VerschÀrfte EM-Grenzkontrollen sollen auslaufen
14.07.2024 - 17:17:09(neu: Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze)
BERLIN (dpa-AFX) - Die zur FuĂball-Europameisterschaft eingefĂŒhrten verschĂ€rften Kontrollen an den Grenzen zu DĂ€nemark und den Benelux-Staaten werden nicht verlĂ€ngert. Nach diesem Freitag wird wieder auf Schleierfahndung mit gezielten Kontrollen umgestellt, wie das Bundesinnenministerium mitteilte. Neu angeordnet hat Ministerin Nancy Faeser (SPD) dagegen weitere befristete Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze, um vor und wĂ€hrend der Olympischen Spiele in Paris zusammen mit den französischen Behörden fĂŒr mehr Sicherheit zu sorgen. Diese Kontrollen sollen "in KĂŒrze" bei der EU angemeldet werden. Die Spiele beginnen am 26. Juli und enden am 11. August.
Auch an den Landgrenzen zu Ăsterreich, der Schweiz, Tschechien und Polen finden laut Faeser wie schon seit lĂ€ngerem weiter Kontrollen statt. Hier gehe es darum, irregulĂ€re Migration zu begrenzen und SchleusungskriminalitĂ€t zu bekĂ€mpfen. Befristet sind sie fĂŒr die Schweiz, Tschechien und Polen bis zum 15. Dezember, fĂŒr Ăsterreich bis zum 11. November.
WÀhrend der EM waren Tausende unerlaubte Einreisen unterbunden, zahlreiche Schleuser vorlÀufig festgenommen und Hunderte offene Haftbefehle vollstreckt worden. Eine Bilanz will das Ministerium am Montagvormittag ziehen, einen Tag nach dem EM-Finale.
FDP und Union: Grenzkontrollen wirken
FDP und Union hatten gefordert, die zur EM verschĂ€rften Kontrollen an allen Grenzen fortzufĂŒhren. FDP-Fraktionschef Christian DĂŒrr bilanzierte, die Polizeikontrollen fĂŒhrten dazu, "dass wir sehr effektiv diejenigen aufgreifen, die illegal ins Land kommen wollen".
Die CSU sieht dies Ă€hnlich: Parteichef Markus Söder sagte im ZDF, ein Auslaufen wĂ€re "ein Bruch des Versprechens des Bundeskanzlers, den Schutz Deutschlands voranzubringen". CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt warnte, eine NichtverlĂ€ngerung wĂ€re "absolut fahrlĂ€ssig". Auch die Innenminister der unionsgefĂŒhrten BundeslĂ€nder warben auf ihrer Konferenz in Dresden am Freitag fĂŒr eine VerlĂ€ngerung.
Die Bundespolizei war nach Ministeriumsangaben seit Beginn der EM Mitte Juni tĂ€glich mit 22.000 Beamtinnen und Beamten im Einsatz. FĂŒr die Forderung von Union und FDP fehlt aus Sicht der Gewerkschaft Personal und AusrĂŒstung. "Die Grenzkontrollen haben wĂ€hrend der EM zu 100 Prozent funktioniert. Es ist aber nicht auf Dauer durchhaltbar, die Grenzen in dieser IntensitĂ€t zu schĂŒtzen", sagte Polizeigewerkschafter RoĂkopf dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Ministerium betont besondere UmstĂ€nde fĂŒr die Grenzkontrollen bei EM
Das Bundesinnenministerium wies zudem darauf hin, dass anlassbezogene vorĂŒbergehende Grenzkontrollen an den Schengen-Binnengrenzen eine ernste Bedrohung der öffentlichen Ordnung oder inneren Sicherheit voraussetzen. Ein Sprecher betonte, dass die Bundespolizei auch nach der EM im Grenzgebiet zu DĂ€nemark, den Benelux-Staaten und Frankreich mit dem zulĂ€ssigen Instrument der Schleierfahndung - also gezielten Kontrollen - gegen grenzĂŒberschreitende KriminalitĂ€t vorgeht.
Die GrĂŒnen halten wenig von DĂŒrrs VorstoĂ. "Es ist eine Sache, mit temporĂ€ren Grenzkontrollen den Kontrolldruck auf Hooligans, potenzielle Terroristen und andere Kriminelle zu erhöhen, und eine andere, mit stationĂ€ren Kontrollen an 2.000 Kilometern Binnengrenze jahrelang zu versuchen, die Migration zu reduzieren", sagte der GrĂŒnen-Innenexperte Marcel Emmerich dem "Tagesspiegel".
Justizminister will Leistungen fĂŒr bestimmte Asylbewerber kĂŒrzen
Ein neuer VorstoĂ zur Reduzierung irregulĂ€rer Migration kommt von Bundesjustizminister Marco Buschmann. In der "Welt am Sonntag" sprach sich der FDP-Politiker dafĂŒr aus, Sozialleistungen fĂŒr Asylbewerber zu kĂŒrzen, die ĂŒber ein anderes EU-Land nach Deutschland einreisen. Buschmann verwies auf das Dublin-System, wonach der EU-Staat fĂŒr einen FlĂŒchtling zustĂ€ndig ist, in dem dieser die EU betreten hat. "Viele kommen aber trotzdem nach Deutschland", beklagte Buschmann. Die Sozialleistungen sollten seiner Ansicht nach in diesen FĂ€llen auf die Finanzierung der RĂŒckkehrkosten beschrĂ€nkt sein.
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Wiese zeigte sich skeptisch. Er sagte der "Welt": "Das Bundesverfassungsgericht gibt uns hier einen sehr engen Rahmen vor, in dem wir politisch handeln können. Schon heute erhalten vollziehbar ausreisepflichtige AuslÀnder, die sich der vorgeschriebenen Ausreise entziehen, nur noch Unterkunft, ErnÀhrung und Körper- und Gesundheitspflege. Sollte Bundesjustizminister Buschmann verfassungsfeste VorschlÀge haben, werden wir uns diese selbstverstÀndlich ergebnisoffen ansehen."

