Deutschland und Brasilien dringen auf Freihandelsabkommen
04.12.2023 - 18:23:13 | dpa.de(neu: Details)
BERLIN (dpa-AFX) - Deutschland und Brasilien dringen auf einen raschen Abschluss des geplanten Freihandelsabkommens zwischen der EuropĂ€ischen Union und der sĂŒdamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur. "Wir setzen uns nachdrĂŒcklich dafĂŒr ein, dass das Abkommen nun zĂŒgig finalisiert wird", sagte Scholz am Montag in Berlin nach den deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen. Der brasilianische PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva sagte, er werde trotz aller Schwierigkeiten nicht aufgeben, zu einem Erfolg der mehr als 20-jĂ€hrigen Verhandlungen beizutragen. "Ich hoffe, dass die EuropĂ€ische Union zeigt, dass sie an dem Abschluss des Vertrags interessiert ist."
Deutlich Differenzen beim Nahost-Konflikt
Deutliche Differenzen zeigten sich bei dem ersten Regierungstreffen der beiden LĂ€nder seit acht Jahren in der Sicherheitspolitik - vor allem beim Gaza- und beim Ukraine-Krieg. WĂ€hrend sich Deutschland lediglich fĂŒr Feuerpausen zwischen Israel und der islamistischen Hamas einsetzt, um humanitĂ€re Hilfe zu ermöglichen, fordert Brasilien eine sofortige und dauerhafte Waffenruhe und wirft Israel mit Blick auf die bei Bombardements getöteten Kinder und Frauen im Gaza-Streifen sogar "terroristische Akte" vor.
Lula lÀdt Putin zu G20-Gipfel ein
Was den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine angeht, setzt sich Brasilien seit langem fĂŒr Friedensverhandlungen ein, wĂ€hrend Deutschland die Entscheidung darĂŒber der Ukraine ĂŒberlĂ€sst. Lula sagte, er werde seine G20-PrĂ€sidentschaft, die Anfang Dezember begonnen hat, fĂŒr FriedensbemĂŒhungen nutzen und PrĂ€sident Wladimir Putin zum G20-Gipfel in Rio de Janeiro im November einladen. Ob der internationale Haftbefehl gegen Putin vollzogen werden muss, wenn er anreist, mĂŒssten die Gerichte entscheiden.
EinwÀnde aus Frankreich gegen Freihandelsabkommen
Im Mittelpunkt der Konsultationen stand aber die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Lula wollte die Verhandlungen ĂŒber das EU-Mercosur-Abkommen, mit dem eine der gröĂten Freihandelszonen der Welt mit mehr als 700 Millionen Einwohnern entstehen soll, eigentlich bei einem Gipfeltreffen der sĂŒdamerikanischen Staatengemeinschaft am Donnerstag abschlieĂen. Das ist inzwischen aber vor allem wegen EinwĂ€nden Frankreichs mehr als fraglich.
Die GesprĂ€che der EU mit den vier Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay darĂŒber laufen bereits seit weit mehr als 20 Jahren. Eine Grundsatzeinigung aus dem Jahr 2019 wird jedoch wegen anhaltender Bedenken - etwa beim Regenwaldschutz - nicht umgesetzt.
Scholz mahnt "gröĂtmöglichen Pragmatismus" an
Scholz sagte, Brasilien und Deutschland unterstĂŒtzten den Abschluss, um die enormen Potenziale in den Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu nutzen. "Brasilien ist unser wichtigster Handelspartner in SĂŒdamerika", betonte Scholz. "Mehr als 1000 deutsch-brasilianische Unternehmen tragen signifikant dazu bei."
Der Kanzler betonte, es sei nötig, die Verhandlungen jetzt abzuschlieĂen. "Es spricht sehr viel dafĂŒr, dass wir die Beziehungen zwischen der EuropĂ€ischen Union und Mercosur verbessern, indem wir ein solches Handelsabkommen zustande bringen." Er sei ĂŒberzeugt, dass es eine Mehrheit im EuropĂ€ischen Rat und im Europaparlament dafĂŒr geben werde, wenn das Abkommen ausverhandelt sei. "Da bitte ich alle Beteiligten um gröĂtmöglichen Pragmatismus und um gröĂtmögliche Kompromissbereitschaft."
Bei der Weltklimakonferenz COP28 in Dubai hatte sich der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron gegen das Abkommen ausgesprochen. Dieses berĂŒcksichtige nicht die BiodiversitĂ€t und das Klima, sagte er am Samstag. Lula sieht die Bremser daher klar auf europĂ€ischer Seite.
Konsultationen nun alle zwei Jahre
An dem Treffen nahmen auf beiden Seiten mehrere Minister teil. Auf deutscher Seite waren es neun, auf brasilianischer sogar zwölf. Die Bundesregierung verabredet sich regelmĂ€Ăig mit LĂ€ndern zu Regierungskonsultationen, mit denen es eine besonders enge Partnerschaft gibt oder die fĂŒr Deutschland von besonders groĂer strategischer Bedeutung sind.
Die Kabinette Deutschlands und Brasiliens hatten sich 2015 erstmals in BrasĂlia getroffen, um ihre Beziehungen breiter aufzustellen. Unter dem rechtspopulistischen PrĂ€sidenten Jair Bolsonaro, der sich den Spitznamen "Tropen-Trump" einhandelte, lagen die Konsultationen aber jahrelang auf Eis. Nach der RĂŒckkehr von Lula an die brasilianische Staatsspitze wurde die Idee wiederbelebt. Nun sollen die Konsultationen alle zwei Jahre abwechselnd in Deutschland und Brasilien stattfinden.
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