Betriebsrente: DGB fordert Pflicht für 20 Millionen ohne Vorsorge
10.06.2026 - 03:30:05 | boerse-global.de
DGB-Chefin Yasmin Fahimi fordert eine Pflicht für alle Arbeitnehmer. Unterstützung kommt von Bundesfinanzminister Klingbeil. Rund 20 Millionen Beschäftigte haben derzeit keine Betriebsrente.
Wer zahlt, wer profitiert?
Der Vorschlag sieht vor, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen. Bisher schreibt das Gesetz nur einen Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent vor – bei einer Entgeltumwandlung. Verbraucherschützer halten das für zu wenig: Eine Betriebsrente lohne sich wirtschaftlich erst ab 30 bis 50 Prozent Zuschuss.
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SPD-Fraktionsvize Schmidt plädiert für eine paritätische Finanzierung. Das Modell klingt einfach, doch die Realität ist kompliziert.
Die Lücke in der Altersvorsorge
Nur 52 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben eine Betriebsrenten-Anwartschaft. Besonders prekär: In Kleinstbetrieben mit bis zu vier Mitarbeitern bietet gerade mal jedes vierte Unternehmen eine bAV an.
Die Verunsicherung ist enorm. Eine Civey-Umfrage vom Juni zeigt: 82 Prozent der Deutschen glauben nicht, dass ihre bisherigen Rentenansprüche für den gewohnten Lebensstandard reichen.
Das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz hatte Ende 2025 bereits Opting-out-Modelle ermöglicht. Den Befürwortern geht das nicht weit genug.
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Wirtschaft und Opposition bremsen
Der Widerstand ist massiv. Gitta Connemann von der Mittelstandsunion lehnt jede Verpflichtung ab. Unternehmen trügen bereits hohe Kosten für die Altersversorgung, so ihr Argument. Auch der CDU-Wirtschaftsrat stellt sich quer.
Bundeskanzler Merz will das Drei-Säulen-Modell stärken – aber ohne einseitige Verpflichtung.
Ifo-Präsident Clemens Fuest findet den Vorstoß grundsätzlich gut, warnt aber: Beiträge zur Betriebsrente sind Lohnkosten. In der schwachen Wirtschaftslage seien die Spielräume begrenzt.
Was als Nächstes kommt
Arbeitsministerin Bas will noch vor der Sommerpause Eckpunkte zur Rentenreform vorlegen. Bis zum 29. Juni wird zudem der Bericht einer Fachkommission zur Zukunft der Rente erwartet.
Parallel läuft die Diskussion um ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot. Es soll im Januar 2027 starten – und stößt auf heftigen Widerstand von Versicherern und Banken. Die fürchten Wettbewerbsverzerrungen.
Der Trend ist trotzdem klar: Weg von klassischen Lebensversicherungen, hin zu fondsgebundenen Sparformen und ETFs. Versicherungsmakler sehen darin längst ihre größte Konkurrenz.
