Berufsunfähigkeitsversicherung, Risiko

Berufsunfähigkeitsversicherung: Junge Deutsche erkennen Risiko, zögern aber beim Abschluss

19.05.2026 - 16:41:48 | boerse-global.de

91,5 Prozent der 20- bis 30-Jährigen sehen BU-Schutz als wichtig, doch nur 36,8 Prozent haben eine Police. Frühstarter sparen bis zu 50 Prozent Beitrag.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Junge Deutsche erkennen Risiko, zögern aber beim Abschluss - Foto: über boerse-global.de
Berufsunfähigkeitsversicherung: Junge Deutsche erkennen Risiko, zögern aber beim Abschluss - Foto: über boerse-global.de

Die meisten jungen Berufstätigen in Deutschland wissen um die Bedeutung einer Berufsunfähigkeitsversicherung – doch nur gut jeder Dritte hat tatsächlich eine Police abgeschlossen.

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von Canada Life zeigt eine eklatante Lücke zwischen Einsicht und Handeln. Rund 91,5 Prozent der befragten 20- bis 30-Jährigen halten den privaten Schutz gegen langfristigen Einkommensverlust für wichtig oder sehr wichtig. Doch lediglich 36,8 Prozent haben tatsächlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abgeschlossen.

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Die Gründe für diese Zurückhaltung liegen oft in falschen Vorstellungen über die finanziellen Risiken. Fast die Hälfte der jungen Fachkräfte (49,4 Prozent) verlässt sich laut Studie auf unrealistische Annahmen – etwa, dass sie eine Einkommenslücke anderweitig überbrücken könnten oder das Risiko einer Berufsunfähigkeit im eigenen Berufsfeld geringer sei.

Die Kostenfalle: Früh abschließen spart Tausende

Besonders für die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen bleiben die vermeintlich hohen Beiträge die größte Hürde. Dabei übersehen viele: Je früher der Einstieg, desto günstiger die Prämien. Branchenexperten rechnen vor: Ein 30-Jähriger mit einem Jahresgehalt von 60.000 Euro besitzt ein Lebenseinkommenspotenzial von über zwei Millionen Euro. Diese Summe übertrifft den Wert der späteren Rente bei weitem.

Die psychologische Barriere, sich während der beruflichen und finanziellen Übergangsphase langfristig zu binden, bleibt jedoch hoch. Dabei sichern sich Frühstarter oft Beiträge, die 30 bis 50 Prozent niedriger liegen als bei einem 35-Jährigen mit gleichem Leistungsumfang.

Flexibilität als neues Verkaufsargument

Die Versicherungsbranche reagiert auf die Bedürfnisse einer mobilen Generation mit flexiblen Produkten. Im Zentrum steht die sogenannte Karrieregarantie. Diese Klausel erlaubt es Versicherten, ihre BU-Rente bei deutlichen Gehaltssprüngen zu erhöhen – oft ohne erneute Gesundheitsprüfung. Besonders für Studenten und Berufseinsteiger, die zunächst mit niedrigen Summen starten, ist das attraktiv.

Auch die Nachversicherungsgarantie wurde kundenfreundlicher gestaltet. Moderne Policen erlauben Leistungserhöhungen bei Heirat, Geburt eines Kindes oder Immobilienkauf. Analysten von Morgen & Morgen beobachten, dass Versicherer zunehmend nicht nur auf den Gesundheitscheck, sondern auf die gesamte Risikoprüfung verzichten.

Starter-Tarife als Einstiegslösung

Für Berufsanfänger haben sich sogenannte Starter-BU-Tarife etabliert. Diese Modelle bieten in den ersten fünf bis zehn Jahren niedrige Beiträge, die später auf ein normales Niveau ansteigen – wenn das Einkommen stabiler ist.

Die Bereitschaft, früh zu kalkulieren, steigt: Der Anteil der Berechnungen für 30-Jährige kletterte von 35 Prozent (2019) auf 58 Prozent im jüngsten Berichtszeitraum. Noch deutlicher ist der Anstieg bei den Unter-18-Jährigen: von vier auf 7,7 Prozent.

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Warum die gesetzliche Rente nicht reicht

Die Dringlichkeit privater Vorsorge zeigt ein Blick auf die staatliche Erwerbsminderungsrente. Sie liegt im Schnitt bei lediglich 1.000 bis 1.200 Euro monatlich. Zwar steigen die Renten ab Juli 2026 um 4,24 Prozent – von 40,79 auf 42,52 Euro pro Entgeltpunkt. Doch das bleibt ein bescheidenes Netz, das den Lebensstandard der meisten Fachkräfte nicht sichert.

Die Hauptursachen für Berufsunfähigkeit sind psychische Erkrankungen. Rund 35 Prozent aller Fälle gehen auf Depressionen oder Burnout zurück, gefolgt von Muskel-Skelett-Erkrankungen (20 Prozent) und Krebs (16 Prozent).

Hohe Anerkennungsquote bei Anträgen

Entgegen verbreiteter Skepsis werden 80 Prozent aller BU-Anträge bewilligt. Hauptgrund für Ablehnungen (44 Prozent): Der Versicherte kann noch mindestens die Hälfte seines Berufs ausüben. Nur in 2,1 Prozent der Fälle kommt es zu Gerichtsverfahren, die meist mit Vergleichen enden.

Ausblick: Digitalisierung und mehr Module

Der deutsche BU-Market befindet sich im Wandel. Bei rund 17 Millionen aktiven Policen und einer Erwerbsbevölkerung von 45 Millionen ist weiteres Wachstum zu erwarten. Die Digitalisierung der Schadensbearbeitung soll die derzeitige Wartezeit von durchschnittlich 110 Tagen verkürzen.

Die Zukunft gehört modularen Lösungen. Da klassische Karrierewege seltener werden, entwickeln Versicherer flexiblere Optionen für Auszeiten, Teilzeit und Elternzeit. Das Ziel: Das Sicherheitsnetz passt sich dem Leben an – nicht umgekehrt.

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