Betriebsrente, Tarifbindung

Betriebsrente: Nur jeder Zweite versorgt, Tarifbindung sinkt

01.07.2026 - 01:39:15 | boerse-global.de

Nur 52 Prozent der Beschäftigten in Deutschland haben eine betriebliche Altersvorsorge. Neue Reformen und ein niedriges Rentenniveau verschärfen die Diskussion.

Deutsche Betriebsrente: Große Lücke im Vergleich zu Schweden
Betriebsrente - Eine geteilte Ansicht: links ein modernes Büro, rechts ein traditionelles Büro, das die Unterschiede in der Betriebsrente zwischen Ländern symbolisiert. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

In Schweden und den Niederlanden sind es dagegen rund 90 Prozent. Die Gründe dafür liegen in strukturellen Hürden und einer sinkenden Tarifbindung.

Tarifbindung als Schlüsselfaktor

Ein Blick auf die Zahlen zeigt das Ausmaß: 2023 lag die bAV-Quote hierzulande bei 51,9 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In Schweden und den Niederlanden erreicht die Versorgung dagegen fast flächendeckende Werte.

Der wesentliche Unterschied: die Tarifbindung. In Schweden liegt sie bei 88 Prozent, in den Niederlanden sogar bei 90 Prozent. In Deutschland ist sie rückläufig und wurde für 2025 mit 49 Prozent beziffert. In den Niederlanden finanzieren Arbeitgeber zudem zwei Drittel der Betriebsrenten, die Arbeitnehmer ein Drittel.

Komplexität bremst Verbreitung

Rentenexperte Alexander Siegmund sieht mehrere Hürden in Deutschland: fünf verschiedene Durchführungswege, viele beteiligte Interessengruppen und die bestehende Arbeitgeberhaftung machen das System kompliziert.

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Besonders auffällig ist die Ungleichverteilung nach Betriebsgröße. In Großbetrieben mit über 1.000 Mitarbeitern liegt die bAV-Quote bei 86 Prozent. In Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Beschäftigten sinkt sie auf rund 25 Prozent.

Neue Reformen in Kraft

Seit dem 22. Januar 2026 gilt das BRSG II mit einem erweiterten Opting-Out-Modell. Die Rentenkommission empfiehlt für dieses Jahr zudem einen verstärkten Sozialpartnerdialog, um die betriebliche Vorsorge weiter zu stärken.

Ab 2028 plant die Kommission die Einführung einer kapitalgedeckten Zusatzrente. Sie soll mit einem Beitrag von 0,5 Prozent des Bruttolohns starten und perspektivisch auf 2 Prozent ansteigen. Weitere Vorschläge: Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und Ausweitung der Rentenversicherungspflicht auf Selbstständige und Minijobber.

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Rentenniveau bleibt zurück

Das allgemeine Rentenniveau in Deutschland liegt mit 47,8 Prozent (2023) deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 66,7 Prozent. Zum Vergleich: Österreich erreicht 87 Prozent, Spanien 86 Prozent.

Schweden setzt auf ein Drei-Säulen-Modell aus Einkommensrente, Prämienrente und obligatorischer Betriebsrente. Der Gesamtbeitrag beträgt dort 18,5 Prozent – 11 Prozent tragen die Arbeitgeber, 7,5 Prozent die Arbeitnehmer. In Deutschland belasten versicherungsfremde Leistungen das System. Experten beziffern diese auf jährlich 124 Milliarden Euro, denen ein Bundeszuschuss von 84 Milliarden Euro gegenübersteht. Die Lücke ist beträchtlich.

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