BGF-Portal startet: Kostenfreie Gesundheitsberatung für Krankenhäuser und KMU
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 23:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Koordinierungsstelle für betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) hat heute ein bundesweites Online-Portal gestartet. Zielgruppe sind Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Das Angebot vereinfacht den Zugang zu Beratungsleistungen und Präventionsmaßnahmen. Hintergrund ist der steigende Bedarf an Gesundheitskonzepten in Branchen mit hoher Arbeitsbelastung.
Kostenfreie Erstberatung als Einstieg
Das Portal ermöglicht Arbeitgebern eine kostenfreie Erstberatung durch Krankenkassen. Diese läuft wahlweise vor Ort, telefonisch oder digital ab. Kernstück ist eine systematische Bedarfsanalyse mit Unterstützung bei der Maßnahmenplanung. Für die interne Koordination zwischen den Sozialversicherungsträgern wurde die Plattform „BGF.intern“ implementiert.
Auch regional gibt es neue Angebote. Im Landkreis Osnabrück startet eine kostenfreie Potenzialberatung. Sie soll Unternehmenskrisen frühzeitig vermeiden oder überwinden helfen. Solche niedrigschwelligen Angebote gewinnen an Bedeutung – viele Unternehmen kämpfen mit knappen Ressourcen bei der Gesundheitsvorsorge.
Streit um Krankschreibung und Bürokratie
Die Portal-Einführung fällt in eine hitzige Debatte über Fehlzeitenregelungen. Politische Pläne sehen vor, die Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag zur Pflicht zu machen und die telefonische Krankschreibung zu beenden. Ein Experte für betriebliche Vorsorge warnt vor einem Anstieg der Bürokratie. Seine Einschätzung: Strengere Kontrollen senken die Fehlzeiten nicht zwangsläufig.
Der Hintergrund: Die Krankenstände sind drastisch gestiegen. Laut DAK-Daten legten die Fehlzeiten 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent zu. Hauptursachen sind psychische Erkrankungen und lange Wartezeiten auf Facharzttermine. Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) gewinnt deshalb an Bedeutung – sie ermöglicht oft einen schnelleren Zugang zu medizinischen Leistungen. Bis November 2025 blieb der Krankenstand mit durchschnittlich 18,6 Fehltagen auf hohem Niveau.
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Steuerliche Verschärfung droht
Unternehmen sehen sich zudem mit einer möglichen Verschärfung der Steuerregeln konfrontiert. In den Lohnsteuer-Hinweisen 2026 wurde ein Verweis auf ein BFH-Urteil von 1982 gestrichen. Bisher galten Vorsorgeuntersuchungen für leitende Angestellte als lohnsteuerfrei – sofern ein überwiegendes betriebliches Interesse vorlag. Steuerrechtler befürchten nun eine strengere Lohnsteuerpflicht für solche Leistungen.
Die starre Sachbezugsfreigrenze begrenzt zudem den Spielraum für betriebliche Gesundheitsbudgets. Branchenvertreter fordern eine gezielte steuerliche Förderung für betriebliche Krankenversicherungen.
Digitale Services im Aufwind
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat ein Präventionsportal gestartet. Es ermöglicht den Zugriff auf über 120.000 zertifizierte Kurse zu Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung. Ärzte können dafür spezifische Präventionsempfehlungen ausstellen.
Auch die Telemedizin macht Fortschritte:
- Apotheken-Service: Seit Anfang Juli bieten einige hundert Apotheken assistierte Telemedizin an. Patienten nutzen in separaten Räumen Videosprechstunden – die Technik stellt die Apotheke.
- Telemedizin-Boxen: Rund 50 solcher Stationen sind bundesweit im Einsatz. Sie ermöglichen Gesundheitschecks per App und Ferndiagnosen per Krankenkassenkarte.
- KI-Unterstützung: Ein Test der Stiftung Warentest (Ausgabe 8/2026) zeigte gute Ergebnisse bei der Symptomeinordnung durch KI-Chatbots. Datenschutzbedenken bleiben jedoch.
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Work-Life-Balance als Betriebsthema
Neben der medizinischen Versorgung rückt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Fokus. Das Dortmunder Softwareunternehmen Lämmerzahl trat Ende Juli dem Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ bei. Das Netzwerk wird vom Bundesfamilienministerium und der DIHK getragen und umfasst über 9.100 Mitglieder. Sie verpflichten sich zu flexiblen Arbeitszeitmodellen und mobilem Arbeiten – mit dem Ziel, die psychische Belastung der Mitarbeiter zu reduzieren.
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