Berliner Mieten: Plus von 2,1 Prozent ist der stärkste Anstieg im Städtevergleich
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 00:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Bundeshauptstadt ziehen die Wohnungsmieten wieder spürbar an. Laut einer Studie des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) verzeichnete Berlin im dritten Quartal 2026 mit einem Zuwachs von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal den stärksten Mietanstieg unter den größten deutschen Städten. Berlin liegt damit vor Düsseldorf mit einem Plus von 2,0 Prozent, München mit 1,3 Prozent sowie Frankfurt am Main und Stuttgart mit jeweils 1,1 Prozent.
Bundesweit legten die Mieten im dritten Quartal 2026 nominal um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu. Im Jahresvergleich stiegen sie um 3,6 Prozent, was laut dem Institut den stärksten Anstieg seit Anfang 2025 darstellt. Im selben Vorjahresvergleich verzeichnete Hamburg ein Plus von 6,7 Prozent, während Düsseldorf und Köln um jeweils 5,4 Prozent zulegten.
Die teuerste Stadt bleibt laut IfW München mit einer Kaltmiete von 23,70 Euro pro Quadratmeter. Auch der Immobiliendienstleister CBRE bezifferte den Anstieg seines Mietindex für die 20 größten Städte im dritten Quartal 2026 auf 3,6 Prozent im Jahresvergleich und 0,8 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal.
Fehlender Neubau heizt Markt weiter an
Immobilienexperten sehen den anhaltenden Druck auf die Berliner Angebotsmieten vor allem in der anhaltenden Neubauschwäche begründet, wodurch das Angebot insbesondere in zentralen Lagen der Nachfrage hinterherhinke.
Der Deloitte Property Index bestätigt diesen bundesweiten Einbruch: Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nur 207.000 Wohnungen fertiggestellt, was einem Rückgang von 17,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
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Mit 2,48 Fertigstellungen je 1.000 Einwohner markierte dies den schwächsten Wert in Europa. Gleichzeitig zählte Deutschland 218.000 Baustarts, während in Frankreich im gleichen Zeitraum 275.000 Vorhaben begonnen wurden.
Bei den Neubaupreisen liegen Berlin und Frankfurt laut Deloitte mit jeweils 7.500 Euro pro Quadratmeter hinter München mit 11.200 Euro und Hamburg mit 7.700 Euro pro Quadratmeter. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Deloitte in 19 von 24 europäischen Ländern mit weiter anziehenden Mieten.
Debatten um Regulierung und Vergesellschaftung
Angesichts der Entwicklung wächst der politische Handlungsdruck. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Deutschen Mieterbundes ergab, dass 89 Prozent der Befragten schärfere Strafen gegen Mietwucher fordern.
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Zudem sprachen sich 75 Prozent für eine Verschärfung der Mietpreisbremse, 67 Prozent für eine Begrenzung von Mieterhöhungen und 65 Prozent für einen Mietendeckel aus. Während die Bundesregierung den Mieterschutz verschärft, warnen Studien vor negativen Folgen für den Wohnungsneubau.
In Berlin sorgt parallel die Debatte über eine mögliche Vergesellschaftung großer Bestände für Auseinandersetzungen. Die IHK Ostwürttemberg und der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag lehnen entsprechende Pläne ab. Betroffen wären rund 160.000 Wohnungen.
Bei einer Entschädigungsobergrenze von 16 Milliarden Euro und einer Zinslast von 4 Prozent fielen jährliche Zinskosten in Höhe von 640 Millionen Euro an. Der landeseigene Berliner Wohnungsbestand umfasste mit Stand 2025 bereits rund 404.000 Wohnungen, was knapp einem Viertel aller Berliner Mietwohnungen entsprach.
Auf dem Transaktionsmarkt zeigte sich unterdessen eine vorsichtige Belebung: Laut CBRE erreichte der deutsche Wohninvestmentmarkt im dritten Quartal 2026 ein Volumen von rund 5,9 Milliarden Euro über 49.500 Einheiten. Maßgeblicher Akteur war die öffentliche Hand mit Ankäufen von rund 1,8 Milliarden Euro, während börsennotierte Immobilienunternehmen und Real Estate Investment Trusts Nettoverkäufe von etwa 1,2 Milliarden Euro verzeichneten.
