Betriebliches, Gesundheitsmanagement

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird zum strategischen Wettbewerbsfaktor

12.05.2026 - 17:46:54 | boerse-global.de

Betriebliches Gesundheitsmanagement wandelt sich zum strategischen Instrument für alternde Belegschaften und flexible Arbeitsmodelle.

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird zum strategischen Wettbewerbsfaktor - Foto: über boerse-global.de
Betriebliches Gesundheitsmanagement wird zum strategischen Wettbewerbsfaktor - Foto: über boerse-global.de

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) entwickelt sich von der reinen Fehlzeiten-Senkung zum zentralen Baustein der Fachkräftesicherung.

Schon 2022 waren 23 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 55 Jahre oder älter – das belegen Daten der IHK Chemnitz. Angesichts einer alternden Belegschaft gewinnen präventive Konzepte an Bedeutung. Ziel ist nicht die kurzfristige Genesung, sondern die langfristige Erhaltung der Arbeitsfähigkeit.

HR-Verantwortliche stehen vor der Herausforderung, physische Ergonomie, psychische Stabilität und rechtliche Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen.

Anzeige

Ab 50 verliert der Körper jedes Jahr wertvolle Muskelmasse, was die Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität massiv beeinträchtigen kann. Ein Experte erklärt in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie mit nur 6 einfachen Übungen zuhause effektiv gegensteuern. Kostenlosen PDF-Ratgeber für Krafttraining ab 50 anfordern

Psychische Erkrankungen bleiben der Hauptfaktor

BGM wird heute als Wettbewerbsvorteil verstanden. Experten fordern: Gesundheitsmaßnahmen müssen sichtbarer Teil der Arbeitskultur werden – nicht bloß Reaktion auf Krankheitsausfälle.

Aktuelle Analysen auf Fachportalen und Karrierenetzwerken zeigen: Psychische Erkrankungen wie Depressionen bleiben der Hauptfaktor für Fehlzeiten. Das belegen Statistiken der DAK für 2024 und der Techniker Krankenkasse für 2025.

Der Maschinenbauer ritter & bader setzt auf ganzheitliche Konzepte: ergonomische Arbeitsplätze, Stressmanagement, aktive Pausen. Das Ziel ist eine echte Gesundheitskultur.

Die Nachfrage nach qualifiziertem Personal spiegelt diesen Trend. Allein in Bayern wurden Anfang Mai über 14.800 Stellenangebote mit BGM-Bezug registriert. Namhafte Unternehmen wie Daimler Truck oder die Plansee Group suchen Fachkräfte. Auch Berufsgenossenschaften wie die BGHM stellen Gesundheitsmanager ein.

Für Juni ist in Saarbrücken ein Symposium geplant. Unter dem Motto „Fit für die Zukunft“ diskutieren Experten Lösungen speziell für kleine und mittlere Unternehmen.

Arbeitszeit: Flexibilität trifft auf Gesundheitsschutz

Parallel zu den gesundheitlichen Aspekten stehen rechtliche Änderungen an. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hat für Juni einen Gesetzentwurf angekündigt: Die tägliche Höchstarbeitszeit soll durch eine wöchentliche ersetzt werden.

Arbeitgeberverbände begrüßen die gewonnene Flexibilität. Gewerkschaften wie der DGB warnen vor Belastungsspitzen. Berechnungen zufolge könnten unter Berücksichtigung der gesetzlichen Ruhezeiten theoretisch Arbeitswochen von bis zu 73,5 Stunden entstehen.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) warnt: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Unfälle würde drastisch steigen. Eine verpflichtende elektronische Zeiterfassung soll als Schutzmechanismus dienen.

Urlaubsrecht: Keine pauschale Begrenzung mehr

Auch im Urlaubsrecht gibt es neue Vorgaben. Das Landesarbeitsgericht Thüringen entschied im März (Az.: 4 Ta 15/26): Arbeitgeber dürfen den Jahresurlaub nicht pauschal auf maximal zwei zusammenhängende Wochen begrenzen.

Eine Arbeitnehmerin hatte erfolgreich drei Wochen Urlaub eingeklagt. Betriebliche Übungen oder pauschale Richtlinien reichen als Ablehnungsgrund nicht aus. Für eine Ablehnung sind nun zwingend dringende betriebliche Gründe erforderlich.

Homeoffice: Wenn die Verträge nicht eingehalten werden

Die Regeln für das Homeoffice verschärfen sich. Umfragen des Portals Indeed zeigen: Rund zehn Prozent der Beschäftigten arbeiten häufiger von zu Hause, als ihre Verträge vorsehen.

Rechtlich stellt dies eine Pflichtverletzung dar. Fehlt eine offizielle Betriebsvereinbarung oder vertragliche Grundlage, drohen Abmahnungen. Führungskräfte bewegen sich bei inoffiziellen Absprachen – dem sogenannten „Hushed Hybrid“ – in einem riskanten Bereich.

Rückenschutz: Von der Kindhaltung zum SmartSeat

Die physische Gesundheit bleibt ein Dauerbrenner, besonders der Schutz des Rückens. Laut Weltgesundheitsorganisation ist die Mehrheit der Menschen mindestens einmal im Leben betroffen. Besonders Frauen über 50 gelten als Risikogruppe.

Physiotherapeuten empfehlen Übungen wie die „Kindhaltung“ oder den „Katzenbuckel“. Experte Dr. Murat Yayc? warnt vor den Folgen langen Sitzens und rät zu Pausen alle 30 bis 45 Minuten sowie zur Nutzung ergonomischen Equipments.

Ein Beispiel für moderne Ausstattung: Der im Mai vorgestellte SmartSeat. Verstellbare Lordosenstützen und 3D-Armlehnen sollen Fehlhaltungen vorbeugen.

Betriebssport: Wirkung umstritten

Die Wirksamkeit von Betriebssport wird wissenschaftlich differenziert betrachtet. Ein älteres Studien-Review der Universität Jena aus dem Jahr 2016 deutete darauf hin: Betriebssport senkt zwar Schmerzintensitäten, hat aber kaum Effekte auf die allgemeine Fitness oder die Psyche.

Anzeige

Rückenschmerzen und Verspannungen belasten nicht nur den Alltag, sondern gefährden auch die langfristige Arbeitskraft. Prof. Dr. Wessinghage verrät in seinem Gratis-Report 17 Übungen, die in nur 3 Minuten täglich für sofortige Linderung und Muskelaufbau sorgen können. 17 Wunderübungen jetzt kostenlos herunterladen

Demgegenüber steht eine aktuellere Untersuchung des Roten Kreuzes Bremen. Ein über zwölf Monate extern geförderter Sport senkte das kardiovaskuläre Risiko der Teilnehmer signifikant. Die Diskrepanz unterstreicht: Langfristige und professionell begleitete Programme sind nötig.

Inklusion als Fachkräftesicherung

Die BG ETEM betonte im Mai: Die Integration von Menschen mit Behinderung ist nicht nur eine soziale Aufgabe. Sie trägt maßgeblich zur Fachkräftesicherung bei.

Erfolgsfaktoren sind eine stärkenorientierte Einsatzplanung und die konsequente Anpassung von Arbeitsplätzen.

Digitale Innovationen und Weiterbildung

Die Zukunft des BGM wird zunehmend digital gestaltet. Die DAK-Gesundheit hat für 2026 den 11. Deutschen BGM-Förderpreis ausgeschrieben. Gesucht werden Projekte, die gesundes Arbeiten durch digitale Lösungen fördern. Der Gesamtwert der Sachleistungen: 60.000 Euro.

Für HR-Verantwortliche bieten die kommenden Wochen zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten. Anbieter wie Strong Partners organisieren im Mai und Juni kostenfreie Webinare zu Ernährung unterwegs oder Rückenschutz. Ein Yoga-Event in Gronau Mitte Juni zeigt den Trend zu niederschwelligen Gesundheitsangeboten.

Effektives BGM geht 2026 weit über Obstkörbe hinaus. Es erfordert präzise Rechtskenntnis, Sensibilität für psychische Belastungen und die Bereitschaft, in hochwertige ergonomische und inklusive Arbeitsumgebungen zu investieren. Nur so können Unternehmen den Herausforderungen des demografischen Wandels und der Arbeitszeitflexibilisierung nachhaltig begegnen.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69315558 |