ROUNDUP, Teuerung

Teuerung schwĂ€cht sich weiter ab - Ökonom: Inflationswelle ist vorbei

12.04.2024 - 11:43:41 | dpa.de

Billigere Nahrungsmittel und gesunkene Energiepreise machen Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland nach den vergangenen PreissprĂŒngen Hoffnung.

Im MĂ€rz sank die Inflationsrate auf 2,2 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit rund drei Jahren. Das Statistische Bundesamt bestĂ€tigte am Freitag vorlĂ€ufige Daten. "Die Preissituation bei Energie und Nahrungsmitteln dĂ€mpfte die Inflationsrate bereits im zweiten Monat in Folge", erlĂ€uterte Behördenchefin Ruth Brand. "Im MĂ€rz 2024 waren Nahrungsmittel fĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher erstmals seit Februar 2015 gĂŒnstiger als ein Jahr zuvor."

Die Teuerungsrate insgesamt war im MĂ€rz so niedrig wie zuletzt im Mai 2021 mit damals ebenfalls 2,2 Prozent. Niedriger war der Wert davor im April 2021 mit 2,0 Prozent. Im Februar des laufenden Jahres hatte die Inflation noch bei 2,5 Prozent und im Januar bei 2,9 Prozent gelegen. Die große Inflationswelle ist nach EinschĂ€tzung von Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater vorbei. "Die regelrechte Inflationspanik, die in Teilen der Bevölkerung durchaus zu Recht herrschte, liegt hinter uns", sagte der Ökonom der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX jĂŒngst.

Einige Nahrungsmittel sogar gĂŒnstiger

FĂŒr Nahrungsmittel zahlten die Menschen im MĂ€rz 0,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Vor allem frisches GemĂŒse (minus 20,1 Prozent) und Molkereiprodukte (minus 5,5 Prozent) wurden gĂŒnstiger. Teurer binnen Jahresfrist wurden unter anderem Zucker, Marmelade, Honig und anderen SĂŒĂŸwaren (plus 8,4 Prozent) sowie Obst (plus 4,2 Prozent).

Energie verbilligte sich trotz der zu Jahresanfang ausgelaufenen Energie-Preisbremsen und der Anhebung des CO2-Preises auf 45 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) um 2,7 Prozent. GĂŒnstiger waren unter anderem Erdgas (minus 9,2 Prozent) und Strom (minus 8,1 Prozent). FernwĂ€rme kostetet dagegen 20,6 Prozent mehr.

Dienstleistungen verteuerten sich um 3,7 Prozent. Deutlich mehr als ein Jahr zuvor mussten Verbraucherinnen und Verbraucher unter anderem fĂŒr Versicherungen (plus 11,0 Prozent) zahlen. Der GaststĂ€tten-Besuch kostete 6,9 Prozent mehr. Seit dem 1. Januar 2024 gilt fĂŒr Speisen in der Gastronomie wieder der regulĂ€re Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent.

GegenĂŒber dem Vormonat Februar stiegen die Verbraucherpreise im MĂ€rz um 0,4 Prozent.

AbschwÀchung der Inflation erwartet

Im Jahresschnitt erwarten fĂŒhrende Wirtschaftsforschungsinstitute eine deutliche AbschwĂ€chung der Inflation auf 2,3 Prozent nach 5,9 Prozent im vergangenen Jahr. Auf den letzten Metern könnte es allerdings noch holprig werden, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib unlĂ€ngst. "Schon im April ist durch das Ende der Mehrwertsteuerabsenkung mit einem Preisschub bei der Gas- und WĂ€rmeversorgung zu rechnen."

Höhere Teuerungsraten schmĂ€lern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Menschen können sich fĂŒr einen Euro weniger leisten. Im vergangenen Jahr setzten viele Verbraucher daher den Rotstift an. Der Privatkonsum fiel als wichtige KonjunkturstĂŒtze aus.

Zinssenkung im Euroraum im Sommer erwartet

Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) strebt fĂŒr den Euroraum und Deutschland mittelfristig PreisstabilitĂ€t bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent an. Nach einer Serie von Zinserhöhungen im Kampf gegen die zeitweise hohe Inflation rechnen Volkswirte allgemein mit einer Senkung der Zinsen im Juni. Höhere Zinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und hohen Inflationsraten entgegenwirken kann. Teurere Finanzierungen sind aber zugleich eine Last fĂŒr Unternehmen und private Investoren.

Im MĂ€rz lag der sogenannte HVPI, den die EZB fĂŒr ihre Geldpolitik heranzieht, in Deutschland bei 2,3 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats. HVPI steht fĂŒr Harmonisierter Verbraucherpreisindex und dient dazu, PreisĂ€nderungen in der Eurozone international vergleichbar zu machen.

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