Betriebsratswahlen, Konflikt

Betriebsratswahlen 2026: Zwischen Konflikt und Reform

20.05.2026 - 10:44:42 | boerse-global.de

Das Bundesarbeitsgericht erlaubt Betriebsratswahlen auch ohne deutsche Zentrale. Amazon wehrt sich gegen Vorwürfe der Behinderung.

Betriebsratswahlen 2026: Zwischen Konflikt und Reform - Foto: über boerse-global.de
Betriebsratswahlen 2026: Zwischen Konflikt und Reform - Foto: über boerse-global.de

Besonders der Online-Händler Amazon steht im Fokus, während das Bundesarbeitsgericht mit einem Grundsatzurteil die Rechte von Beschäftigten stärkt.

Spannungen bei Amazon und Mercedes

Am Amazon-Standort in Gattendorf bei Hof eskalierte am Montag der Konflikt um die Betriebsratswahl. Die Gewerkschaft ver.di wirft dem Unternehmen Behinderung und Schikane gegenüber Kandidaten vor. „Die Beschäftigten werden unter Druck gesetzt", so ein Sprecher. Amazon wies die Vorwürfe zurück und betonte, alle gesetzlichen Vorgaben einzuhalten.

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Die Auseinandersetzung ist kein Einzelfall. Immer wieder kommt es zu rechtlichen Auseinandersetzungen, wenn Belegschaften erstmals einen Betriebsrat gründen wollen. Parallel dazu laufen bei Mercedes-Benz Gespräche über die Zukunft des Standorts Ludwigsfelde in Brandenburg. Spekulationen über ein mögliches Engagement des Rüstungskonzerns KNDS bestätigte das Unternehmen nicht.

BAG-Urteil: Betriebsrat auch ohne deutsche Zentrale

Ein wegweisendes Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 13. Mai dürfte die Landschaft der Mitbestimmung nachhaltig verändern. Die Richter entschieden: Ein Betriebsrat kann auch dann gewählt werden, wenn die Unternehmenszentrale im Ausland sitzt. Entscheidend ist allein, dass die lokale Niederlassung über ausreichende Entscheidungsbefugnisse verfügt.

Das Urteil betrifft vor allem Branchen mit internationalen Strukturen – von der Luftfahrt über die Logistik bis zur IT-Branche. Bislang scheiterten Betriebsratsgründungen oft am fehlenden inländischen Hauptsitz.

KI im Personalwesen: Chance und Risiko

Die Digitalisierung stellt Betriebsräte vor neue Herausforderungen. Künstliche Intelligenz in der Personalauswahl birgt Chancen, aber auch erhebliche Risiken. „KI kann Bewerbungsprozesse effizienter machen, aber auch diskriminieren", warnen Experten der RPTU.

Der EU AI Act stuft den Einsatz von KI im Personalmanagement als hohes Risiko ein. Das bedeutet: Am Ende muss immer ein Mensch die Entscheidung treffen. Für Betriebsräte eröffnet sich damit ein neues Feld der Mitbestimmung.

Reform der Arbeitszeit: Flexibilität versus Gesundheitsschutz

Die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes sorgt für Kontroversen. Die Bundesregierung will die starre tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden durch eine flexible Wochengrenze von 48 Stunden ersetzen. Das entspricht EU-Vorgaben und soll mehr Flexibilität ermöglichen.

Doch die Gewerkschaften schlagen Alarm. Die Hans-Böckler-Stiftung warnt vor extrem langen Arbeitstagen in Einzelfällen. Rund drei Viertel der Beschäftigten sehen die Reform skeptisch. Betriebsräte werden bei der Umsetzung eine Schlüsselrolle spielen.

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Schulungsoffensive für neue Betriebsräte

Viele neue Betriebsräte haben in diesem Frühjahr ihre Arbeit aufgenommen. Der Bedarf an Schulungen ist enorm. Das Institut zur Fortbildung von Betriebsräten (ifb) veranstaltete am Dienstag ein Online-Seminar speziell für die ersten 100 Tage im Amt.

Themen waren unter anderem die Geschäftsordnung, virtuelle Sitzungen und die Grundlagen des Betriebsverfassungsgesetzes. Ein Tipp der Experten: Virtuelle Treffen sollten maximal 49 Prozent der Sitzungen ausmachen – der persönliche Austausch bleibt entscheidend.

Ausblick: Herbst bringt Entscheidungen

Die zweite Jahreshälfte verspricht spannend zu werden. Im Juli tagt in Inzell eine Konferenz für das Handwerk, im Oktober veranstaltet die IG Metall in Rösrath intensive Seminare zur Mitbestimmung.

Die Reform des Arbeitszeitgesetzes wird voraussichtlich im Herbst konkrete Formen annehmen. Betriebsräte sollten sich frühzeitig rechtlichen Rat einholen – die Kosten dafür trägt nach Paragraf 40 BetrVG der Arbeitgeber.

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