Big Four unter Druck: ASIC ermittelt gegen KPMG-Partner wegen Datenmissbrauch
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 10:27 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die australische Finanzaufsicht ASIC nimmt die internen Beschwerdeverfahren von KPMG, Deloitte, EY und PwC unter die Lupe. Auslöser sind schwere Vorwürfe gegen KPMG Australien.
Vertrauliche Daten für neue Aufträge genutzt?
Partner von KPMG sollen vertrauliche Informationen des Baukonzerns Lendlease genutzt haben, um neue Prüfaufträge an Land zu ziehen. Die Vorwürfe wiegen schwer – sie erschüttern das Vertrauen in die Unabhängigkeit der gesamten Branche.
Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. CEO Andrew Yates und der Vorsitzende traten zurück. Die ASIC ermittelt formell gegen drei namentlich genannte Partner, darunter Eileen Hoggett und Paul Rogers.
Parlament lädt 30 Zeugen
Eine bevorstehende Parlamentsanhörung soll Licht ins Dunkel bringen. Rund 30 Zeugen werden erwartet. Sie sollen über das Ausmaß der Verstöße und die internen Kontrollmechanismen der Prüfungsgesellschaften aussagen.
Die Affäre ist kein Einzelfall. Bereits 2023 geriet PwC Australien in die Schlagzeilen – damals hatten Mitarbeiter vertrauliche Regierungsinformationen weitergegeben. Die Branche steht unter Dauerbeobachtung.
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ASIC fordert schärfere Gesetze
Die stellvertretende ASIC-Chefin Sarah Court bezeichnet die Vorwürfe als ernst. Ihr Problem: Die Behörde hat gegenüber den als Partnerschaften organisierten Firmen nur begrenzte Befugnisse. Court fordert Reformen – etwa einen besseren Whistleblower-Schutz und schärfere Sanktionen.
Ein Parlamentsausschuss empfiehlt, Prüfungsgesellschaften künftig wie normale Unternehmen zu regulieren. Die Regierung erwägt sogar eine Aufspaltung der „Big Four“. Während PwC und EY Kooperation signalisieren, schweigt Deloitte. KPMG ließ seine Whistleblower-Systeme von unabhängigen Beratern prüfen.
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KI-Investitionen mit Risiken
Trotz der Skandale treiben die Prüfungsriesen die Digitalisierung voran. Deloitte investiert fünf Milliarden Dollar in fünf Jahren in KI-Systeme. Auch EY und KPMG geben Milliarden für die Technologie aus.
Dass KI auch schiefgehen kann, zeigte sich 2025: Deloitte musste rund 440.000 australische Dollar an die öffentliche Hand zurückzahlen. Eine KI-Anwendung hatte fehlerhafte Ergebnisse geliefert. Branchenkenner warnen: Ohne menschliche Kontrolle und ethische Standards bleibt die Prüfungsqualität auf der Strecke.
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