EU und Schweiz wollen Partnerschaft stÀrken
20.12.2024 - 16:49:19(neu: Durchgehend aktualisiert mit Reaktionen und Details.)
BERN (dpa-AFX) - Die EuropĂ€ische Union und die Schweiz wollen ihre Partnerschaft dauerhaft festigen. Jahrelange Verhandlungen zwischen Bern und BrĂŒssel ĂŒber eine Aktualisierung bestehender Kooperationsabkommen und mögliche neue Abkommen wurden zur Zufriedenheit beider Seiten abgeschlossen, wie EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und die Schweizer PrĂ€sidentin Viola Amherd in Bern sagten.
Die Umsetzung ist aber noch nicht garantiert, weil in der EU-kritischen Schweiz eine Volksabstimmung droht. Bis sie stattfindet, können noch Jahre vergehen.
Kritik und Freude
Gewerkschaften kritisierten das Paket schon, weil sie Druck auf die hohen Schweizer Löhne fĂŒrchten, zum Beispiel, weil EU-BĂŒrgern bei Arbeiten in der Schweiz nur die niedrigeren Spesen ihrer HeimatlĂ€nder zustehen sollen.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee begrĂŒĂte die Einigung. Klare und stabile Rahmenbedingungen seien unerlĂ€sslich, um den grenzĂŒberschreitenden Handel und die enge Zusammenarbeit mit der Schweiz langfristig zu sichern, teilte sie mit.
"Heute ist ein Tag groĂer Freude", sagte von der Leyen. "Das Abkommen macht unsere Partnerschaft zukunftsfest." PrĂ€sidentin Amherd sagte: "Der heutige Tag ist ein Meilenstein fĂŒr die Stabilisierung und die Weiterentwicklung der bilateralen Beziehungen."
Nicht in der EU, aber im Schengenraum
Die Schweizer Regierung hatte sich vor mehr als 30 Jahren fĂŒr einen EU-Beitritt ausgesprochen, doch lehnte das Volk 1992 allein schon den Beitritt zum EuropĂ€ischen Wirtschaftsraum (EWR) mit 50,3 Prozent ab. Seitdem sind rund 25 bilaterale Abkommen geschlossen worden. So hat die Schweiz schon weitgehenden Zugang zum EU-Binnenmarkt, im Gegenzug gilt mit gewissen Auflagen die PersonenfreizĂŒgigkeit.
Viele Abkommen sind wegen GesetzesĂ€nderungen in der EU aber nicht mehr zeitgemÀà und sollen modernisiert werden. Dazu gehört eine dynamische RechtsĂŒbernahme, wobei die Schweiz ihre Bestimmungen aktualisiert, um die Harmonie mit EU-Regeln zu wahren.
Neu soll die Schweiz ab 2030 jedes Jahr 375 Millionen Euro zur Förderung strukturschwacher Regionen in der EU zahlen. EU-Studenten sollen gleich hohe StudiengebĂŒhren an Schweizer UniversitĂ€ten zahlen wie einheimische. ZusĂ€tzliche Abkommen wurden unter anderem beim Gesundheitsschutz und der Weltraumforschung geschlossen.
Keine schnelle Umsetzung in Sicht
Bei der PersonenfreizĂŒgigkeit geht es um Arbeitnehmende - wer ohne Job in der Schweiz leben will, muss nachweisen, dass er die nötigen Mittel dafĂŒr hat, wie die Regierung prĂ€zisiert. Die Schweiz gehört auch zum Schengenraum der EU-LĂ€nder, die auf systematische Personenkontrollen an den Grenzen verzichten. Sie arbeitet mit der EU zudem in Bereichen wie Asyl, Landwirtschaft, Informationsaustausch Banken, Emissionshandel und Polizei zusammen.
Wie geht es weiter? Die Schweiz will das Vertragspaket bis Sommer juristisch aufbereiten und nötige innenpolitische Anpassungen auf den Weg bringen. Dann begutachtet die Regierung das Ganze und will bei positiver Begutachtung unterschreiben, sagte AuĂenminister Ignazio Cassis. Dann geht das Paket ins Parlament. Die wĂ€hlerstĂ€rkste Partei, die SVP, lehnt das Paket ab und will alles so lange wie möglich hinauszögern. Sie will eine Volksabstimmung durchsetzen. Es könnte bis 2027 oder 2028 dauern, ehe das Gesamtpaket in Kraft tritt.

