Berufsbildung, Azubis

Berufsbildung: Über eine Million Azubis sollen Demokratie lernen

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das duale Ausbildungssystem integriert zunehmend demokratische Werte. Der Berufsbildungsbericht 2026 und BIBB-Konferenzen treiben die Entwicklung voran.

Demokratiebildung: Neuer Schwerpunkt im dualen Ausbildungssystem
Junge Auszubildende im Gespräch an einem Werkbank-Tisch in einer modernen Werkstatt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das deutsche duale Ausbildungssystem soll künftig verstärkt demokratische Werte vermitteln. Angesichts gesellschaftlicher Transformationsprozesse rückt die Demokratiebildung als fester Bestandteil in den Fokus der betrieblichen Ausbildung. Der im Mai veröffentlichte Berufsbildungsbericht 2026 und bevorstehende Fachkonferenzen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) unterstreichen diesen Trend.

Werte als Teil der beruflichen Handlungsfähigkeit

Die Verankerung von Demokratiekompetenz basiert auf einer Weiterentwicklung des dualen Systems. Bereits seit einigen Jahren bieten die sogenannten Standardberufsbildpositionen – gültig für alle anerkannten Ausbildungsberufe – rechtliche Anknüpfungspunkte. Ziel ist es, übergreifende Kompetenzen zu fördern, die zur beruflichen Handlungsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt zählen. Dazu gehören laut BIBB-Experten gesellschaftlich-demokratische Werte wie Partizipation, Diskursfähigkeit, Solidarität und Toleranz.

BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser forderte bereits im Sommer des vergangenen Jahres, Demokratiebildung fest an den Lernorten der Berufsbildung zu verankern. Über das Ausbildungssystem ließen sich mehr als eine Million junge Menschen erreichen und zur aktiven Mitgestaltung der Gesellschaft befähigen – diese Chance müsse konsequent genutzt werden.

Gewerkschaften fordern Reformen

Der Berufsbildungsbericht 2026 zeichnet laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) ein kritisches Bild der aktuellen Lage. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack betonte, dass neben der Fachkräftesicherung auch die demokratische Teilhabe am Arbeitsplatz gestärkt werden müsse. Gewerkschaften sehen in der betrieblichen Mitbestimmung eine wesentliche Schule der Demokratie.

Die IG Metall setzt in der Praxis auf gezielte Qualifizierungen für Ausbildungspersonal. Auf Fachtagungen im vergangenen Jahr diskutierten Experten Konzepte, wie Ausbilderinnen und Ausbilder demokratische Werte im Arbeitsalltag vorleben können. Ein Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) als erste Instanz betrieblicher Mitbestimmung.

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Stipendien fördern demokratisches Engagement

Auch in der Begabtenförderung zeigen sich innovative Ansätze. Die Hans-Böckler-Stiftung bietet mit dem Programm „Talente in der beruflichen Bildung“ (TiBB) ein Stipendium an, das Demokratieförderung explizit in sein modulares Bildungsangebot integriert. Das Programm richtet sich an Auszubildende mit überdurchschnittlichen Kompetenzen und der Bereitschaft zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung.

Neben finanzieller Unterstützung erhalten die Stipendiaten Zugang zu Netzwerken und Seminaren, die sie als demokratische Akteure in der Arbeitswelt stärken sollen. Das Bewerbungsfenster für den aktuellen Jahrgang ist noch bis Anfang September geöffnet.

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Betriebe als Orte der „Industrial Citizenship“

Ende November setzt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema fort: In Bonn diskutieren Forscher und Praktiker beim Fachforum „Demokratiebildung im Beruf“ über Perspektiven und Kontroversen. Eine zentrale Frage: Wie können Betriebe als Orte der „Industrial Citizenship“ fungieren, an denen junge Menschen durch Partizipation positive Erfahrungen mit demokratischen Prozessen sammeln?

Hintergrund der Bemühungen sind auch Ergebnisse der Initiative „Betriebliche Demokratiekompetenz“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Eine im April 2025 veröffentlichte Evaluation zeigte: Workshops und Beratungsangebote können insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen dazu beitragen, Belegschaften gegenüber demokratiefeindlichen Tendenzen zu sensibilisieren.

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