Weniger AsylantrĂ€ge - Faeser hĂ€lt Kontrollen fĂŒr ausreichend
06.03.2025 - 16:58:19(neu: Details)
BERLIN (dpa-AFX) - Die Zahl der Menschen, die in Deutschland einen Asylantrag stellen, sinkt. Wie aus Regierungskreisen bekannt wurde, nahm das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf) in den ersten zwei Monaten dieses Jahres 26.674 ErstantrĂ€ge und 3.273 FolgeantrĂ€ge entgegen. Damit lag die Zahl der ErstantrĂ€ge zwischen Anfang Januar und Ende Februar um rund 43 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Die meisten AntrĂ€ge stellten erneut Menschen aus Syrien.
Im Januar dieses Jahres wurden aus Deutschland den Angaben zufolge 1.733 Ausreisepflichtige abgeschoben. Das sind etwa 30,9 Prozent mehr als im Januar des Vorjahres.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser sieht im RĂŒckgang der Asylzahlen eine BestĂ€tigung dafĂŒr, dass die von der Koalition beschlossenen GesetzesverschĂ€rfungen und die von ihr angeordneten stationĂ€ren Grenzkontrollen Wirkung zeigen. "Wir haben die irregulĂ€re Migration stark zurĂŒckgedrĂ€ngt", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig schiebe Deutschland mehr Menschen ab, die kein Bleiberecht haben.
Im vergangenen Jahr war generell die Zahl der AsylantrÀge in der EuropÀischen Union sowie Norwegen und der Schweiz gesunken, insgesamt um rund zwölf Prozent. Die EU-Asylagentur registrierte 2024 in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen und der Schweiz insgesamt 1,008 Millionen AsylerstantrÀge.
Der CDU-Vorsitzende, Friedrich Merz, hatte im Wahlkampf gesagt, er wolle am ersten Tag einer Amtszeit als Bundeskanzler das Innenministerium mittels seiner Richtlinienkompetenz anweisen, "ausnahmslos alle Versuche der illegalen Einreise zurĂŒckzuweisen".
Die SPD sieht fĂŒr ein solches Vorgehen, das auch Asylbewerber einschlieĂen wĂŒrde, europarechtliche Hindernisse. "Die irregulĂ€re Migration lĂ€sst sich mit rechtsstaatlichen Mitteln und in enger europĂ€ischer Zusammenarbeit mit unseren Nachbarstaaten effektiv begrenzen", sagte Faeser. Dazu gehörten auch die rund 50.000 ZurĂŒckweisungen durch die Bundespolizei bei den laufenden Grenzkontrollen seit Oktober 2023.
Unions-Vize Lindholz hĂ€lt MaĂnahmen fĂŒr unzureichend
Die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Andrea Lindholz, will hier einen Widerspruch erkannt haben. Die CSU-Abgeordnete sagte ĂŒber Faeser: "Sie bestĂ€tigt, dass insbesondere ZurĂŒckweisungen zu einem RĂŒckgang der illegalen Migration gefĂŒhrt haben." Zugleich lehne Faeser "konsequentere ZurĂŒckweisungen" ab. Dabei seien die Kommunen durch die Unterbringung und Versorgung von Zuwanderern ĂŒberlastet und kein Asylsuchender, der eine deutsche Landgrenze erreicht habe, sei unmittelbar bedroht. "FĂŒr die Union ist klar: Die von der Ampel ergriffenen MaĂnahmen reichen bei weitem nicht aus."
Grenzkontrollen wurden zuletzt bis Mitte September verlÀngert
Im Oktober 2023 hatte Faeser feste Kontrollen, die es zuvor nur an der Landgrenze zu Ăsterreich gab, auch fĂŒr die Grenzen zur Schweiz sowie zu Polen und Tschechien angeordnet. Inzwischen wird an allen deutschen Landgrenzen kontrolliert, was jeweils fĂŒr einen begrenzten Zeitraum bei der EU-Kommission angemeldet und begrĂŒndet werden muss. Grenzkontrollen sind im europĂ€ischen Schengen-Raum eigentlich nicht vorgesehen.
GrĂŒne: Dauerhafte Kontrollen sind der falsche Weg
"Bereits jetzt belasten Faesers stationĂ€re Grenzkontrollen Wirtschaft, Polizei und Pendler massiv", sagte der GrĂŒnen-Obmann im Innenausschuss, Marcel Emmerich. Union und SPD mĂŒssten ein klares Zeichen an Europa senden, dass sich Deutschland in dieser Frage nicht abschotte. An die Adresse des CDU-Vorsitzenden, sagte er: "Friedrich Merz muss auch hier in der politischen RealitĂ€t angekommen und sich eingestehen, dass seine Versprechen dem Praxis-Check nicht standhalten." GrenzschlieĂungen seien weder praktikabel noch rechtlich umsetzbar.

