Neue Umfrage: 2. Stimmungsbarometer zum Einfluss des E-Rezepts auf den OTC-Markt
08.10.2025 - 09:55:51Anja Klauke, BPI-GeschĂ€ftsfeldleiterin Selbstmedikation: "Wir haben diese Marktstudie wiederholt, um herauszufinden, wie sich der Einfluss des E-Rezepts auf das OTC-Kaufverhalten im Laufe der Zeit verĂ€ndert hat. Besonders spannend fĂŒr uns sind die teilweise unterschiedlichen Sichtweisen von OTC-Herstellern, Apotheken und Konsumenten."
Studiendesign
Um die verschiedenen Marktsegmente zu beleuchten, wurden drei verschiedene Stakeholder im Rahmen der Marktstudie befragt. 44 OTC-Hersteller wurden mittels einer Online-Befragung einbezogen. Parallel dazu erfolgte eine telefonische Befragung von 220 Apotheken, um spezifische Informationen und EinschĂ€tzungen aus dem stationĂ€ren Handel zu erheben. ErgĂ€nzend dazu nahmen 541 Konsumentinnen und Konsumenten an der Online-Befragung teil, um das Verbraucherverhalten und die PrĂ€ferenzen im Selbstmedikationsmarkt zu untersuchen. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich vom 14. Juni bis 14. August 2025. WĂ€hrend das E-Rezept in diesem aktuellen Untersuchungszeitraum bereits im deutschen Gesundheitswesen etabliert ist, war es in der ersten Befragungswelle im Vorjahr (1. Juli bis 26. August 2024) noch nicht flĂ€chendeckend verfĂŒgbar.
Kernaussagen der Befragung im Ăberblick
Kernaussage 1: 85 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten lösen ihr E-Rezept in der Apotheke vor Ort ein, weil sie den persönlichen Kontakt schÀtzen. Weitere 4,8 Prozent in der App ihrer Apotheke vor Ort.
Fast 90 Prozent aller befragten Konsumentinnen und Konsumenten lösen Ihr E-Rezept weiterhin in der Apotheke vor Ort ein - nur rund zehn Prozent bei einem Online-VersandhÀndler.
Warum ist das so? Folgende GrĂŒnde wurden angegeben:
Konsumentinnen und Konsumenten lösen ihr E-Rezept vor allem deshalb in der Vor-Ort Apotheke ein, weil sie das Apothekenteam persönlich kennen, und das Team wiederum sie. Interessant im Vergleich zum Vorjahr ist, dass nun auch die sofortige VerfĂŒgbarkeit von Arzneimitteln als Argument hinzukommt (2024 lag dieser Wert bei nur 5 Prozent).
Apotheken messen der Beratung die gröĂte Bedeutung bei: 79 Prozent sehen dies als wichtigsten Faktor, dicht gefolgt von der schnellen VerfĂŒgbarkeit von Arzneimitteln (76 Prozent). Interessant ist, dass das Thema "Beratung" unterschiedlich wahrgenommen wird.
Aus Herstellersicht sprichtfĂŒr die Apotheke vor Ort, dass Konsumentinnen und Konsumenten ihre Arzneimittel sofort erhalten und sich Apotheke sowie Patientinnen und Patienten gut kennen - das deckt sich mit der EinschĂ€tzung der Konsumentinnen und Konsumenten. AuffĂ€llig ist jedoch, dass die Industrie den Anteil der E-Rezepte, die ĂŒber Online-VersandhĂ€ndler eingelöst werden, mit 22 Prozent deutlich höher einschĂ€tzt - etwa doppelt so hoch wie von den Konsumentinnen und Konsumenten selbst angegeben.
Tino Niggemeier, Inhaber und GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Xeomed und Mitglied der Loge 8 sagt in Anspielung auf die Nutzung der apothekeneigenen Apps durch Konsumentinnen und Konsumenten: "Die groĂe StĂ€rke der Vor-Ort-Apotheken liegt in der persönlichen NĂ€he zu ihren Kundinnen und Kunden. Wenn diese NĂ€he auch digital und in Form einer individualisierten Kommunikation ausgespielt wird, entsteht ein Wettbewerbsvorteil, den der Versandhandel nicht bieten kann,".
Kernaussage 2: Warum Konsumentinnen und Konsumenten ihr E-Rezept beim Online-VersandhĂ€ndler einlösen: Sie mĂŒssen das Haus nicht verlassen und sehen Vorteile bei ZusatzkĂ€ufen
Der Hauptgrund fĂŒr Konsumentinnen und Konsumenten, ihr E-Rezept beim Online-VersandhĂ€ndler einzulösen, ist das Argument nicht aus dem Haus zu mĂŒssen (56 Prozent). Dass bei dieser Gelegenheit gleich OTC-Arzneimittel mitbestellt werden können (39 Prozent), ist der zweite Grund. Diese Werte decken sich mit dem Stimmungsbarometer aus dem Vorjahr.
Apotheken und OTC-Hersteller kennen ihre Konsumentinnen und Konsumenten offenbar sehr gut und sehen das Ă€hnlich. Das wichtigste Argument fĂŒr den Online-VersandhĂ€ndlerist die Bequemlichkeit.
Kernaussage 3: Kaufen Konsumentinnen und Konsumenten, wenn sie ihr E-Rezept einlösen zudem auch ein verschreibungsfreies Arzneimittel? Eher nein! Die Apotheken vor Ort sehen das anders!
Die Tendenz des aktuellen Stimmungsbarometers zeigt, dass Konsumentinnen und Konsumenten eher kein OTC-Arzneimittel erwerben, wenn sie ein E-Rezept einlösen. Das gilt gleichermaĂen fĂŒr die Apotheke vor Ort (81 Prozent nein) sowie fĂŒr den Online-Versandhandel (86 Prozent nein). Dieser RĂŒckgang bei ZusatzkĂ€ufen ĂŒberrascht: Im Vorjahr kauften noch 43 Prozent zusĂ€tzliche OTC-Arzneimittel in der Vor-Ort-Apotheke ein und 37 Prozent beim Online-Versandhandel.
Einen völlig anderen Eindruck spiegeln die Apotheken wider: 82 Prozent der befragten 220 Apotheken gaben an, dass ihre Kunden beim Einlösen eines E-Rezepts auch ein nicht verschreibungspflichtiges Arzneimittel der Selbstmedikation kaufen. Und mit Blick auf den Online-Versandhandel glauben 69 Prozent Apotheken, dass Konsumentinnen und Konsumenten beim Einlösen eines E-Rezepts ein OTC-Produkt on top mitkaufen.
Marcel Becker, GeschĂ€ftsleitung Dr. Beckers Central Apotheke, GrĂŒnder & GeschĂ€ftsfĂŒhrer der ApoVid GmbH und Mitglied der Loge 8: "Aus Sicht der Apotheke ist die Divergenz bei diesem Punkt besonders spannend. Der Kunde kommt in die Apotheke mit einem E-Rezept und verlĂ€sst sie ohne Zusatzverkauf, vielleicht sogar ohne Beratung. Meines Erachtens liegt hier die Riesen-Chance fĂŒr die Apotheke, den OTC-Bereich auszubauen und sich hier neu aufzustellen."
Die OTC- Hersteller scheinen ihre Konsumentinnen und Konsumenten gut zu kennen. Sie geben mehrheitlich an, dass das Einlösen eines E-Rezepts in der Apotheke vor Ort in den wenigsten FÀllen einen zusÀtzlichen Kauf eines OTC-Produkts auslöst (75 Prozent sagen nein). Dem Online-Versandhandel traut man hier offenbar mehr zu: OTC-Hersteller gehen in 68 Prozent der FÀlle davon aus, dass mit dem Einlösen eines E-Rezepts hierbei auch der Kauf eines OTC-Produkts einhergeht.
"Die Zahlen ĂŒberraschen nicht. Aus Industriesicht mĂŒssen wir uns hier selbst an die eigene Nase fassen: Braucht es auch von unserer Seite vielleicht ein neues Angebot der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Apotheke?", fragt Adam FaĂbender, stellvertretender Vorsitzender beim BPI und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Amplumed GmbH.
Interessant ist auch: 90 Prozent der Apotheken geben an, dass sich das OTC-Kaufverhalten durch die EinfĂŒhrung des E-Rezepts nicht verĂ€ndert hat. WĂ€hrend 70 Prozent der OTC-Hersteller davon ausgehen, dass sich das Kaufverhalten seit EinfĂŒhrung des E-Rezepts verĂ€ndert hat.
Dr. Vanessa Conin-Ohnsorge, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin IDV GmbH Bodenheim und Mitglied der LOGE8 "Das groĂe Learning aus unserer Umfrage ist, dass das Potenzial der Kernkompetenzen der Apotheke nicht ausgeschöpft wird: Die NĂ€he zum Kunden, die individuelle Beratung, der direkte Kontakt bietet so viel Spielraum fĂŒr die Apotheke, sich besser zu positionieren. Hier braucht es offenbar neue Angebote in der Kundenkommunikation."
Weitere Informationen zum Thema "Selbstmedikation" finden Sie in der BPI-Themenwelt Selbstmedikation.
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Laura Perotti (Kommissarische Pressesprecherin),
Tel. 030 27909-131, lperotti@bpi.de
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