Betriebliche Schlafhilfe: 72 Prozent der Arbeitgeber bieten keine Maßnahmen
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deSchlafstörungen wirken sich bei zahlreichen Erwerbstätigen direkt auf die Arbeitsleistung aus, während betriebliche Angebote zur Gegensteuerung weiterhin eine Seltenheit darstellen. Das geht aus einer forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Stiftung Schlaf hervor, über die am 03.11.2026 berichtet wurde.
Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut im Rahmen einer systematischen Zufallsauswahl insgesamt 1.005 abhängig Beschäftigte ab 18 Jahren zu ihren Schlafgewohnheiten und den Auswirkungen auf den beruflichen Alltag.
Beeinträchtigte Arbeitsqualität betrifft insbesondere jüngere Beschäftigte
Die Erhebung verdeutlicht das Ausmaß von Schlafdefiziten in der Arbeitswelt. Ein Viertel der befragten Erwerbstätigen gab an, sehr oft oder oft unter Schlafproblemen zu leiden. Die Folgen machen sich im Berufsleben bemerkbar: Bei 47 % der Befragten hat die Arbeit bereits unter Schlafmangel oder Schlafstörungen gelitten.
Auffällig sind dabei generationenbezogene Unterschiede. Den Ergebnissen zufolge tritt eine Minderung der Arbeitsqualität infolge von Schlafdefiziten bei 18- bis 34-Jährigen häufiger auf als bei Beschäftigten ab 50 Jahren.
Trotz der spürbaren Belastungen führt Schlafmangel selten zu einem offiziellen Arbeitsausfall. Lediglich 11 % der Erwerbstätigen mit Schlafproblemen meldeten sich aus diesem Grund krank. Dies deutet darauf hin, dass die Betroffenen ihre Aufgaben meist trotz Übermüdung und Leistungseinbußen vor Ort oder im Homeoffice wahrnehmen, anstatt sich zu regenerieren.
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Deutliche Lücken im betrieblichen Gesundheitsmanagement
Obwohl Schlafstörungen die Leistungsfähigkeit von knapp der Hälfte der Beschäftigten mindern, spielen entsprechende Hilfestellungen in den meisten Betrieben bislang keine Rolle. In 72 % der Antworten wurde angegeben, dass der eigene Arbeitgeber keinerlei Maßnahmen zur Erkennung und Vermeidung von Schlafproblemen anbietet. Weitere 12 % verfügen zwar über entsprechende Angebote im Unternehmen, nehmen diese jedoch nicht in Anspruch.
Damit zeigt sich ein Missverhältnis zwischen der praktischen Relevanz des Thema und den aktuellen Schwerpunkten im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Viele Unternehmen adressieren körperliche Fitness oder Ergonomie, lassen den Faktor Erholung jedoch weitgehend unberücksichtigt.
Hohe Nachfrage nach Vorträgen und praktischen Methoden
Aufseiten der Belegschaften besteht hingegen deutlicher Informationsbedarf. 57 % der Befragten wünschen sich Grundlagenvorträge zum gesunden Schlaf im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. 52 % sprechen sich zudem für Workshops aus, die Raum für einen Erfahrungsaustausch bieten.
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Auch spezifische Ansätze stoßen auf breites Interesse: 64 % der Erwerbstätigen interessieren sich für Methoden wie den Power-Nap, während sich 58 % für die Schlaf-Wach-Rhythmik und den individuellen Chronotyp interessieren.
Die Deutsche Stiftung Schlaf betonte in diesem Zusammenhang die grundlegende Bedeutung von gesundem Schlaf als unverzichtbares Fundament für die tägliche Arbeitsleistung. Betriebliche Maßnahmen könnten somit nicht nur das Wohlbefinden steigern, sondern auch arbeitsbezogene Qualitätsverluste reduzieren.
