Viele sehen in Jobwahl Grund fĂŒr Gender Pay Gap
07.03.2025 - 14:58:04(neu: Details.)
BERLIN (dpa-AFX) - Viele Menschen sehen die unterschiedliche Berufswahl von MĂ€nnern und Frauen als Grund fĂŒr die LohnlĂŒcke zwischen beiden Geschlechtern. Das geht aus einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur anlĂ€sslich des "Equal Pay Days" hervor. Der Aktionstag (7. MĂ€rz) soll auf die VerdienstlĂŒcke zwischen MĂ€nnern und Frauen hinweisen - die sogenannte Gender Pay Gap.
Demnach sehen 46 Prozent der MĂ€nner die Jobwahl als entscheidenden Faktor dafĂŒr, dass MĂ€nner im Schnitt mehr verdienen. Bei den Frauen sehen dies mit 34 Prozent deutlich weniger Befragte so. Aus Sicht der Befragten spielt vor allem die FamiliengrĂŒndung eine entscheidende Rolle: Rund die HĂ€lfte (50 Prozent MĂ€nner, 53 Prozent Frauen) geben Teilzeitarbeit und Karriereunterbrechungen als Faktor fĂŒr den Lohnunterschied an.
FĂŒr die reprĂ€sentative Umfrage wurden Anfang MĂ€rz gut 2.000 Menschen online befragt.
Mehrheit fĂŒr mehr gesetzliche MaĂnahmen
58 Prozent halten demnach mehr gesetzliche MaĂnahmen fĂŒr nötig, um die LohnlĂŒcke zwischen MĂ€nnern und Frauen zu verringern - mit 69 Prozent der Frauen und 47 Prozent der MĂ€nner ist hier jedoch ein Ungleichgewicht gegeben.
Bei der Frage, welche MaĂnahmen helfen könnten, herrscht mehr Einigkeit: 56 Prozent der MĂ€nner und 64 Prozent der Frauen befĂŒrworten die Förderung von Teilzeit- und flexiblen Arbeitsmodellen. 57 Prozent sind fĂŒr staatliche Förderung von Kinderbetreuung und etwas mehr als die HĂ€lfte fĂŒr eine Erhöhung des Mindestlohns.
Frauenministerin: Frauenrechte gefÀhrdet
Bundesfrauenministerin Lisa Paus (GrĂŒne) sieht Frauenrechte in Deutschland und anderen LĂ€ndern gefĂ€hrdet. "Allen, die sich fĂŒr Gleichstellung einsetzen, weht gerade ein harter Wind ins Gesicht. In Deutschland wie anderswo", sagte Paus der Deutschen Presse-Agentur. "Wir erleben weltweit einen erbitterten Kulturkampf gegen Gleichberechtigung, Inklusion und die Anerkennung von Vielfalt, auch in Deutschland."
Rechtspopulisten und andere extremistische Gruppierungen wĂŒrden gegen Gleichstellung und geschlechtliche Selbstbestimmung mobil machen. Das dĂŒrfe sich nicht fortsetzen, warnte Paus.
AnlĂ€sslich des Equal Pay Days kam es auĂerdem zu Warnstreiks in Kitas und sozialen Einrichtungen. Die Gewerkschaft Verdi hat Berufsgruppen, in denen besonders viele Frauen arbeiten, bundesweit dazu aufgerufen, die Arbeit ruhen zu lassen. Betroffen sind Kitas, Jugend- und SozialĂ€mter ebenso wie Kliniken, Pflege- und soziale Einrichtungen. AusstĂ€nde und Kundgebungen gibt es etwa in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Wenige Frauen in FĂŒhrungspositionen
AnlĂ€sslich des Weltfrauentags am 8. MĂ€rz, einen Tag nach dem Equal Pay Day, hat die Schufa anhand von Daten, die der Auskunftei vorliegen, eine Analyse veröffentlicht: Frauen sind demnach in FĂŒhrungspositionen deutscher Unternehmen nach wie vor deutlich in der Minderheit. In weniger als einem Drittel (28 Prozent) von 5,1 Millionen Unternehmen gehört derzeit mindestens eine Frau zum Kreis der Inhaber, zur GeschĂ€ftsfĂŒhrung oder zum Vorstand.
Im Vergleich zur ersten Auswertung habe sich der Anteil der Frauen in der ersten FĂŒhrungsebene der deutschen Wirtschaft immerhin etwas erhöht: Im Jahr 2022 betrug er noch 26 Prozent.
Auch auf sonstigen FĂŒhrungspositionen seltener Frauen
Nicht nur auf Chefpositionen im Mittelstand waren der KfW-Analyse zufolge im vergangenen Jahr weniger Frauen zu finden. Auch bei Team-, Abteilungs- und Bereichsleitungen zeige sich eine rĂŒcklĂ€ufige Entwicklung: Der Anteil weiblicher FĂŒhrungskrĂ€fte an sĂ€mtlichen Managementpositionen in mittelstĂ€ndischen Unternehmen habe 2024 zum Vorjahr um 4,9 Prozentpunkte auf 21 Prozent abgenommen.
Branchen mit höchstem Frauenanteil
Die Schufa macht die meisten Unternehmen mit mindestens einer Frau in der ersten FĂŒhrungsebene im VeterinĂ€rwesen aus (68,5 Prozent), ĂŒberdurchschnittlich ist der Anteil auch in Sozial- und Gesundheitsberufen (jeweils 60,2 Prozent), bei Bekleidungsherstellern (58,3 Prozent) sowie in Erziehung und Unterricht (52,2 Prozent).
Am seltensten sind Frauen in FĂŒhrungspositionen in Berufen zu finden, die als typische MĂ€nnerberufe gelten: in der Forstwirtschaft (6,6 Prozent) und auf dem Bau (6,7 Prozent).
LohnlĂŒcke schrumpfte erstmals seit 2020
Frauen haben 2024 in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts pro Stunde durchschnittlich 16 Prozent weniger verdient als MĂ€nner. Knapp zwei Drittel der LohnlĂŒcke erklĂ€ren die Statistiker mit höheren Teilzeitquoten bei Frauen und geringeren GehĂ€ltern in Berufen, die Frauen typischerweise ergreifen. Es bleibt ein bereinigter Lohnabstand von 1,52 Euro oder rund 6 Prozent des Brutto-Stundenlohns ohne eindeutige ErklĂ€rung.
Der englische Ausdruck Gender Pay Gap beschreibt das geschlechtsspezifische LohngefĂ€lle, also den Unterschied in der Bezahlung von MĂ€nnern und Frauen. Frauen haben 2024 in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts pro Stunde durchschnittlich 16 Prozent weniger verdient als MĂ€nner. Damit schrumpfte die LohnlĂŒcke erstmals seit 2020.

