Mietendeckel, Wohnungsangebot

Berliner Mietendeckel: Wohnungsangebot brach trotz sinkender Mieten um 52 Prozent ein

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 11:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen weniger verfügbare Wohnungen durch Preisregeln; im dritten Quartal 2026 stiegen die Angebotsmieten bundesweit um 1,2 Prozent.
Eine leere Wohnstraße in einem deutschen Stadtviertel mit historischer Architektur und langen Schatten im Abendlicht. Illustration mit AI erstellt.

Staatliche Eingriffe in die Mietpreise führen auf dem deutschen Wohnungsmarkt zu spürbaren Verwerfungen. Aktuelle Analysen verdeutlichen, dass gesetzliche Deckelungen und Preisbremsen das Angebot an verfügbaren Mietwohnungen drastisch reduzieren und gleichzeitig die Mobilität von Wohnungssuchenden einschränken.

Die seit dem Jahr 2015 in Deutschland geltende Mietpreisbremse wurde über die Jahre mehrfach verschärft, ebenso wie die Kappungsgrenze. Die Folgen solcher Instrumente lassen sich an wissenschaftlichen Auswertungen ablesen.

Eine Untersuchung von Pekka Sagner von der Universität Wuppertal zum früheren Berliner Mietendeckel belegt, dass die Mieten zwar um 10,3 Prozent sanken, das Angebot an Mietwohnungen zeitgleich jedoch um 52 Prozent einbrach.

In zentralen Bezirken wie Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte belief sich der Angebotsrückgang auf mindestens 60 Prozent, während er in Lichtenberg geringer ausfiel. Besonders stark betroffen waren Wohnungsgrößen zwischen 50 und 80 Quadratmetern.

Gravierende Differenzen und Lock-in-Effekte

Eine im Jahr 2026 vorgelegte Dissertationsstudie von Lars Jagemann an der Universität Regensburg untersuchte die Lage in 107 deutschen Städten. Demnach liegt die Differenz zwischen Bestandsmieten und den Angebotsmieten bei Neuverträgen im Schnitt bei 20 bis 25 Prozent, während dieser Unterschied in den Metropolen bis zu 50 Prozent erreicht.

Die direkte Konsequenz ist ein ausgeprägter Lock-in-Effekt: Da Bestandsmieter in ihren vergleichsweise günstigen Wohnungen verharren, sinkt das frei verfügbare Wohnungsangebot insbesondere für Zuziehende wie junge Familien und Berufseinsteiger deutlich.

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Bereits eine Ökonomen-Umfrage von Alston, Kearl und Vaughan aus dem Jahr 1992 verdeutlichte die Skepsis der Fachwelt gegenüber staatlichen Preisobergrenzen: Damals gaben 93 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler an, dass eine Mietpreisbremse sowohl die Menge als auch die Qualität des Wohnraums senke.

Der Immobilienexperte Andreas Schmidt bezeichnet die Mietpreisbremse als kurzzeitig populär, langfristig betrachtet sei sie jedoch wirkungslos. Als alternativer Lösungsansatz wird ein Sondervermögen Wohnen in Höhe von 200 Milliarden Euro für rund 900.000 bestehende Wohnungen vorgeschlagen.

Bei durchschnittlich 220.000 Euro pro Einheit sieht dieses Modell eine Abzahlung über 40 Jahre bei einem Zinssatz von 1,5 Prozent vor, was einer monatlichen Belastung von etwa 610 Euro entspräche.

Preisentwicklung bleibt ungebrochen dynamisch

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Trotz der bestehenden Regulierungsversuche setzt sich der Aufwärtstrend bei den Wohnkosten fort. Der vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ermittelte GREIX-Mietpreisindex, der Immobilienangebote in 37 deutschen Städten und Regionen auswertet, wies für das dritte Quartal 2026 einen bundesweiten Anstieg der Angebotsmieten von nominal 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal aus.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal legten die Angebotsmieten um 3,7 Prozent zu, was bereinigt um die Inflation einem realen Zuwachs von 0,3 Prozent beziehungsweise 0,7 Prozent entsprach.

Bei den Bestandsmieten zeigte sich im dritten Quartal 2026 ein identisches nominales Plus von 1,2 Prozent zum Vorquartal und 3,7 Prozent zum Vorjahr, während Neubaumieten nominal um 0,6 Prozent zum Vorquartal und um 3,3 Prozent zum Vorjahr zulegten. Der GREIX-Durchschnitt über alle erfassten Regionen hinweg lag bei 14,60 Euro pro Quadratmeter.

Unter den acht größten Städten wies Hamburg im Jahresvergleich mit 6,7 Prozent den stärksten Anstieg auf, gefolgt von Düsseldorf und Köln mit jeweils 5,4 Prozent, München mit 4,8 Prozent, Frankfurt mit 3,7 Prozent sowie Stuttgart und Leipzig mit jeweils 1,9 Prozent und Berlin mit 1,4 Prozent.

Bei den durchschnittlichen Kaltmieten lag München im dritten Quartal 2026 mit 23,70 Euro an der Spitze, gefolgt von Frankfurt mit 17,90 Euro, Hamburg mit 16,50 Euro, Stuttgart mit 16,40 Euro, Köln mit 16,00 Euro, Berlin mit 15,80 Euro, Düsseldorf mit 15,10 Euro und Leipzig mit 10,40 Euro.

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