Bill, C-36

Bill C-36: Kanada fĂŒhrt Datenschutz-Bußgelder bis 10 Millionen Euro ein

Veröffentlicht am: 27.06.2026 um 10:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kanada plant mit Bill C-36 ein scharfes Datenschutzgesetz. Unternehmen drohen Bußgelder von bis zu zehn Millionen Euro oder drei Prozent des Umsatzes.
Ein stilisiertes kanadisches Ahornblatt aus digitalem Code, ĂŒberlagert auf verschwommenen Rechtsdokumenten und einem leuchtenden VorhĂ€ngeschloss. Illustration mit AI erstellt.

Bill C-36 soll das alte PIPEDA-Gesetz ersetzen und PrivatsphĂ€re zum Grundrecht erheben. Unternehmen drohen Bußgelder von bis zu zehn Millionen Euro.

Der „Protecting Privacy and Consumer Data Act“ stellt den Datenschutz auf ein völlig neues Fundament. Firmen mĂŒssen kĂŒnftig detaillierte Datenschutzprogramme vorweisen, den Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz transparent machen und Kinderdaten besonders schĂŒtzen.

Bis zu drei Prozent des weltweiten Umsatzes als Strafe

Die neue Aufsichtsbehörde DSDPCC bekommt scharfe ZĂ€hne. Sie darf Bußgelder von bis zu zehn Millionen Euro verhĂ€ngen – oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Damit zieht Kanada mit der europĂ€ischen DSGVO gleich.

Parallel dazu reguliert der „Safe Social Media Act“ (Bill C-34) den Zugang zu sozialen Netzwerken fĂŒr unter 16-JĂ€hrige. Eine verpflichtende Altersverifikation soll das sicherstellen. Branchenbeobachter sehen hier ein Problem: WĂ€hrend Bill C-36 Datensparsamkeit fordert, verlangt Bill C-34 die Erhebung von IdentitĂ€tsdaten wie Gesichtsscans oder Ausweisen. FrĂŒhestens 2030 sollen die neuen Regeln vollstĂ€ndig umgesetzt sein.

Kritik an neuer Super-Behörde

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Die geplante DSDPCC stĂ¶ĂŸt bei DatenschĂŒtzern auf Widerstand. Die Kommission soll als „Super-Regulator“ sowohl fĂŒr Datenschutz als auch fĂŒr Sicherheit in sozialen Medien zustĂ€ndig sein. Rechtsprofessor Michael Geist kritisiert, dass die Behörde direkt ans Kabinett berichtet – nicht ans Parlament. Das gefĂ€hrde ihre UnabhĂ€ngigkeit.

Der bisherige Privacy Commissioner Philippe Dufresne verliert große Teile seiner ZustĂ€ndigkeit an die neue Kommission. Experten warnen vor einem „Regulator mit zwei Köpfen“, bei dem Untersuchung, Durchsetzung und rechtliche Entscheidung verschwimmen. Die DSDPCC soll 18 bis 24 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes ihre Arbeit aufnehmen.

Blinder Fleck beim Arbeitnehmerschutz

Trotz der VerschĂ€rfungen gibt es LĂŒcken. Aktuelle FĂ€lle wie der Einsatz von Monitoring-Software bei der TD Bank zeigen das Problem. Die Bank erfasste Browserzeiten und Meeting-Nutzung ihrer Mitarbeiter. Bill C-36 enthĂ€lt keine spezifischen Schutzvorkehrungen gegen solche elektronische Überwachung von BeschĂ€ftigten.

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Kanada reiht sich damit in einen globalen Trend strengerer Digitalregulierung ein. In Italien drohen bei VerstĂ¶ĂŸen gegen den EU AI Act Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Umsatzes. Das EU-Parlament bestĂ€tigte Mitte Juni neue Fristen fĂŒr Hochrisiko-KI-Systeme – je nach Einsatzbereich zwischen Ende 2027 und Mitte 2028. In Deutschland wĂ€hlte der Bundestag am 25. Juni den Rechtswissenschaftler Moritz Hennemann zum neuen Bundesdatenschutzbeauftragten.

Die Dringlichkeit solcher Gesetze unterstreicht ein aktueller Vorfall: Der Apple-Zulieferer Tata Electronics bestĂ€tigte am 22. Juni einen massiven Datendiebstahl. 630 Gigabyte an Informationen – darunter technische Zeichnungen und QualitĂ€tsspezifikationen – wurden entwendet.

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