Biogasanlage, Nieheim

Biogasanlage Nieheim: Betrieb nach Leck-Unglück genehmigt

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 05:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Nach schwerem Gasaustritt darf die Biogasanlage in Nieheim wieder laufen. Die Branche setzt auf Schulungen und weniger Bürokratie.

Biogasanlage Nieheim: Wiederbetrieb nach Leck und neue Sicherheitsregeln
Eine Biogasanlage mit großen, kuppelförmigen Fermentern und einem Techniker im Vordergrund, der die Anlage inspiziert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Juli einer Biogasanlage in Nieheim die Wiederinbetriebnahme erlaubt. Der Betrieb war nach einem folgenschweren Leck im April gestoppt worden. Damals war Gas ausgetreten, tausende Fische in der Emmer verendet. Die Genehmigung kam erst, nachdem das Leck beseitigt und umfassende Sicherheitsgutachten vorgelegt worden waren.

Schulungen: Wer seine Anlage sicher betreiben will, muss lernen

Um Vorfälle wie in Nieheim künftig zu vermeiden, setzt die Branche auf Qualifikation. Die Sächsische Bildungsgesellschaft für Umweltschutz und Chemieberufe Dresden bietet am 2. Dezember 2026 eine Auffrischungsschulung zur Betreiberqualifikation an. Adressiert sind Betreiber, die bereits eine Grundqualifikation besitzen und ihr Wissen aktualisieren müssen.

Weitere Termine für Auffrischungen sind über das Jahr verteilt: 20. Januar, 17. Februar, 17. März, 13. Mai, 22. Oktober und erneut der 2. Dezember. Für Neueinsteiger gibt es Grundschulungen am 18. Februar, 28. April, 24. September und 16. November 2026. Die Inhalte orientieren sich an den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 529) und für Anlagensicherheit (TRAS 120).

Weniger Bürokratie: Regierung plant neue Prüfregeln

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Parallel zu den Qualifizierungsmaßnahmen will die Bundesregierung Betriebe entlasten. Am 15. Juli gab sie Pläne bekannt, starre Prüffristen für Elektroanlagen durch einen risikobasierten Ansatz zu ersetzen. Das könnte für viele Unternehmen organisatorische Erleichterung bedeuten.

Allerdings: Bereiche mit hohem Gefährdungspotenzial – etwa Feuchträume in der Gastronomie – bleiben von den Lockerungen ausgenommen. Ein konkreter Gesetzesentwurf liegt noch nicht vor.

Mehr Gas aus dem Gärrest: Neue Verfahren im Test

Neben der Sicherheit treibt die Branche die Effizienz voran. Das Biogas Forum Bayern veröffentlichte am 15. Juli neue Fachinformationen zu 15 Aufbereitungsverfahren für Substrate. Die Methoden reichen von physikalischen Verfahren wie Extrusion oder Ultraschall über chemische Ansätze bis hin zu biologischen Verfahren mit Bakterien oder Enzymen.

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Ziel: Faserreichere Substrate besser für den Gärprozess nutzbar machen und so die Gasausbeute steigern.

Biomethan statt BHKW: Wann sich der Umstieg lohnt

Für Betreiber alter Anlagen stellt sich zunehmend die Frage: Lohnt sich die direkte Einspeisung von Biomethan mehr als die Verstromung vor Ort? In einem Fachgespräch am 15. Juli gab Georg Siegert vom Institut für Biogas, Kreislaufwirtschaft und Energie klare Kriterien.

Ein Wechsel zur Biomethanerzeugung sei sinnvoll, wenn ein Gasnetzanschluss in weniger als einem Kilometer Entfernung liegt – und die Anschlusskosten 250.000 Euro nicht übersteigen. Ein hoher Anteil an Wirtschaftsdünger verbessert die Treibhausgasbilanz und steigert die Wirtschaftlichkeit. Allerdings: Die Planungsdauer beträgt mindestens drei Jahre.

Für die technische Umsetzung am BHKW-Standort braucht es spezialisierte Komponenten. Seitenkanalverdichter etwa müssen spezifische Anforderungen an Volumenstrom, Explosionsschutz nach ATEX-Zonen und den Umgang mit Feuchtigkeit erfüllen. Nur so läuft der Prozess stabil und sicher.

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