BetriebsĂ€rzte-Kongress in Mainz: Ăber 800 Fachleute fordern mehr PrĂ€vention
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Teilnehmer der Workshop-Reihe Gesundheitsscouts haben in den RÀumen der Industrie- und Handelskammer Siegen ihre Abschlusszertifikate erhalten. Die Initiative, die vom Arbeitskreis Demografie ins Leben gerufen wurde, zielt darauf ab, dem steigenden Krankenstand in Unternehmen mit gezielten betrieblichen PrÀventionsansÀtzen zu begegnen.
Qualifizierung fĂŒr den betrieblichen Alltag
Wie Adrian Schöps von der IHK Siegen anlĂ€sslich der feierlichen Ăbergabe erklĂ€rte, steigen die krankheitsbedingten Fehltage in den Betrieben bereits seit mehreren Jahren an. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Qualifizierung interner FachkrĂ€fte an Bedeutung.
Nach Angaben von Melanie Schreier, Projektkoordinatorin bei der Regionalagentur Siegen-Wittgenstein/Olpe, sensibilisieren die Gesundheitsscouts die Belegschaften fĂŒr gesundheitsrelevante Themen und erarbeiten konkrete betriebliche MaĂnahmen.
Die absolvierte Weiterbildung umfasste insgesamt fĂŒnf Workshops. In den Modulen behandelten die Teilnehmenden Schwerpunkte wie eine gesunde Kommunikationskultur, Fragen des klassischen Arbeitsschutzes, allgemeine PrĂ€vention sowie den Umgang mit Burnout-Risiken.
Zum Abschluss der Seminarreihe fĂŒhrten Dr. Stephan Sandrock und Nora Johanna SchĂŒth vom Institut fĂŒr angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) einen Alterssimulationsanzug vor, um den Teilnehmern physische Herausforderungen Ă€lterer BeschĂ€ftigter praxisnah zu vermitteln.
Wachsender Bedarf an arbeitsmedizinischer Expertise
Wer sich mit der PrĂ€vention im Betrieb befasst, sollte auch die psychische Gesundheit der Belegschaft im Blick behalten. Diese kostenlosen Muster-Vorlagen helfen Verantwortlichen dabei, Belastungen frĂŒhzeitig zu erkennen und rechtssicher zu dokumentieren. Sifa-Profis setzen auf diese Excel-Vorlage zur GefĂ€hrdungsbeurteilung
Die Qualifizierung auf betrieblicher Ebene deckt sich mit aktuellen branchenweiten Forderungen nach einer Intensivierung der PrĂ€ventionsmedizin. Auf dem 42. Deutschen BetriebsĂ€rzte Kongress, der vom 21. bis zum 24. Oktober 2026 mit ĂŒber 800 Fachleuten in Mainz stattfand und dessen Eröffnungs-Keynote Prof. Dr. Susanne Moebus von der Uniklinik Essen hielt, forderte der Verband Deutscher Betriebs- und WerksĂ€rzte (VDBW) die systematische Einbindung arbeitsmedizinischer Fachkompetenz in gesundheitspolitische Reformen.
VDBW-PrĂ€sidentin Susanne H. Liebe betonte zur Kongresseröffnung, dass BetriebsĂ€rzte gesundheitliche Risiken frĂŒhzeitig erkennen und wesentlich dazu beitragen könnten, BeschĂ€ftigte mit chronischen Erkrankungen im Erwerbsleben zu halten. Eine zukunftsfĂ€hige PrĂ€ventionsmedizin komme an der Arbeitsmedizin nicht vorbei; dieses Potenzial werde derzeit im Gesundheitswesen jedoch noch nicht hinreichend genutzt.
Forderungen nach Vernetzung und Datenzugang
Der Ărzteverband sprach sich vor diesem Hintergrund fĂŒr eine spĂŒrbar engere Zusammenarbeit mit Haus- und Facharztpraxen sowie KrankenhĂ€usern und Rehabilitationseinrichtungen aus, flankiert von verlĂ€sslichen sektorenĂŒbergreifenden Schnittstellen.
FĂŒr eine erfolgreiche RĂŒckkehr in den Job nach lĂ€ngerer Krankheit ist ein strukturierter Prozess unerlĂ€sslich. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie ein rechtssicheres Eingliederungsmanagement in der Praxis funktioniert und wie alle Beteiligten davon profitieren. Kostenlos: Die vollstĂ€ndige BEM-Anleitung mit Muster-Betriebsvereinbarung zum Download
Zudem mahnte der VDBW gemeinsam mit weiteren FachverbĂ€nden wie der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) und dem Bundesverband selbststĂ€ndiger Arbeitsmediziner und freiberuflicher BetriebsĂ€rzte (BsAfB) eine Gleichstellung arbeitsmedizinischer Dienste beim Zugriff auf die elektronische Patientenakte (ePA) im Rahmen des Gesetzes zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens (GeDIG) an.
Bislang hĂ€tten Mediziner im arbeitsmedizinischen Sektor nur eingeschrĂ€nkte Zugriffsrechte. UnterstĂŒtzt durch die Deutsche Krebshilfe plĂ€diert der VDBW auĂerdem fĂŒr die verbindliche Einbindung qualifizierter Arbeitsmediziner in strukturierte FrĂŒherkennungsprogramme, darunter die Lungenkrebs-FrĂŒherkennung.
