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ETS-Benchmarks verschÀrfen Kostenbelastung der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie/ Korrektur im ETS-Review jetzt zwingend notwendig

16.06.2026 - 15:56:09 | presseportal.de

Berlin - Neue ETS-Benchmarks fĂŒhren zu einer deutlichen Reduktion kostenloser CO2-Zuteilungen und belasten die deutsche Papier- und Zellstoffindustrie mit rund 140 Mio. Euro jĂ€hrlich / Die Mittel fehlen den Unternehmen fĂŒr dringend notwendige Investitionen in die Transformation und verschĂ€rfen die wirtschaftliche Lage zusĂ€tzlich / Aus Sicht der Branche sind die Benchmarks methodisch fehlerhaft ausgestaltet und mĂŒssen im anstehenden ETS-Review dringend korrigiert werden / PrĂ€sident Hans-Christioph Gallenkamp: "Durch das Update fehlen den Unternehmen Mittel zur Transformation, wĂ€hrend ihnen gleichzeitig die Grundlage zur Amortisation getĂ€tigter Investitionen entzogen wird. Und das in einer der grĂ¶ĂŸten wirtschaftlichen Krisen der europĂ€ischen Geschichte"

ETS-Benchmarks verschÀrfen Kostenbelastung der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie/ Korrektur im ETS-Review jetzt zwingend notwendig - Bild: presseportal.de
ETS-Benchmarks verschÀrfen Kostenbelastung der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie/ Korrektur im ETS-Review jetzt zwingend notwendig - Bild: presseportal.de

Die EuropĂ€ische Kommission hat die neuen Benchmarkwerte fĂŒr den EU-Emissionshandel (ETS 1) beschlossen. FĂŒr die deutsche Papier- und Zellstoffindustrie bedeutet dies eine erhebliche Reduktion der kostenlosen Zuteilung von CO2-Zertifikaten und damit zusĂ€tzliche Belastungen von rund 140 Millionen Euro pro Jahr. Geld, das den Unternehmen fĂŒr dringend notwendige Investitionen in die Transformation fehlt. Davor hatte der Verband DIE PAPIERINDUSTRIE wiederholt gewarnt.

"Die Benchmarks sind in dieser Form kein taugliches Steuerungsinstrument fĂŒr Klimaschutz, sondern ein massiver Kostentreiber fĂŒr die Industrie. Sie beruhen auf methodischen Annahmen, die mit der breiten industriellen RealitĂ€t in Europa nichts zu tun haben", erklĂ€rt Hans-Christoph Gallenkamp, PrĂ€sident von DIE PAPIERINDUSTRIE. "Wenn nicht ĂŒbertragbare SonderfĂ€lle den Maßstab setzen, entsteht ein System, das Investitionen in Europa unattraktiv macht. Die Benchmarks entwickeln sich damit zu einem Beschleuniger fĂŒr Carbon Leakage, obwohl sie durch die Zuteilung von CO2-Zertifikaten genau das verhindern sollen. Im ETS-Review muss die EU-Kommission diese Fehlsteuerung konsequent und rĂŒckwirkend korrigieren."

Berechnungsmethodik der Benchmarks entfernt sich von industrieller RealitÀt

Aus Sicht der Branche liegt die Ursache vor allem in der Berechnungsmethodik. Die Benchmarks orientieren sich an Anlagen mit wenig fossilen Emissionen, die in der Praxis hĂ€ufig durch spezifische Rahmenbedingungen geprĂ€gt sind. Insbesondere ein hoher Biomasseeinsatz verzerrt die Ergebnisse. Diese Bedingungen stehen jedoch nicht flĂ€chendeckend allen industriellen Standorten in Europa zur VerfĂŒgung. Zudem ist die Datenlage intransparent, sodass die technologischen Grundlagen meist nicht komplett nachvollziehbar sind. Das fĂŒhrt zu Zielwerten, die fĂŒr viele Anlagen realistisch nicht erreichbar sind und die Zuteilung systematisch verzerren.

Die Konsultation der EuropĂ€ischen Kommission zum Benchmark-Update hat deutlich gemacht, vor welchen konkreten Herausforderungen die Industrie steht, kritisiert der Verband. Dass diese RĂŒckmeldungen im Ergebnis keine erkennbare BerĂŒcksichtigung gefunden haben, erweckt den Eindruck, dass die praktischen Rahmenbedingungen in den Unternehmen bei der Festlegung der Benchmarks nicht als relevant erachtet werden. Damit bleibt das Ziel, realistische und investitionsfĂ€hige MaßstĂ€be fĂŒr die industrielle Transformation zu setzen, unerreicht. "Es ist bedauerlich, dass die Kommission die Sorgen der Industrie nicht berĂŒcksichtigt und auch nicht alle FlexibilitĂ€ten wie angekĂŒndigt genutzt hat. Durch das Update fehlen den Unternehmen Mittel zur Transformation, wĂ€hrend ihnen gleichzeitig die Grundlage zur Amortisation getĂ€tigter Investitionen entzogen wird. Und das in einer der grĂ¶ĂŸten wirtschaftlichen Krisen der europĂ€ischen Geschichte, in der viele Unternehmen mit dem RĂŒcken zur Wand stehen", kommentiert Gallenkamp.

Fehlende Grundvoraussetzungen verhindern Transformation

Es fehlen weiterhin zentrale Voraussetzungen fĂŒr die industrielle Transformation - insbesondere wettbewerbsfĂ€hige Energiepreise und eine leistungsfĂ€hige Infrastruktur. In dieser Situation verstĂ€rken die neuen Benchmarkwerte den wirtschaftlichen Druck auf die Standorte in Europa. "Die RĂŒckmeldungen aus der Konsultation zeigen deutlich, dass die Transformation keine Frage des Wollens ist. Vielmehr fehlen die grundlegenden Voraussetzungen. Wenn unsere Unternehmen ihre Prozesse elektrifizieren wollen, der notwendige Netzanschluss aber erst in vielen Jahren zur VerfĂŒgung steht, werden die Unternehmen fĂŒr strukturelle VersĂ€umnisse der Politik und der Infrastrukturentwicklung bestraft. Auch Wasserstoff kann perspektivisch eine Rolle spielen. Wann er jedoch in ausreichenden Mengen und zu wettbewerbsfĂ€higen Preisen verfĂŒgbar sein wird, ist völlig ungewiss", ordnet Gallenkamp die unternehmerische RealitĂ€t ein.

Vor diesem Hintergrund fordert DIE PAPIERINDUSTRIE eine grundlegende Anpassung der Benchmark-Methodik im Rahmen des anstehenden ETS-Reviews. "Nur wenn die Zuteilung wieder auf einer realistischen Grundlage erfolgt, kann der Emissionshandel seine Funktion als verlĂ€sslicher Rahmen fĂŒr Klimaschutzinvestitionen erfĂŒllen", so Gallenkamp. "Dazu gehört ausdrĂŒcklich, die Fehlentwicklungen des aktuellen Benchmark-Updates auch rĂŒckwirkend zu adressieren."

Pressekontakt:

Marilena Hantke
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