschreitet angesichts der extremen PreissprĂŒnge der letzten Jahre das Existenzminimum. Außerdem deckt die Kostenpauschale fĂŒr die Unterkunft in Höhe von 360 Euro an vielen Studienorten nicht einmal die Miete eines WG-Zimmer ab."

Die Ampel-Koalition hatte zum Wintersemester 2022/23 den Bafög-Satz fĂŒr Studentinnen und Studenten - es geht um den Grundbedarf - von 427 Euro auf 452 Euro im Monat erhöht. Im Koalitionsvertrag hatten sich SPD, GrĂŒne und FDP vorgenommen, das Bafög "grundlegend" zu reformieren und "elternunabhĂ€ngiger" zu machen. Angedacht war demnach etwa eine regelmĂ€ĂŸigere Anpassung von FreibetrĂ€gen und BedarfssĂ€tzen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus dem August bezogen im Jahr 2022 rund 630 000 Menschen Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög). Dabei waren 78 Prozent Studenten und 22 Prozent SchĂŒler. 56 Prozent der Bafög-EmpfĂ€nger erhielten eine Vollförderung. Eine Teilförderung bekommen SchĂŒler oder Studenten, wenn ihr eigenes Einkommen oder das der Eltern bestimmte Grenzen ĂŒberschreitet.

Ministerin Stark-Watzinger forderte die BundeslĂ€nder auf, zĂŒgig elektronische Akten einzufĂŒhren, damit das Bafög bald voll digital beantragt und bearbeitet werden könne. Seit dem vergangenen Wochenende gebe es eine Bafög-App, mit der Antragsteller ihre Nachweise hochladen und an das zustĂ€ndige Bafög-Amt senden könnten.

@ dpa.de