Wirksam gegen Fast Fashion? Schneider plant Textilgesetz
27.03.2026 - 13:34:18 | dpa.deDamit sich die Sammlung und Entsorgung von Altkleidern auch finanziell wieder lohnt, sollen dafĂŒr kĂŒnftig die Hersteller bezahlen. Das plant Bundesumweltminister Carsten Schneider, der dabei besonders Billigware im Blick hat. «Fast-Fashion-Kleidung wird nur kurz getragen, aber macht lange Ărger. Sie ĂŒberschwemmt den Markt, lĂ€sst Altkleider-Container ĂŒberquellen und kann kaum Secondhand wiederverwendet oder recycelt werden», erklĂ€rte der SPD-Politiker.Â
Schneider stellte bei einem Ortstermin in Berlin Eckpunkte fĂŒr ein neues Textilgesetz vor, ein ausfĂŒhrlicherer Gesetzentwurf soll spĂ€ter folgen. Das Echo aus der Branche und von UmweltverbĂ€nden ist gemischt. Es geht um Bekleidung, Bekleidungszubehör wie GĂŒrtel, Heimtextilien und Schuhe. Damit setzt die Bundesregierung EU-Vorgaben um.
Problem Fast Fashion
«Seit rund einem Jahr zahlen wir drauf, wenn wir Kleidung annehmen», sagt Thomas Ahlmann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Fairwertung, einem Zusammenschluss gemeinnĂŒtziger Sammler gebrauchter Textilien. «Die minderwertige Kleidung ist einfach nur noch eine Kostenbelastung.» Denn die Sortierung per Hand ergibt weniger verwertbare Kleidung, der Rest muss kostenpflichtig entsorgt werden.
Das Problem heiĂt Fast Fashion oder auch Ultra Fast Fashion wie sie auf Plattformen wie Temu oder Shein zu haben ist. Gemeint ist Ware, die lĂ€ngst nicht mehr fĂŒr eine ganze Saison gedacht ist, sondern laut Greenpeace auf groĂen Verkaufsplattformen teils sogar tĂ€glich wechselt - allerdings von so schlechter QualitĂ€t ist, dass sie sich auch nur kurz tragen lĂ€sst.Â
Immer mehr TextilabfÀlle
«Vor zehn, fĂŒnfzehn Jahren hatten wir im Container fĂŒnf Prozent gut erhaltene Ware. Jetzt ist es vielleicht ein Prozent», erklĂ€rt Ulrich MĂŒller, Chef bei der Deutschen Kleiderstiftung, die Kleidung sammelt und an SoziallĂ€den oder Hilfsprojekte weitergibt.Â
Deutsche Privathaushalte produzieren immer mehr Bekleidungs- und TextilabfÀlle. Zwischen 2013 und 2023 stieg das Volumen laut Statistischem Bundesamt um 55 Prozent auf rund 175.000 Tonnen. Pro Kopf wurden demnach zuletzt etwa zwei Kilogramm TextilabfÀlle produziert.
Hersteller in die Pflicht
Hersteller sollen sich nach Schneiders PlĂ€nen kĂŒnftig an Organisationen fĂŒr Herstellerverantwortung beteiligen, die sich aus ihren BeitrĂ€gen finanzieren. Diese Organisationen sollen sich um Sammlung und Verwertung von Alttextilien kĂŒmmern. Kleidung von Sammlern mĂŒssen sie kostenlos annehmen. Als Hersteller sollen alle gelten, die Kleidung erstmals auf dem deutschen Markt anbieten, also zum Beispiel auch Importeure.
Jede Organisation soll eine Sammelquote von 70 Prozent erreichen mĂŒssen, gemessen an der Menge der Kleidung, die die angeschlossenen Hersteller im Vorjahr auf den Markt gebracht haben.Â
Textilbranche alarmiert
Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie sieht in den PlĂ€nen mitnichten ein wirksames Mittel gegen Billigprodukte, sondern fĂŒrchtet sogar negative Konsequenzen fĂŒr heimische Hersteller. «Wir riskieren, dass solide MittelstĂ€ndler die Alttextilien der globalen Billigplattformen mitfinanzieren mĂŒssen», fĂŒrchtet HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Mazura.Â
Beim Verband fĂŒrchtet man, dass auslĂ€ndische Onlineplattformen durchs Raster fallen, weil diese nur einen Marktplatz fĂŒr VerkĂ€ufer bieten - die man dann aber nicht zu fassen bekomme. Auch der Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren mahnt eine «effektive MarktĂŒberwachung internationaler Onlineplattformen» an.Â
Umweltfreundlichkeit soll honoriert werden
Wie viel die Hersteller zahlen, soll aber auch davon abhÀngen, wie viel Kleidung sie auf den Markt bringen und wie hochwertig diese ist. Dabei sollen Kriterien gelten wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Recyclebarkeit und das Vorhandensein gefÀhrlicher Stoffe. Je umweltfreundlicher ein Produkt ist, desto geringer soll der zu zahlende Betrag ausfallen.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hĂ€lt das jedoch fĂŒr eine zahnlose Regelung. Da gesetzlich festgelegte Kriterien fĂŒr Umweltfreundlichkeit fehlten, könne sich jede Organisation fĂŒr Herstellerverantwortung etwas Eigenes ausdenken, erklĂ€rte Viola Wohlgemuth von der DUH. «Das Ergebnis wird ein gnadenloser Unterbietungswettbewerb, bei dem es nicht um Umweltschutz geht, sondern um die billigste Abfallentsorgung.» Es fehlten auch Anreize zur Wiederverwendung.Â
Schneider entgegnet, er nehme die Kritik ernst, einen Unterbietungswettbewerb solle es nicht geben. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kritisiert: «Es ist vollkommen unklar, wie mit den VorschlÀgen wirklich Abfall vermieden werden soll.»
Wird Kleidung dadurch teurer?
Falls die neuen Regeln auch Billig-HĂ€ndler wirksam erfassen, könnten diese höhere Kosten an Kundinnen und Kunden weitergeben. Schneider schreckt das nicht ab. Er betont: «Die Kosten sind ja sowieso da.» Die Frage sei nur, wer sie zahle. Jetzt zahle die Umwelt oder die Allgemeinheit ĂŒber Abgaben fĂŒr VermĂŒllung oder die Kommunen. Von Verbrauchern wĂŒnscht er sich mehr QualitĂ€tsbewusstsein: «Dass es nicht okay ist, ein T-Shirt zweimal zu tragen und wegzuwerfen und zu denken: "Wird schon".»
FĂŒr Second-Hand-Shops, SozialkaufhĂ€user und Kleiderkammern sollen die neuen Vorgaben nicht gelten, sofern sie nur tragbare Textilien annehmen, die nicht als Abfall gelten. Ahlmann von Fairwertung begrĂŒĂt das, wĂŒnscht sich aber weiterreichende Regelungen fĂŒr SozialkaufhĂ€user. Diese sollten unverkaufbare Kleidung kostenlos statt teuer als GewerbeabfĂ€lle entsorgen dĂŒrfen, fordert er.
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